Das Leben lieben.

Die Nacht war – na, nicht so toll. Das Baby ist jetzt drei Monate alt (drei! Monate!), und seit ein paar Tagen mag es nicht mehr alleine schlafen. Ich gehe also abends gegen neun mit dem Baby ins Bett, arbeite dort ein bisschen und schlafe vor elf. Allerdings beim Lesen ein- und das führt zu Nackenstarre und Verrenkungen galore, weil ja das Baby noch neben einem liegt und überhaupt, man bewegt sich am besten gar nicht, damit es nicht aufwacht.

Um halb sechs ist die Nacht dann auch zu Ende, mit diversen Wachphasen auf beiden Seiten. (dass der Liebste ganz wunderbar schlafen kann, während neben ihm Kirmes und Disco gleichzeitig laufen – beneidenswert!!!) Das Baby ist aber noch müde und schläft bis viertel vor neun auf dem Sofa weiter. Ich bin müde und kriege kaum die Augen auf. (Wie das wohl wäre, wenn ich erst nach Mitternacht ins Bett gegangen …? Ah, nicht drüber nachdenken.) Bis das Baby ausgeschlafen ist, habe ich die Morgenseiten geschrieben und schon ein paar Seiten im Manuskript geschafft, das mal wieder den üblichen “kurz-vor-Schluss”-Knoten hat. Aber das kenne ich schon, und je häufiger man an diesem Punkt steht, umso einfacher kommt man drüber hinweg.

Baby wickeln, zweiten Kaffee kochen, zweites Frühstück – das alles erledige ich in der folgenden halben Stunde. Sportzeug anziehen, Milch abpumpen – auch das gehört zu meiner Dienstagsroutine, wenn ich Rückbildung habe. Danach sitze ich wieder am Macbook und schreibe diesen Eintrag. Gleich dann die nächsten Seiten im Manuskript.

Was ich aber eigentlich sagen will: Aus dem zweiten Obergeschoss höre ich das Baby lachen, dazu die Stimme des Liebsten. Er nimmt sich den Dienstagmorgen immer “frei” (also bringt sich die Arbeit mit nach Hause), damit ich in Ruhe zum Sport kann. Und als ich das Baby lachen und brabbeln höre, dazu seine Stimme, die so zärtlich klingt … ach. Hach.

Ich liebe dieses Leben. Es ist unter denen, die zur Wahl standen, sicher das mit Abstand allerbeste. Und hierher zu kommen, das war es absolut wert. All die Kämpfe, die Enttäuschungen, Kummer, Trauer … allein dieser Moment war’s wert, da ich die beiden Liebsten da oben schäkern höre.

Ich bin angekommen, wo ich hingehöre.

Awwww! Neues Hobbygedöns!

Heute kam dann schon die Lieferung meiner Bestellung bei Gerstaecker. Wir erinnern uns: ich wollte mich mal wieder künstlerisch austoben, und da die Pastellkreiden irgendwie nicht das Nonplus waren, habe ich kurzerhand (okay, nach zähem Ringen mit mir selbst) das Geburtstagsgeld von den Schwiegers auf den Kopf gehauen.

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Sieht irgendwie wenig aus, so auf den ersten Blick. Beim Auspacken dachte ich ja zuerst, die drei zusätzlichen Näpfchen seien nicht drin, aber dann fanden sie sich doch, irgendwie.

Wir sehen: ein Kasten mit Aquarellfarben von Winsor & Newton (12 halbe Näpfchen), zusätzlich drei Farben, die ich auf Empfehlung des Liebsten hinzukaufte (Alizarinkarmesin, Coelinblau und Paynesgrau, auch jeweils halbe Näpfchen), vier Pinsel (drei Rundpinsel, ein Schlepperpinsel), Maskiermittel und dazu noch zweierlei Malgründe (beide von Hahnemühle, Serie Cornwall, einmal rau, einmal glatt, beide im Format 24×32 cm). Damit und mit dem Equipment des Liebsten (er macht viel mit Acryl) habe ich alles zusammen, um ein paar erste Bilder zu malen. Stellt sich ja nur die Frage, ob ich mich traue, auch davon was zu zeigen …

Geh, finde ein Hobby!

Man sollte meinen, dass ich ausgelastet bin mit einem (sehr fröhlichen, sehr wachen) Baby, zwei sehr kreativen Jobs, Mann, Haushalt, Familie Freunde, alles. Lesen will ich ja auch, am liebsten drei Stunden täglich. Aber nö! Mir scheint, da ist immer noch Zeit, Luft, whatever – wenn ich nur etwas besser mit meiner Zeit haushalte, so die irrige Meinung, passt noch mehr in den Tag. Schlaf wird ja ohnehin überbewertet, erst recht mit so einem zuckersüßen Baby.

Tatsache ist: so richtig hobbymäßig austoben kann ich mich gerade nicht, obwohl ich so gern etwas hätte, das ich nur um seiner selbst betreibe, irgendwas, das nur mir gehört … Und ich merkte auch, dass es etwas sein darf, das mich mal wegführt von den Wörtern. Weg von Geschichten. Ihr ahnt, was kommt?

Hin zu Bildern.

Ich besitze eine hübsche Sammlung Pastellkreiden, passende Blöcke, alles da. Aber Pastell war’s diesmal nicht; ich merkte, dass mir die schmierigen Finger, mit denen ich in den Farben fuhrwerke, einfach nicht ins Konzept passten. Achtung, verrückter Gedankengang: ich sah mich einen feinen Pinsel schwingen, ich sah pastellige Farben, blass nur – ich sah Aquarell. Nicht Acryl oder Öl, nein, Aquarell.

Also habe ich das Geburtstagsgeld von Schwiegers genommen und eine größere Bestellung aufgegeben: Farben, Pinsel, Malgründe, Maskiermittel. Alles, was man für den Anfang braucht.

Danach habe ich ein Ditschauge bekommen und konnte den ganzen Nachmittag nicht arbeiten. Im abgedunkelten Schlafzimmer liegen, die Augen geschlossen halten und sich überlegen, was man malen könnte – das ging aber.

Ich freu mich schon so sehr auf das Paket! Donnerstag, hoffentlich, ist es hier! Und dann fülle ich vielleicht, vielleicht diesen Blog gelegentlich mit ein paar gemalten Bildern …?

Die Zweifel. Sie gehören ja eh dazu.

Das mit dem Schreiben, es klappt hervorragend. Besser als früher. VIEL besser als früher; grad so, als müsste ich jede halbe Stunde, sogar jede Viertelstunde, jedes winzige Zeitfenster, das sich öffnet, schamlos ausnutzen. Und das schadet den Geschichten nicht, die ich schreibe. Erstens: sie sind schneller fertig. Zweitens: sie spüren und atmen den Flow, wenn ich sie überarbeite; da wird dann nicht in der Überarbeitungsphase hektisch noch herumgepuzzelt, damit es doch irgendwie passt. (im Idealfall sieht das die Leserin nicht. Aber ich! Ich seh’s!)

Und dann ist wieder ein Buch fertig, es darf wieder in die Welt hinaus – und es zieht und zerrt. Es wehrt sich alles in mir, ich hadere und bin voller Zweifel. Ich weiß, sie gehören dazu, die Zweifel; sie sind quasi Teil des Spiels. Sie müssen sein. Ein Buch ist erst dann für mich rund und gut und richtig, wenn es gebunden in meinen Händen liegt. Dann kann ich es zugleich auch abschließen, dann ist es für mich gut.

Trotzdem – die Zweifel bleiben, ob das, was ich da schreibe, reicht. Ob es genügt, sowohl meinen Ansprüchen als auch denen der Leser. Ob es vor allem genügt, damit ich damit leben kann, davon leben kann. Man ist erstaunlich einsam, wenn man sich vom Netz und vom doppelten Boden der Verlagswelt löst und allein auf den eigenen Füßen steht. Es macht mich freier, aber zugleich ist der Fall tiefer. Ob man überhaupt das einspielt, was Lektorat, Coverdesign und Werbung kosten. Ob man die Leser so erreicht, dass sie jedes weitere Buch auch lesen wollen und vielleicht sogar meine Bücher weiterempfehlen …

Die Gedankenspirale dreht sich so kurz vor der Veröffentlichung. Die Zweifel gehören dazu. Das zu wissen und es anzunehmen, das fällt schwer. Ich wünsche mir ein Patentrezept, irgendwas, das es mir leichter macht. Ich weiß, dass es ein Rezept gibt, fern von Zahlen, Erfolgen, Rezensionen. Das nächste Buch schreiben. Eine neue Seite aufschlagen, erneut “1. Kapitel” schreiben, und dann die kreative Kraft loslassen. Die Geschichten sind ja da, ich muss sie nur aufschreiben. Und loslassen. Schreiben. Loslassen. Sich nicht kirre machen lassen. Hoffen, bangen, fürchten.

Es gibt kein Zurück. Ich kann nicht anders als diesen Weg weiter zu beschreiten, denn er hat mich schon vor langer Zeit gewählt.

Writing Mum.

Natürlich wirbelt so ein kleines Menschenkind das Leben gehörig durcheinander. Und natürlich ist danach nichts mehr so, wie es mal war.

Man arbeitet zum Beispiel ganz anders.

(und jetzt schimpft bitte nicht mit mir. Ich weiß, das heilige Wochenbett, da habe ich nichts anderes zu tun, als mein Kind zu kuscheln, es zu stillen, es in den Schlaf zu wiegen usw. Aber stellt euch vor: es gibt so zwei, drei Stunden am Tag, da möchte ich auch wieder die Schriftstellerin sein.)

Noch klau ich mir die Schreibstunden, die so kostbar sind. Morgens tut sich ein Zeitfenster auf, das Baby schläft, und ich sitze neben dem Laufstall am Esszimmertisch und tippe. Wenn sie wieder wach wird, ist diese wertvolle Schreibstunde vorbei, und ich darf ihr nicht nachheulen, denn ich hatte meine Chance. Und meist schaffe ich in dieser knappen Zeit auch das Pensum. Oder sogar mehr! Wie effektiv man doch wird, wenn man erst anfängt, auf Zeit zu schreiben. So ein Baby ist der beste Motivator, besser als jede App, besser als “write or die”, es ist in seinen Ansprüchen und Bedürfnissen (und der Erfüllung derselben) absolut gnadenlos.

Und es ist wunderbar. Außerdem, auch total wichtig für mich: ich habe das Gefühl, dass es machbar ist. Das Leben als Writing Mum, als Mutter und Schriftstellerin, mit meiner Arbeit, die ich so sehr liebe. Ohne die ich nicht sein kann, ohne die ich irgendwann eingehen würde. Ich erhasche einen kleinen Blick auf das, wie es sein könnte in Zukunft – wie es sein wird, so hoffe ich. Natürlich wird es nicht immer so sein. Natürlich wird es ein Spagat. Vereinbarkeit ist eine Lüge, irgendwas fällt immer hinten runter (und das wird, so zeichnet es sich hier gerade ab, bei mir nicht anders sein). Aber ich betrachte unsere Situation als privilegiert. Der Liebste mit einem unkündbar festen Job, der uns ein gutes Auskommen ermöglicht, selbst wenn ich ein Totalausfall werde. Und daneben meine Arbeit, meine Leidenschaft, mein Job, den ich nie ganz aufgeben möchte. Was ich auch nicht muss, denn ich kann von zu Hause arbeiten, ich kann jederzeit arbeiten (ja, kein Scheiß! Auch nachts!), und ich kann mich in erster Linie ums Kind kümmern, wenn das Kind es verlangt.

Luxus. Ich weiß, das ist absoluter, uneingeschränkter, beneidenswerter Luxus. Wir sind privilegiert. Wir haben das Glück, dass unser Leben die idealen Umstände bietet. Und ich bin unendlich dankbar dafür.

Und jetzt schnell noch zwei Seiten schreiben, bevor das Baby wach wird und wieder meine volle Aufmerksamkeit bekommt!

Emily.

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Manchmal muss man lange warten, bis sich ein Wunsch erfüllt – und manchmal kann man gar nicht glauben, dass er sich tatsächlich erfüllt hat. Kein Wunder also, dass ich die letzte Woche in einem Zustand des ungläubigen Staunens verbracht habe. Ich staunte, wie sie sich von mir beruhigen ließ, wie sie auf dem Arm ihres Vaters schlief, wie sie mit großen Augen ihre neue Welt betrachtete. Ich war völlig hingerissen (geile Hormone!), weil sie so hübsch ist (natürlich ist sie das hübscheste Baby der Welt!), und weil sie da ist. Das ist das Wichtigste. Sie ist endlich da.

Und dann passte auch noch alles so perfekt zusammen! Sie kam am ersten Urlaubstag ihres Vaters, dem Wunschtermin, wenn man so möchte, ein paar Tage vor dem, was immer als errechneter Termin genannt wurde. Schon Tage vorher war ich unruhig, genervt, ungeduldig, konnte mir nicht vorstellen, dass dieses Datum da in weiter Ferne (nämlich das heutige!) wirklich der Tag sein soll, an dem sie zu uns kommt; irgendwie hatte ich es in der Unruhe und im Gefühl, dass es nicht mehr so lange dauert. Zugleich aber passierte nix (hey, Vorwehen sind ja wohl nix!), höchstens bei spannenden Fußballspielen, und die hatte diese EM bisher nicht so reichlich.

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Und dann wachste morgens auf und spürst – jetzt. Das hier. Das wird der Tag sein, an dem sie zur Welt kommt. Und genau so passiert es dann.

Am späten Nachmittag waren wir wieder daheim. Ein Hoch auf die ambulante Geburt, vor allem ein Hoch auf die beiden Hebammen, die uns durch die Geburt geführt haben. Wir richteten uns zu Hause ein, starteten in das Leben als kleine Familie – und lernen mit jedem Tag mehr darüber, wer wir sind. Wer sie ist. Undenkbar, jemals ohne sie zu sein.

Bloggen lebt. (hoffentlich!)

Okay, gelogen. Eigentlich ist das Bloggen tot, weil wir uns alle halbe Jahr auf einer neuen Plattform versammeln wie die Lemminge, um dort den neuen heißen Scheiß abzufeiern (und uns gleich mit). Wobei: irgendwann hat man das Alter, dass man nicht mehr alles mitmachen muss. Nach Instagram war ich raus und habe bisher den Versuchungen, die sich seither immer wieder einem ungestörten Twitter-Instagram-eventuell-noch-Bloggen-Vergnügen in den Weg stellen wollten, widerstanden. Weil: Splitterungen. Es gehen immer weniger Leute mit, ich sehe den Sinn dahinter nicht, ich mag meine Filterblase bei Twitter und Instagram. Facebook ist eher noch Beiwerk, bisschen Ergänzung, viel beruflich, aber selten so richtig privat.

Und dann liegt hier immer noch ein Blog herum, selten genutzt in den letzten Monaten und Jahren, und immer wieder auch mit dem Wunsch, es einfach plattzumachen oder woanders neu anzufangen oder einfach hier, man weiß es nicht. Ich bewundere Leute, die mehrmals pro Woche bloggen, einfach so, hau raus die Texte, das ist großartig. Das ist nur überhaupt nicht meins; meine Blogeinträge brauchen ein gutes, klares Thema, und da fängt es ja schon an.

Worüber könnte ich schreiben? Die Schriftstellerei, das ewig quälend’ Ding? Die Trauerarbeit, die immer noch und an manchen Tagen unmenschlich anstrengend ist, die aber ihre Leichtigkeit gefunden hat in manch anderer Situation? Das Wollbusiness, das ich neben der Schriftstellerei betreibe? Die Zweifel an allem, was ich anpacke? (Das will nun wirklich keiner lesen!) Ziele und Wünsche, Veränderungen, all die kleinen Alltagsdinge? Passt so viel in ein Blog? Will ich das überhaupt? Reicht mir nicht als Chronistin meiner selbst, was ich in den letzten Jahren täglich am Abend in dem Moleskine-Kalender notiere? Brauche ich mehr? Und wenn ich das brauche – wieso?

Man könnte natürlich einfach machen und nicht ständig alles hinterfragen. Aber das – nun, das wäre vermutlich zu einfach.

Also, wohin mit mir? Bin ich eine Omnivore-Bloggerin, habe ich ein großes Thema, mehrere kleine – oder sollte ich einfach aufhören, mir über so was Gedanken zu machen und schreiben, was mir in den Sinn kommt? Ohne Konzept ist vielleicht auch ganz nett …

Oh, so tired … (1)

Ich bin auch selbst schuld. Oder nein, anders.

Gestern war Super Sunday, und das heißt für uns seit ein paar Jahren: die halbe Nacht durchmachen, Superbowl gucken. In den letzten Jahren bin ich gern vor dem vierten Quarter völlig erledigt ins Bett gewankt, diesmal habe ich (wir waren beide erstaunt) durchgehalten bis zum Schluss. Auch wenn ich mit dem Ergebnis nicht so richtig einverstanden bin, ich mag nämlich Cam Newton doch irgendwie gern. Geht aber schon auch in Ordnung, kriegt Peyton Manning seinen zweiten Ring und sieht an Weihnachten im familieninternen Ringvergleich nicht mehr ganz so abgefuckt aus neben Brüderchen Eli.

Halb fünf im Bett wäre auch nicht so schlimm, wenn der Wecker nicht gnadenlos um halb acht loslärmen würde, weil der Liebste am Morgen einen nicht verschiebbaren beruflichen Termin hatte. Natürlich konnte ich danach nicht weiterschlafen, sondern kämpfte mich durch den Vormittag. Schreiben, Mails, Korrekturfahne. Letzteres zieht sich immer ewig, eeeeeewig, aber irgendwann werde ich auch das erledigt haben. Hoffe ich zumindest.

Den Nachmittag habe ich mit Schlaf nachholen verbracht. Oder es zumindest versucht. Ich denke dann oft an diese Übermenschmaschinen, die alle vier Stunden für zwanzig Minuten schlafen (und denen das nach gewissem Training tatsächlich reicht). Ich könnt das nicht.

Und jetzt sitze ich hier, immer noch hundemüde. Heute werde ich nicht alt, aber zum Glück muss ich das auch nicht. Obwohl mir beim Anblick der morgigen 2Do schon wieder leicht blümerant wird. So viel, so stressig! Das Zerrissenfühlen zwischen fünf Projekten in verschiedenen Stadien macht mich ganz wirr im Kopf, das trägt natürlich zur Müdigkeit bei.

Vielleicht einer der Tage, an denen man früh die Segel streicht. Weil nicht immer alles sein muss. Und weil morgen auch nicht gerade ein Spaziergang wird.

Gute Vorsätze? Dinge geregelt kriegen mit 2Do.

IMG_0614Sagen wir’s mal so – nicht unbedingt verbunden mit dem neuen Jahr, wohl aber verbunden mit dem Wunsch, mir selbst näher zu sein, meinen Bedürfnissen entgegen zu kommen und daraus resultierend (so die Hoffnung) einfach besser zurechtzukommen, habe ich mir überlegt, einige Dinge anders zu machen. Ich habe schon im November und Dezember angefangen und mir überlegt, was ich gerne wie ändern möchte, und wozu habe ich ein Blog, wenn ich dort nicht auch nachhalte, wie sich meine Ziele und Wünsche umsetzen lassen?

Erste Erkenntnis von allen war: ich bin ein Listenmensch. Ich brauche jeden Tag eine 2Do, auf der ich all die kleinen und großen Dinge notiere, die erledigt werden müssen – und auf der ich dann eben auch abhake, wenn etwas geschafft ist. Das tut mir gut, und ich habe dann abends, wenn ich auf all die großen und vielen, vielen kleinen Dinge schaue, die ich geschafft habe, ein gutes Gefühl. Das ist wie eine allabendliche Zeremonie zum Runterkommen – 2Do sichten, nicht Geschafftes auf den kommenden Tag (oder später) verschieben, mich freuen, weil manche Dinge eben erledigt sind, von denen ich vielleicht nicht dachte, dass ich sie schaffe. Das ist schon toll. Vor allem der “nervige” Kleinkram, der sich ansammelt und teilweise gar nicht so nervig ist, löst sich in Wohlgefallen auf, wenn ich ihn abhaken kann.

Was mir lange Probleme bereitete, war der Ort für die 2Do. Ich bin ein iPhone-Junkie. Mein iPhone ist für mich Verbindung zur Außenwelt (Twitter, Instagram), oft Fotoknipse, Mailprogramm, Musikbibliothek, Daddelmaschinchen, Nachrichtensender, Chatroom (Threema, Whatsapp, etc.), Shophandy und zugleich nervtötender, brummender Zeiträuber. Das erste Buch, das ich 2016 las (in einem Rutsch und zwei Tagen) war Digitaler Burnout von Alexander Markowetz. Der Autor hat eine vielbeachtete Studie zum Thema Smartphone-Nutzungsverhalten geschrieben. Im ersten Moment wollte ich mich ein klitzekleines Bisschen über das Buch ärgern, weil es keine konkreten Handlungsvorschläge hatte, um den eigenen Smartphone-Konsum einzuschränken. Bis ich auf den Trichter kam, dass er das ganz bewusst nicht macht, denn natürlich liegt es in der Verantwortung des Einzelnen, wie er mit diesem Thema umgeht und es umsetzt. Insofern gefiel es mir, je länger ich es sacken ließ, umso besser.

Leider kann ich das Handy zumindest tagsüber nicht abschalten, denn dann dient es als Shophandy, und ich will möglichst gut für meine Kundinnen erreichbar sein. Das federe ich aber durch Geschäftszeiten ab, wobei ich es auch mittags für eine Stunde stumm schalte.

Zurück aber zum Problem, wohin mit der 2Do? Denn die hätte ich – Smartphonejunkie as Smartphonejunkie can – früher wie selbstverständlich in einer App wie z.B. Wunderlist angelegt. Ich liebe Wunderlist, aber eher im Zusammenhang der Arbeit mit anderen, weil man dort Aufgaben zuweisen, Stichtage setzen und so vieles mehr kann. Jedes Mal, wenn mir eine Idee für ein 2Do kommt, die App zu starten (egal ob auf dem Smartphone oder auf dem Macbook) war mir oft zu umständlich und ich ertappte mich dabei, wie ich auf diesem Weg direkt in Richtung Internet, Nachrichtenportale, Twitter etc. abbog, weil ich ja das Smartphone “eh gerade in der Hand” habe. Das funktioniert also nicht.

Und darum gibt’s bei mir die 2Do-Listen wieder ganz und gar old-fashioned in Papierform. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde, man schreibt ja viel zu wenig mit der Hand. Obwohl ich ein Journal führe (dazu vll später mehr, da ich es in der Form jetzt im dritten Jahr führe, kann ich gerne mal davon erzählen), Einkaufszettel usw. schreibe, bin ich mit dem, was ich von Hand schreibe, unzufrieden. Zu wenig! Zu selten! Denn irgendwas macht es mit meinem Hirn, wenn ich von Hand schreibe (ich weiß nur nicht, was …). Jedenfalls: 2Do jetzt immer von Hand. Praktischerweise habe ich den Diary Planner von Leonie Dawson, in den ich für jeden Tag elf Punkte notieren kann. Und mal ehrlich: elf Punkte erledigen, das ist ja mal der Wahnsinn, oder?

Interessanterweise ist nach der ersten Woche die 2Do immer voll. Okay, einiges schiebe ich auch vor mir her, das blockiert dann jeden Tag aufs Neue die Spalte. Aber zumindest 8-9 Punkte schaffe ich, von so kleinen wie “Theaterkarten bestellen” (endlich!), “Kaffeemaschine entkalken”, “bloggen” oder “Weihnachtsdeko wegräumen” bis zu solchen 2Do-Riesen wie “15 Seiten übersetzen” oder “Shopversand”. Ich kriege die Dinge geregelt. Oder anders formuliert: zumindest in dieser ersten Woche bekam ich die Dinge geregelt, wenn ich sie aufschrieb.

Ich werde weiter berichten. Wenn es den Neujahrsvorsatz “Dinge geregelt bekommen” gibt, habe ich jedenfalls schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht, denn das klappt gerade erstaunlich gut.

WMDEDGT – Januar 2016

Ich jetzt auch! Die Aktion kommt ursprünglich von Frau Bruellen, und es geht einfach darum, den 5. eines Monats zu rekapitulieren.

Here we go!

Ich wache vor dem Weckerklingeln des Liebsten auf, und das ist um halb acht. Natürlich trotzdem noch müde, aber was soll’s. Mit Kindle, Orangensaft und meinen Pilleken geht’s aufs Sofa, wo ich sogar noch mal eindöse, bis der Liebste um viertel vor neun die Treppe runterkommt. Ich verabschiede ihn zur Arbeit, koche mir einen Kaffee ohne Fufu und lese noch ein bisschen auf dem Sofa. Ja, und schlafe auch wieder dabei ein, aber ich hab gestern Abend bis viertel nach zehn gearbeitet, ich finde, da darf man das.

Zwischendurch schrecke ich auf, weil der Schnee vom steilen Dach poltert und auf die Terrasse knallt. Kurz nach zehn beginnt auch mein Arbeitstag: Wolle für den Versand raussuchen. In den letzten zwei Wochen wurde eifrig bestellt, es ist also *viel*, kaum zu schaffen in dem Zeitfenster, das ich mir gesetzt habe. Außerdem tun mir schon wieder die Augen weh. Die Brille vertrage ich wirklich nicht permanent, aber die letzte Monatslinse rechts riss mir nach nicht mal einer Woche und darum bin ich seit Silvester nur mit Brille unterwegs (und darob schwer genervt, aber je nu). Darum mache ich zwischendrin Pause. Was auch muss, denn wenn ich die Brille absetze, sehe ich gar nichts. Also *GAR GAR* nichts.

Kurz vor zwölf rufe ich den Liebsten an, wir sind zu einem Mittagstermin verabredet. Alle Sachen in die Tasche werfen, aus dem Haus galoppieren und zu seiner Arbeitsstätte fahren. Alle Ampeln werden grün, als sie mich kommen sehen, das finde ich (a) wunderbar und ist (b) ein Wunder; in dieser Stadt hüpft man sonst immer von einer roten Ampel zur nächsten.

Der Liebste übernimmt das Steuer. Nicht nur, weil ich beim Autofahren so fluche, sondern auch, weil das nachweislich meinen Blutdruck in die Höhe jagt, wenn ich selber fahre. Ich schimpfe ja auch mit den anderen Verkehrsteilnehmern. Wir kommen pünktlich zum Termin an, dort werden wir schon erwartet. Anders als gestern, als ich ewig warten musste und danach wütend war wie Rumpelstilzchen (BLutdruck, Blutdruck!), werden wir diesmal gewohnt herzlich begrüßt. Der Termin vergeht wie im Flug, wir machen danach den nächsten aus und gehen nebenan im Supermarkt noch ein paar Kleinigkeiten kaufen. Es geht zurück nach Hause, wo ich als Mittagessen Brötchen schmiere und wir ein bisschen bei DMAX kleben bleiben (“Haus gesucht in den Rocky Mountains” – ich würd’ ja keins von denen wollen, aber je nu …). Anschließend bin ich müde. Und wer müde ist, darf schlafen, also geht’s um viertel nach zwei ins Bett.

Um kurz vor vier stehe ich auf. In meiner Abwesenheit gab es einen Kundenanruf auf dem Handy. Ich rufe zurück und verabrede mit der Kundin, dass sie morgen Mittag vorbeikommt. Dann suche ich die restliche Wolle raus. Am Ende sind es vier große Samla-Kisten voll mit Wollschätzen für meine Kundinnen – hach! Das wird eine Freude, sie in raschelndes Seidenpapier zu verpacken!

Bis zum Abendessen versuche ich dann noch, ein, zwei Pomodori zu übersetzen, aber ich merke schnell, dass der Akku nicht so voll ist und meine 2Do mich heute umbringt, wenn ich nicht vernünftig bin. Also lese ich ein bisschen, bevor ich dann gegen viertel vor sieben das Abendessen koche: Frikadellen, Sahnewirsing und Kartoffelpüree. Danach räume ich die Küche auf, wir gucken die neue Simpsonsfolge und im Anschluss die letzten beiden Folgen von “Das verschwundene Zimmer” (ja, ja, very late adopter, aber das hat schon Spaß gemacht …). Und dann ist der Tag auch schon fast vorbei … Ich gehe noch mal die 2Do für morgen durch und streiche einiges, das ich definitiv nicht schaffen werde bzw. verschiebe es auf Donnerstag. Oder, um es mit Scarlett O’Hara zu sagen: “Morgen ist auch noch ein Tag!”