Alte Pfade

Schreiben werde ich immer, schreiben fordert mich mehr als alles andere, es ist das, was mich lebendig macht.

In den vergangenen drei bis vier Jahren war das mit dem Schreiben nicht so leicht. Nach meinem vierten Roman beim alten Verlag hatte ich das Gefühl, ich würde nicht mehr den Ton treffen, nicht mehr die richtigen Geschichten raustragen. Dann kam die Kinderwunschzeit, der Verlust, ich geriet ins Trudeln, ich stolperte, ich haderte. Lass dir Zeit, wurde mir von allen Seiten gesagt, zwing dich nicht, es wird schon alles irgendwann wieder gut. Aber ich blieb die Getriebene. Ich wollte schreiben, ich wollte veröffentlichen, meine Geschichten sollten gelesen werden und wurden es doch nicht, vermutlich war ich zu verzweifelt, wer weiß das schon.

In die Zeit fiel auch der Abschied von meiner alten Agentin und der Wechsel zur neuen; was im ersten Moment eher surreal war (ich hätte nie gedacht, mal bei dieser Agentur zu landen), entwickelte sich im Laufe der Monate und inzwischen über zwei Jahre zu einer gut eingespielten Zusammenarbeit. Nicht jedes Projekt, das ich auf den Weg brachte, fand die volle Zustimmung meiner Agentin; nicht jede Idee gefiel ihr. Ich rieb mich an ihr, und ich lernte, dass ich daran nur wachsen konnte. Dass sie mich wachsen ließ, über den Panzer des Verlusts hinaus.

Und dann wendete sich Ende letzten Jahres das Blatt. Ich hatte in der Zwischenzeit einiges über SP veröffentlicht, immerhin mit recht vielversprechendem Erfolg. Aber ich spürte, dass es das nicht war für mich; das laute Trommeln, das beständige Buhlen um die Aufmerksamkeit der Leser – nein. Ich wollte wieder einen Verlag im Rücken wissen, der mit mir gemeinsam die Projekte und Ideen realisierte, die mir am Herzen lagen. Und wie der Zufall es wollte, hat LINN mir eine Tür geöffnet: Die Leseprobe kursierte, stieß auf ein gemischtes Echo (immerhin!) und sorgte bei diesem Verlag dafür, dass die Lektorin zum Hörer griff und die Agentin fragte, ob ich nicht auch was Anderes machen würde, sie hätte da eine Idee …

Die Verlagsbranche ist, ich muss das mal vorsichtig formulieren, ziemlich inzestuös. Da hat jeder schon mit jedem, es passieren die verrücktesten Dinge. Geschichten könnte ich erzählen! Jedenfalls: Diese Lektorin kannte mich bereits von einem Erotikprojekt, das wir vor sieben oder acht Jahren gemeinsam für Ullstein realisiert hatten. Und sie wollte mich auch jetzt. Das war im ersten Moment ziemlich abgefahren, und ich hielt den Ball lieber mal flach; nur in vielleicht 50% der Fälle wird aus so einer angedachten Zusammenarbeit dann tatsächlich irgendwann ein Buch.

Ich will’s kurz machen, obwohl sich das alles über sechs Monate hinzog (und früher wäre ich zwischendurch die Wände hochgegangen vor Ungeduld!): Wir telefonierten, schrieben Mails, ich schrieb ein Exposé, das wir gemeinsam noch etwas besser machten, ich schrieb eine Leseprobe. Und nun kam Mittwoch die Zusage, wir haben noch ein wenig die Eckdaten verhandelt (ja, es ging ums Geld, natürlich ging es ums Geld!), und dann waren wir uns schon am Freitag einig.

2018 erscheint wieder ein Roman von mir bei einem Verlag.

Mir gibt das Auftrieb und Kraft. Es war ein langer Weg. Es war kein leichter Weg. Ich habe nicht aufgegeben. Und das wiederum macht mir Mut – für LINN und alle anderen Ideen, die unkontrolliert durch meinen Kopf geistern.

Neue Wege

Stillstand ist nichts für mich, das dürfte dem geneigten Blogleser so langsam aufgefallen sein. Stillstand bringt mich um den Verstand, wenn alles stillsteht, werde ich irgendwann kribbelig. Freizeit im Sinne von Nichtstun kenne ich nicht. Und es vergeht kaum ein Tag (auch nicht an den Wochenenden), an dem ich nicht auf die eine oder andere Art arbeite. Aber ich liebe meine Arbeit, darum ist das schon okay. Sie ist mir definitiv lieber als Haushaltsdinge.

Aktuell bin ich damit beschäftigt, ein Buch zu übersetzen (das Übersetzen liebe ich, weil man es so schön abends machen kann, bevor der Akku völlig schlapp macht), ich bekam gestern die Rückmeldung von einem Verlag zu einem tollen Herzprojekt, außerdem wird im Wollshop der Lagerbestand abverkauft. Im September, so der Plan, wird Schluss sein. Dann werde ich den Wollshop schließen, nach sieben tollen, aufregenden Jahren. Über die Gründe werde ich ein anderes Mal vielleicht ausführlich schreiben.

Zugleich aber merke ich, wie in mir etwas Neues aufwacht. Eine neue Idee, ein neues Projekt. Ist das aufregend! Aktuell mache ich erste Schritte auf diesem Feld, nein, eigentlich sogar zweite und dritte Schritte, denn eigentlich habe ich schon mal damit angefangen, dieses Thema zu bearbeiten. Aber was mich lähmt, seit jeher, ist die Angst.

Ich möchte mich im Bereich Strickdesign versuchen. Nicht, weil es nicht genug Strickdesignerinnen gibt. Oder weil ich meine, es besser zu können (bewahre!). Sondern schlicht, weil ich ohne Kreativität nicht kann. Sie durchdringt alles. Sie ist omnipräsent, sie lässt mich nicht los. Und dieser kreative Prozess gepaart mit einer Handarbeitstechnik, die ich gut bis sehr gut beherrsche, fordert mich angenehm heraus. Wobei die Stolpersteine nicht beim Finden der Ideen liegen, oder dabei, sie umzusetzen. Nein, sie lauern ganz woanders: das Muster schreiben. Es prüfen lassen. Es in die Welt hinausbringen. Da ist so vieles drumherum, das mich enorm fordert. Aber ich will es machen! Ich mach es einfach, so!

Und natürlich werde ich versuchen (!), dieses neue kreative Feld hier ein bisschen abzudecken in den kommenden Wochen und Monaten. Kommt ihr mit? Es wird sehr spannend, ob ich das überhaupt schaffe!

WMDEDGT 5. März 2017

Das Baby hat ein neues Feature, und das heißt: jeden Tag etwas früher wach werden. Ich bin nicht amüsiert, da ich aktuell jeden Tag ein bisschen später ins Bett falle. Ihr werdet im Laufe des Tages sehen, woran das liegt.

Sonntag also. Könnte doch alles ganz entspannt sein, immerhin fallen wir um zehn nach sieben aus dem Bett. Nach einem Halt beim Wickeltisch geht’s nach unten. Das Baby spielt, ich räume die Spülmaschine ein und schalte sie an und mache den ersten Kaffee des Tages. Anschließend setze ich mich hin und fange mit diesem Blogeintrag an – der erste seit langem, hurra!

Danach schnell eine Morgenseite geschrieben. Drei Morgenseiten sind aktuell utopisch, die Ruhe hab ich nicht. Zwei sind zu viel, das klaut viel Zeit. Eine ist quasi der Kompromiss, damit die ganzen Dinge, die mir durch den Kopf gehen, nicht ungehindert rausfallen können und in Vergessenheit geraten. Anschließend klappe ich das Macbook wieder auf und versinke im Manuskript. Für einen Publikumsverlag schreibe ich eine Leseprobe, und ich bin in das Projekt so verliebt, das wir gemeinsam entwickelt haben, dass ich beim Schreiben eher ängstlich bin. Das muss anders werden!

Das Möttchen will um halb neun schon wieder schlafen. Ich rolle innerlich mit den Augen, füge mich aber natürlich. Nach dem Schläfchen lasse ich das Baby ein bisschen beim Liebsten im Bett, während ich schnell auf meine drei Seiten komme. Ein Blick ins Exposé zeigt mir, dass ich noch viel Arbeit vor mir habe, weil ich nicht vorher reingeguckt habe. Eine Abgabe diese Woche rückt damit in weite Ferne. Zefix!

Um zehn hat das Möttchen wieder Sehnsucht nach mir, es gibt eine frische Windel und einen Stillstop. Wir genießen die Kuschelzeit im Bett. Um viertel vor elf dann mal aus den Federn! Ich mache uns ein spätes Frühstück. Fürs Möttchen gibt’s einen Brei, für uns Brötchen. Die Mahlzeiten dauern mit Baby deutlich länger, sind aber irgendwie auch schöner.

Wir baden das Möttchen, sie spielt ein bisschen mit Papa auf dem Teppich (zwei Seiten für mich!) und dann ist sie auch schon reif für den Mittagsschlaf. Gestern habe ich Milch abgepumpt, damit die beiden den Mittagsschlaf bestreiten können, aber sie ist von der Idee eines Silikonsaugers überhaupt nicht überzeugt (das war vor einiger Zeit noch anders, schade …), also liege ich die Mittagsschlafzeit bei ihr (denn wehe, ich rühre mich weg!) und lese weiter Rubikon, ein sehr gutes Sachbuch über Caesar und das Ende der Republik. Nach 27% hat er auch mal seinen ersten Auftritt, Halleluja.

Am Nachmittag fahren wir zu Freunden und lernen dort die vier Wochen alte G. kennen. Sie kam etwas früher und ist jetzt so groß wie unser Baby bei der Geburt. Ich guck das kleine Bündel an, dann mein großes Mädchen – und kann das gar nicht glauben, dass dazwischen sieben Monate liegen. Mein Baby ist riesig! Krass. Aber noch mal so ein Kleines, ich könnte in Versuchung geraten …

Nach dem Besuch sind wir bei des Liebsten Eltern. Es liegt halt auf dem Weg, wir kriegen ein Abendessen usw. Es wäre praktisch gewesen, wenn das Möttchen nicht schon von dem ersten Besuch ziemlich k.o. wäre. Erstmal ziehe ich mich mit ihr zurück und sie schläft auf meinem Arm, während ich weiter Rubikon lese. Dann gibt’s auch schon was zu essen, und das Essen ist auch gut (also das, was ich davon abbekomme …), aber das Möttchen mag nicht essen, sondern lieber … äh, andere verdauliche Dinge tun. Also das Kind wickeln und vor allem umziehen. Danach ist es schon spät, zumindest fürs Baby. Ich kann mich gerade noch beherrschen, angesichts ein paar Sprüchen der Schwiegereltern mein Gesicht entgleisen zu lassen (call me Pokerface!), dann sind wir schon auf dem Heimweg. Und der wird lang, denn das Baby weint. Es brüllt. Es ist müde, hungrig, überreizt, fertig mit der Welt. Es versteht nicht, warum ich es nicht im Arm halte. Wir machen zwischendurch Halt, ich stille es, aber danach müssen wir weiterfahren und es ist völlig erschöpft und traurig und weint, weint, weint.

Daheim machen wir das Baby bettfein. Ich stille es ausgiebig auf der Bettkante. Danach, oh Wunder, ist es immerhin soweit wieder ruhig, dass wir den Rest des Abendrituals ablaufen lassen können: Zähnchen putzen, vorlesen, einschlafstillen. Ich bleibe länger bei ihr liegen als unbedingt nötig, denn sie braucht mich jetzt, das merke ich. Um neun plumpse ich erledigt aufs Sofa. Um halb zehn raffe ich mich auf, ich schreibe diesen Blogbeitrag und merke, dass fürs Arbeiten definitiv keine Kraft da ist, und ich muss noch die Geschenke für den Liebsten einpacken, morgen hat er Geburtstag und wir bescheren traditionell um Mitternacht. Den Maulwurfshaufen habe ich ihm auch nicht gebacken heute, und ich bin jetzt ein bisschen heulig.

So ein Tag war das heute. Gute Nacht.

Buggy gesucht. *seufz*

Wir brauchen einen Buggy/Sportwagen.

Unser Kinderwagenset (Quinny Dreami/Speedi) hat sich irgendwie als Fehlkauf erwiesen. Aus der Babywanne war das Möttchen schon mit fünf Monaten rausgewachsen, und wir behalfen uns jetzt seitdem mit dem Maxi Cosi (den man zum Glück dank Adapter aufstecken kann), aber so richtig wohl war mir dabei nicht, weil das Kind da dann doch relativ ungeschützt drinsitzt. Und ehrlich gesagt fand das Möttchen die Ausfahrten auch nicht mehr so dolle, obwohl wir noch in einen kuscheligen Fußsack investierten. Damit ging’s, die große Liebe wurde es aber nicht.

Jetzt haben wir den Kinderwagen zum Sportwagen umgebaut. Erstmal fummelig (ein Zurück zum Maxi Cosi also nicht empfehlenswert, definitiv nicht „mal schnell“, und überhaupt, siehe oben), und zweitens scheinen wir eines der wenigen Modelle erwischt zu haben, die man nicht so einstellen kann, dass das Kind rückwärts fahren und uns ansehen kann. Wir waren keine fünfzig Meter aus dem Haus bei der ersten Fahrt, als der Liebste schon sagte: „Das gefällt mir nicht. So kann sie uns ja gar nicht ansehen.“ (Spoiler: Ihr auch nicht. Und mein Unbehagen war auch von Anfang an da.) Also muss ein neuer Buggy/Sportwagen whatever her. Und zwar relativ fix.

Und bevor jetzt jemand kommt mit „Trag die Kleine doch!“ – ach, seufz. Sie mag Tragen und Tücher nicht, jedenfalls nichts von dem, was ich hier anschleppe. Wir bräuchten dringend eine Trageberatung, auch auf die Gefahr hin, dass das Baby gar nicht in Tuch oder Trage möchte. Sie mag es übrigens sehr, getragen zu werden. Aber eben nicht mit irgendwelchen Tragesystemen. Ich forsche da noch weiter, so richtig aufgeben mag ich nämlich nicht. Aber das ist eben eine völlig andere Baustelle unabhängig vom Buggy. Denn in nicht allzu ferner Zukunft möchte ich auch die Großeltern (die schon ganz hippelig sind und hoffen, nach ihrem Winteraufenthalt ist es dann ENDLICH soweit) mit dem Kind mal für ein halbes Stündchen loslassen. Buggy muss also sein.

Und nachdem ich mich schlaugelesen habe, hätte ich gern einen, mit dem das Kind nicht nur rückwärts fahren kann, sondern der auch ratzfatz in eine Liegeposition gestellt werden kann. Er sollte natürlich stabil sein und ein bisschen geländetauglich wäre schön. Wir haben keine Bergwanderungen vor, aber wir sind schon gelegentlich mal im Wald oder auf Feldwegen unterwegs. Klein und handlich zusammenklappbar wäre ein Extra, über das sich keiner beklagen würde. Und wenn er dann nicht gerade eine Tonne wiegt, her damit.

Habt ihr Empfehlungen? Welcher Buggy hat euch glücklich gemacht? Welchen dürfen wir auf keinen Fall nehmen? Ich bin um jeden Tipp dankbar!

Wochenende? Wochenende!

Ich bin Freelancer, ich bin selbständig, #writingmum – wie man es dreht, wendet, betrachtet, ich bin ein Arbeitstier. Ich liebe meine Arbeit nicht nur, ich brauche sie. Fünf Tage nach Möttchens Geburt klappte ich das MacBook zum ersten Mal wieder auf und begann ein Manuskript. Seit Möttchens Geburt habe ich einen Roman geschrieben und drei Serials, das vierte ist in Arbeit. Ich habe einen Roman übersetzt und einen zweiten fast. In sieben Monaten habe ich so um die 400.000 Wörter Text produziert. Nicht, weil ich es muss – sondern weil ich weiß, dass ich ohne früher oder später die Wände hochgehen würde, und zwar gepflegt.

Darum arbeite ich auch am Wochenende. Aktuell stelle ich eine Übersetzung fertig, und zum ersten Mal seit langem schaffe ich das sogar vor Termin. Ich müsste mich heute und morgen nicht zwingend um den Text kümmern, die letzten Kapitel übersetzen und so weiter. Es würde reichen, wenn ich das Montag und Dienstag mache, Mittwoch abgebe, danach mit dem nächsten Teil der Trilogie weitermache.

Trotzdem sitze ich morgens um neun am Tisch. Das Möttchen spielt auf dem Teppich, zwischendurch verlangt sie mal nach mir, dann spielen wir gemeinsam. Aber sie beschäftigt sich auch sehr gerne allein, teilweise halbe Stunden. Ich genieße das sehr. Ich genieße es auch sehr, mich in den Text zu vertiefen. Ich brauche das. Nie ist mir das so deutlich geworden wie in den vergangenen Monaten. Ich bin keine stay-at-home-mum, die allein ums Kind kreisen kann. Ich kann das, wenn mein Kind mich so ganz und gar braucht. Aber ich kann das nicht, wenn es sich selbst beschäftigt, wenn der Liebste sich kümmern kann.

In den letzten Wochen war kein Platz fürs Schreiben, und das merke ich so langsam. Okay, vielleicht wäre Platz gewesen. Abends um elf, nach dem Übersetzen, wenn das Möttchen mal für ein, zwei Stunden stabil schlief. Aber da bin ich dann auch ins Bett gegangen, weil ich mich zwar theoretisch über den Punkt der Erschöpfung hinaustreiben kann – aber eben nicht um jeden Preis. Die Unzufriedenheit über das Nichtschreiben war noch nicht so groß, dass ich sie unbedingt stillen und damit Nichtschlafen in Kauf genommen hätte. Aber die Vernunft hat eben gesiegt, und vernünftig ist gut. Ich hab ein kleines Baby, und was das bedeutet in Kombination mit Schreiben und Übersetzen, das konnte ich mir vorher ja so nicht vorstellen. Man versucht wirklich, jede Minute für die Arbeit zu nutzen, und man wird trotzdem manche Tage nicht fertig, und das zehrt, weil jede Minute, das ist ja auch schwierig, weil das Kind jederzeit wieder rufen könnte, weil jeden Augenblick die Konzentration wieder futsch sein könnte, und wer schon mal versucht hat, einen vernünftigen Text zu schreiben, geschweige denn ein ganzes Buch … Na eben.

Wochenende heißt für mich seit eh und je: Paarzeit, Familienzeit. Und so halten wir’s auch jetzt. Später wird der Liebste sich um die Kleine kümmern, während ich mich um meine Arbeit kümmere. Ist das ideal? Keine Ahnung. Für uns ist es ideal. Wir finden abends genug Zeit füreinander. Ja, weniger als früher, das mag sein. Aber, Überraschung! Das ist okay. Das sollte nämlich jedem klar sein, wenn man Kinder bekommt, dass man die Zeit nicht mehr nur zwischen Arbeit, Haushalt, Partner aufteilt, sondern eben (in vielen Fällen weniger) Arbeit, weniger Haushalt (*hüstel*), viel Zeit für Kinder, und was übrig bleibt, ist Partnerzeit. Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben, sondern ich wollte mich nur freuen, weil ich arbeiten kann. Und die Arbeitszeit mit einem Blogeintrag vertändeln. Und weil das alles so schön ist, wie es ist, auch wenn mich das Nichtschreiben ein bisschen in den Wahnsinn treibt.

Heute Nacht vielleicht. Oder ab Mittwoch, dann habe ich wieder drei Monate Zeit für eine Übersetzung und kann die ersten beiden heillos vertrödeln.

8. Was so ein neues Hobby mit einem macht …

… glaubt ja auch vorher keiner.

Wer mir bei Instagram oder Twitter folgt, hat es ja schon mitbekommen. Ich nähe neuerdings (dazu dann in Kürze mehr), und das macht erstaunlich viel Spaß, und ich habe erste Anfangserfolge „feiern“ können, gar nicht mal so kleine. Als ich mal eine näherfahrene Freundin fragte, was ich denn so unbedingt bräuchte, sagte sie unter anderem: „Ein Bügelbrett nebst Bügeleisen.“

Hm.

Wir besitzen schon länger keins mehr. Seit dem letzten Umzug, um genau zu sein. Und das olle Ding (!) war noch das von des Liebsten Oma, das er quasi mit in unsere erste Wohnung brachte. Ich kann also nicht mal sagen, wie alt es war, als wir es wegwarfen. Fünfzehn Jahre? Uralt jedenfalls. Und ich hab es weggeschmissen, weil wir – im Ernst! – keins mehr brauchten. Meine T-Shirts und Langarmshirts kommen immer knitterfrei aus dem Trockner, und was an Knitter noch da ist, trägt man nach einer halben Stunde raus. Der Liebste muss für den Job Hemden tragen. Doch da hat er mal in bügelfreie Hemden investiert, und das klappt erstaunlich gut, wenn man die Hemden richtig wäscht und sie danach direkt auf dem Bügel trocknen lässt. Bloß niemals mit dem Bügeleisen dran, danach ist’s Essig mit dem Bügelfrei! Jeans kommen auf die Wäscheleine, fertig. Unterhosen mit Kniff (wie es meine Oma mit den Unterhosen meines Opas zu tun pflegte – Bügeln mit Kniff!) gibt’s hier erst recht nicht.

So. Bügeleisen und Bügelbrett also. Ich sehe die Notwendigkeit durchaus ein, so nach den ersten Nähprojekten. Komischerweise (und darüber wollte ich berichten) passieren noch andere Dinge. Mir fällt zum Beispiel auf, wie unendlich vernuddelt unsere Küchenhandtücher sind, denen würde also eine Runde unter so einem Bügeleisen auch nicht schaden. Und ich hätte da noch die eine oder andere Bluse. Und die Tischdecke, die wir einmal im Jahr zu Weihnachten herkriegen …

Noch zögere ich. Noch habe ich nicht geschaut, was man da so nehmen könnte. Aber ich sehe mich schon Geschirrhandtücher bügeln. Ich. Geschirrhandtücher. Bügeln. Weil ich es kann. Weil es *hübsch* aussieht.

Hätten wir das auch geklärt. Vermutlich dauert’s nicht mehr lang, bis ich dem Liebsten gebügelte Unterwäsche in seine Kommode räume. Mit Kniff natürlich. Alles andere macht ja keinen Spaß.

7. Friday Fives KW 1/2017

Eine wunderschöne Idee von Frau Buntraum, die ich diese Woche ausnahmsweise am Samstag aufgreife. Wofür war ich diese Woche dankbar?

1. Loslassen können: Ich habe ein uraltes WIP aus meinem Strickkorb gezogen und es aufgeribbelt. Aus der Wolle stricke ich nun einen Vertebrae fürs Babymädchen, und das gefällt mir sehr viel besser als das alte Projekt. Loslassen lohnt sich!

2. Flow: Beim Arbeiten komme ich immer häufiger in den berühmten Flow, und das finde ich sehr, sehr schön. Es ist zwar oft erst Abend, wenn ich dann die Zeit finde, aber dafür sind diese Stunden umso wertvoller für mich, wenn ich tatsächlich dazu komme.

3. Der Liebste: Wir nehmen uns im Moment viel Zeit für Gespräche, und das tut richtig gut, denn er nimmt meine Ängste und Besorgnisse ernst. Es geht natürlich um mein Leben als #writingmum, das ich irgendwie in den Alltag bringen muss.

4. Das Internet: Das Internet ist toll! Da ich gerade mein neues Hobby Nähen in den wenigen freien Minuten intensiv „bespiele“, bin ich froh, dass ein paar findige Geister das Internet erfunden haben, das mir die Stoffe, Kurzwaren & Co. schnell und unkompliziert auf die Türschwelle bringt. (ja, ja, nicht sehr minimalistisch. Zu dem Spagat kommt bald noch was.)

5. Sorgenfrei: Wir haben keine großen Sorgen. Und dafür kann man jeden Tag einfach nur irre dankbar sein, denn ohne Sorgen lebt es sich deutlich leichter. Nach ein paar echt schwierigen Jahren scheint jetzt eine gute Zeit für uns zu sein, und die will ich genießen, solange sie andauert.

6. Minimalismus, anyone?!

Ich versuche gerade, so ein paar Dinge zu ordnen und wegzuwerfen. Letzten Sonntag sortierten wir einen Küchenschrank durch, das hätte für zwei Wochen Minimalism Game gereicht, was ich da rausgeholt und entsorgt habe, ohne dass mir irgendwas davon auch nur ansatzweise fehlen würde.

Und dann fiel mir heute etwas in die Hand, über das ich mich … naja, nicht direkt ärgere. Aber ich find’s doof, dass es da ist. Weil ich nicht weiß, was ich damit tun soll.

Es ist eine Tasse. Bemalt mit Porzellanmarkern (glaub ich), von einer Nachbarin der Schwiegereltern, mit dem Namen unseres Kinds und einer Comicfigur. Nicht schlecht übrigens, sogar ganz nett, wenn man so etwas denn mögen würde! Da geht’s schon los. Weder der Liebste noch ich mögen so etwas. Brrrr! Allein beim Gedanken schauert’s mich, dabei ist die Tasse gut verwahrt in ihrer Schachtel und steht hier nicht offen rum. Das Ding wird also, wenn es nach uns geht, niemals in unseren Haushalt so richtig Einzug halten, aber sie steht jetzt halt auf unserem Gabentisch, sie soll ein Geschenk für uns und unsere Tochter sein von jemandem, den wir kaum bis gar nicht kennen, der aber offenbar sehr gerne großen Anteil an uns und unserem Leben nimmt.

Na toll. Und nun? Total herzlos sofort die Tasse entsorgen? Den Schwiegers aufs Auge drücken (die haben das Ding schließlich angeschleppt, soll das Kind doch in späteren Jahren bei ihnen daraus trinken, wenn es dort ist!)? Die Tasse ein paar Jahre verlegen hin und her schieben, bis sie bei der nächsten Ausmistaktion aussortiert wird? Dem Babymädchen in die Hand drücken, das gerade Newton für sich entdeckt hat, sobald sie etwas in der Hand hält und mindestens dreißig Zentimeter über dem Boden sitzt?

Was mich am meisten daran „ärgert“, ist nicht mal die Tasse an sich, sondern die Tatsache, dass sich die Nachbarin hingesetzt hat und etwas angefertigt hat. Ich weiß, was es heißt, etwas selbst zu machen, sich mit viel Liebe und Herzblut einer Technik zu widmen und dann die Ergebnisse zu verschenken. Aber in diesem Fall fühle ich mich schlecht; es wurde uns aufgedrängt, wir haben nicht darum gebeten. (Ich frage nämlich meist, bevor ich mir die Mühe mache. Es sei denn, ich bin mir absolut sicher, dass es gewünscht und geliebt wird, was ich mache … Okay, oder das Babymädchen, das kann sich ja noch nicht wehren …) Es ist eine Verpflichtung, die wir eingegangen sind, ohne es zu wollen, eine Verbindung, die hergestellt wurde, ohne dass wir sie gesucht haben. Es ist etwas Einseitiges. Mir sollte es da eigentlich doch leicht fallen, der Tasse ein schnelles Ende zu bereiten.

„Das ist diese Verschwendung von Ressourcen“, sagte der Liebste heute. „Das nervt dich daran.“
Ich hielt inne, und ja – das ist es. Heutzutage wird so leichtfertig weggeschmissen, es wird so leichtfertig gekauft, konsumiert, gesammelt, gehortet … Ich nehme mich davon gar nicht aus. Aber es geschieht viel zu oft, ohne nachzudenken. Und hier geschah es vermutlich sogar mit etwas Nachdenken (oder auch nicht, was weiß ich schon …), Wahl der Farben, des Motivs, und so weiter. Da ist Zeit für draufgegangen, verdammt! Mir als der notorischen Zeitmangelqueen geht das auch auf den Zeiger. Zeit, ey! Für etwas, das dann jemand nicht mal zu würdigen weiß!!!

Und darum ist das so schwer mit dem Minimalismus – es schwemmen ja doch immer wieder Dinge ins Haus, so sehr man auch sortiert, räumt, ordnet, mistet. ARGH! Aber ich will so gern! Ich will nicht Marie Kondo (keine Kommoden!), ich will nicht Simplify, ich will irgendwas, das für mich passt. Irgendwas, damit ich etwas mehr Luft kriege. Weniger. Ist mehr.

Wie macht ihr das?

5. WMDEDGT Januar 2017

Was mache ich eigentlich den ganzen Tag? Frau Brüllen fragt an jedem 5. des Monats, und das Internet antwortet.

Nachts um drei bin ich das erste Mal wach. Das Babymädchen (SchubSchubSchub) wacht weinend auf, und ich verpasse ihr eine frische Windel. Ohne Zwischenstopp geht’s nicht, denn … morgens um halb acht weckt sie uns mit der großen Kackplosion. Das macht sie jeden Morgen. Also wecken und die Windel vollräumen. Ich stehe auf, mache mich fertig, mache das Baby fertig und brauche dann erstmal Kaffee, während das Baby sich etwas allein beschäftigt. Ehrlich gesagt – darüber bin ich gerade jedes MAl froh, wenn das klappt. Sie schreit sonst den ganzen Tag. Ist schon schwer, dieses Großwerden. Vor allem, wenn man gerade ein neues Update einspielt. Bin gespannt, womit sie uns in ein paar Tagen überrascht.

Ich fange beim ersten Kaffee diesen Eintrag an und sichte den Tag. Zum Glück habe ich in den letzten drei Tagen gut vorgearbeitet. Etwas Haushalt, Wocheneinkauf, Essensplanung, Administrativkram … packen wir’s an!

Schnell wird mir bewusst, dass „packen wir’s an“ wohl nicht mit dem Baby und seinen Wünschen an den Tag vereinbar sind. Das Baby möchte: Unterhaltung, Kuschelnähe, Stillen, Schlafen – vor allem aber: Mamaaaa! Ich streiche mein Programm zusammen, und wir gehen erstmal gemütlich ins Bett. Ja, am hellen Tag. Ja, obwohl der Haushalt ein kleines Schweinchen ist. Mir doch egal. Mein Baby braucht mich.

Wenn sie geschlafen hat, geht’s für ein halbes Stündchen, und in diesen halben Stündchen versuche ich zu arbeiten (klappt semigut), beim zweiten Mal frühstücken (hurra!) und Brei fürs Baby. Den lässt sie sich gern geben, wenn ich sie den Löffel führen lasse. Ich fasse hinten an, sie vorne, und so schiebt sie sich munter den Gemüsebrei in die Futterluke. Meinetwegen.

Als ich die Schüssel abspülen will, der Schreck. Das Wasser wird nicht warm. Das Problem hatten wir schon mal vor ein paar Wochen, inklusive Heizungshanseltanz und der Erkenntnis, dass es nichts ist, aber nachdem er einen Schalter überbrückt hatte, funktionierte es wieder. Dass das nicht von Dauer sein würde, habe ich ja schon damals befürchtet. Jetzt also wieder kein warmes Wasser, und ich sehe mich schon bei Schwiegers duschen. Ich telefoniere mit dem Liebsten, und wir wollen erst noch eine Stunde abwarten; da wir mit Wärmepumpe heizen, kann es sein, dass die Stadtwerke für eine Stunde den Pumpenstrom vom Netz genommen haben. Eine halbe Stunde später wird das Wasser wieder warm. Puh, Glück gehabt!

Das Möttchen lässt den Mittagsschlaf ausfallen und krakeelt weiter vor sich hin. Ich sitze bei ihr, viel machen kann man nicht. Singen und tanzen, wenn’s arg wird, und viel Dauerstillen. Ich frage mich, wie das Mütter mit mehreren Kindern machen, wenn so ein Zwerg schubt. Aber die anderen Zwerge mögen ja auch alle in Tragehilfen und Tücher, das hilft natürlich.

Der Liebste kommt heute zum Glück früh nach Hause, und ich springe unter die Dusche. Inzwischen ist es schon nach fünf, das Baby will wieder ein bisschen auf den Arm, sie schläft, ich lese, der Liebste erholt sich vom Arbeitstag. Kurz nach sechs klingelt die Nachbarin, ich habe heute ein Paket für sie angenommen. Ich raffe mich auf und koche uns was Feines, während der Liebste das Babymädchen bespaßt. Gegen sieben geht die Kleine ins Bett, bis sie schläft, ist es acht Uhr. Danach muss ich noch zweimal zu ihr hoch, aber jeweils nur eine Viertelstunde.

Den Abend verbringen wir auf dem Sofa. Ich übersetze den Rest meines Tagespensums, danach schauen wir Serie. Weil ich gestern ein Strick-WIP vollendet habe (es müssen nur noch die Fäden vernäht werden), suche ich im Korb nach einer neuen Herausforderung. Mir fällt der Water&Stone in die Hand, doch er gefällt mir überhaupt nicht mehr, und ich ribble ihn und schlage aus der Wolle ein Babyjäckchen an. Nach anderthalb Folgen Homeland mache ich mich bettfertig. Weil das Baby noch schläft, blogge ich rasch und versuche gleich noch, ein paar Seiten zu schreiben, bevor ich mich zu ihr begebe und ein bisschen lese. Das war ein voller, anstrengender Tag.

4. Mammut. Hexagons. Häkeln.

Drei Stichworte. Dahinter steckt etwas, das mir so viel Respekt abtrotzt, dass ich es gar nicht glauben kann, aber: Ich habe damit angefangen. Ich häkle eine riesige (Mammut!) Hexagondecke. Vorbild dafür ist die „Grey“ von Rosa P., und nachdem ich vor vier Jahren schon mal einen Anlauf genommen habe (falsches Garn! Falsche Größe! Ach, das sollte einfach nicht sein!), habe ich dieses Mal ein bisschen überlegt – welches Garn, welche Farben, und überhaupt.

Herausgekommen sind: 18 Farben für die Innenkreise, die Originalfarben (weiß, dunkelgrau, mittelgrau) für die äußeren Bereiche. Ich greife auch aufs Originalgarn zurück (Karisma von DROPS, gibt es zum Beispiel bei Lanade in großer Auswahl); ein Feldversuch zeigte nämlich, dass für mich Häkel-Anfängerin ein etwas hakeligeres Garn sehr viel angenehmer zu verhäkeln ist als ein glattes. Außerdem, mal ehrlich – ich bin normalerweise ein totaler Wollsnob, aber für eine Decke ein teures, womöglich handgefärbtes Garn nehmen – da sträubt es sich ein bisschen. (Okay, es gibt da so Wellen-Afghans in Tosh DK, die würden mich auch noch mal reizen …)

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Ich habe auch lange drüber nachgedacht, ob ich ein bestimmtes „Muster“ mit den Farben aufgreifen möchte, aber letztlich bin ich dazu übergegangen, die Farben nach „Gefühl“ zu setzen – allerdings mit der Maßgabe, dass alle Farben genauso oft vorkommen. Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, zumindest die Halbzeit zu erreichen – und regelmäßig die Fäden zu vernähen, denn das wird sonst zum Ende hin ein Mammut, das ich nicht erlegen möchte. Bisher bin ich noch gut dabei, und ich werde in den kommenden Monaten immer mal wieder Fortschrittsbilder posten.

Danke für eure lieben Kommentare hier und bei Twitter zu meinem gestrigen Eintrag – sie haben mich alle sehr gefreut und berührt, auch wenn ich nicht explizit darauf geantwortet habe.