Das Glück der Anderen.

Um mich herum verkünden alle die schönsten Nachrichten, kleine und große, manche teilen sie nur mir mit, und ich freue mich mit jedem einzelnen. Sehr sogar.

Und in mir zerreißt es sich plötzlich, weil ich so gar nichts Schönes zu sagen habe. Ich hab heute einen Zahnarzttermin, toll. Danach möglichst schnell zurück ins Hamsterrad, super.

Mit den anderen freuen und das eigene Elend vergessen. Vielleicht hilft das ja?

am 16. November 2011 um 07:50 einsortiert unter Cape Fear, Verlorene Gedanken
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Willkommen zurück.

Dieser Sommer, dieser Herbst … sie flogen an mir vorbei und versetzten mir große und kleine Schläge. Nichts ist mehr wie vorher.

Trotzdem schreite ich voran.

Irgendwann Anfang Juli, als es unerträglich wurde, als meine Kräfte anderswo gebraucht wurden, kippten meine Lieblingslektorin und ich den Abgabetermin (und damit auch den Erscheinungstermin, den ich so gern gehalten hätte). Fürs Schreiben war kein Platz, und ich räumte das Manuskript - 280 pralle, volle, üppige Seiten, in die ich immer noch abzutauchen vermochte, wenngleich es jedes Mal mit einem schlechten Gewissen geschah, weil das Leben wichtiger war - mit ihren Anmerkungen und meinen Gedanken und allem aufs große Regal. Ganz oben drauf legte ich, und dort blieb es. Im August. Im September. Ich blickte jeden Tag da oben hin, ich sah es dort liegen, jedesmal, wenn ich mein Arbeitszimmer verließ oder wenn ich in der Arbeit innehielt, sah ich hinauf und dachte: “Irgendwann.”

Im September dann einigten wir uns auf einen neuen Abgabetermin. Ich brauchte nach dem Sommer immer noch Zeit, ich musste ein gesundes Maß finden zwischen der Zeit, die ich brauchte und der Zeit, die ich zum Schreiben brauchte. Beim Schreiben ist es ein ausgewogener Balanceakt aus Entspannung und Druck; wenn der Druck nicht da ist, wird’s ein Buch, mit dem ich allüberall hadere. Mit dem richtigen Maß Druck wird sich der Flow einstellen, und Flow ist immer gut.

Es wurde Oktober. Irgendwann sagte der Liebste: “Komm, wir holen es wenigstens schon mal vom Regal runter.” Und ich schüttelte stumm den Kopf und ging weiter am Regal vorbei, bis vor zweieinhalb Wochen Sonntagabend doch der richtige Moment gekommen war, und ich holte es vom Regal und legte es im Wohnzimmer auf den Hocker. Da war es noch präsenter, konnte sich langsam in Herz und Hirn schleichen. Ich war längst nicht soweit, ich wusste es. Ich konnte nicht an die O’Briens denken, weil manche Drehungen und Wendungen in dem Roman einfach zu viel für mich waren, weil sie zu dicht an meinem Leben sind. Und es nicht waren, als ich dieses Buch plante und begann, es zu schreiben.

Ich fuhr in den Urlaub. Und dort, an der Ostsee, hatte ich ja dieses Erlebnis, als ich vor Nichtschlafenkönnenunderschlagensein die Wände hochging. Als ich plötzlich wieder wollte. Als die Arbeit ganz winzige Schritte auf mich zu machte. Ich begann damit, an einem Exposé zu feilen, das schon einige Monate hatte ruhen müssen.
Wieder daheim würdigte ich das Manuskript wieder nur mit diesen Blicken en passant. Ich musste eine Druckfahne durchackern (womit ich dann heute früh fertig war, halleluja. Morgen geht sie zurück zum Verlag). Und dann, schlagartig, wusste ich: dies ist der Moment. Heute kann ich zurückkehren, ab heute kann ich wieder das Buch annehmen, kann ich mich wieder auf diese Aufgabe stürzen. Das Leben tobt noch immer, und ich tobe mit ihm, aber das Schreiben hat sich wieder zurückgeschlichen, es hat sich ein Eckchen erobert.

Alles richtig gemacht? Ach, ich weiß nicht. Ich hab oft genug mit mir und meinem Nichtfunktionieren gehadert, weshalb ich weiß, dass manche grad wohl sehr mit mir schimpfen wollen (ja, ich weiß! Ich weiß!!!). Ich hab aber auch die lichten Momente, in denen ich dann wirklich gut damit zurechtkomme, dass ich eben nichts vermag, dass ich nicht funktioniere. So ist es eben. Ich hab schon vorher mehr schlecht als recht funktioniert. Was hab ich denn erwartet?!

Heute habe ich das komplette Manuskript (ohne Lektorinnenanmerkungen!) ausgedruckt. Der Drucker schnaufte, ihm ging zwischendurch die Tinte aus, und er musste immer wieder kurz Luft holen, während ich daneben saß und einfach nur staunte. Staunte, weil er diesen Berg Papier ausspuckte. Alles meins. Alles selbst geschrieben.

Viel hab ich heute nicht gelesen. 20 Seiten oder so. Weil ich immer wieder innehalten musste. Ich staunte. Ja, wirklich! Ich staunte, weil es sich so verflixt gut anhörte, weil ich das Gefühl sofort hatte, dass es ein gutes Buch ist. Eins, das unter dem gewissen Maß Druck geschrieben wurde. Dass jetzt im Text irgendwo ein Bruch kommt, glaube ich nicht, denn während ich lese, kommt alles zurück. Ich spüre diese Geschichte, ich tauche wieder in sie ein. Auch wenn es bedeutet, dass ich in den kommenden Wochen oft mehr dort als hier sein werde, ist doch eines wichtig: ich weiß wieder, warum ich schreiben muss.

Ich kann nicht anders. Ich muss schreiben.

am 4. November 2011 um 00:16 einsortiert unter Über das Schreiben ...
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Zweimal täglich 10 Seiten.

Das ist mein aktuelles Lesepensum, und ja, ich weiß, das klingt jämmerlich. Das klingt nicht nur so, das ist jämmerlich. Spart aber Geld, wenngleich es mir lieber wäre, wenn es anders sein könnte, weil ich tatsächlich ein Buch habe, bei dem ich mich jeden Tag auf diese zweimal 10 Seiten freue (nach denen mir sofort die Augen zuklappen. Schicksal eines Arbeitstiers).

am 3. November 2011 um 14:21 einsortiert unter feels like home
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Die Tage am Meer.

Man kann es kaum glauben, dass die Tage am Meer schon wieder vorbei sind. Dass wir gestern die Koffer packten und wehmütig dieses kleine Häuschen hinter uns ließen, das uns seit Sonntag ein Rückzugsort gewesen war.

Die Zeit dort hat mir gutgetan. Ich konnte viel mit meinen Gedanken allein sein, ohne dass Störgeräusche von außen zu mir vordringen konnten. Natürlich; ganz abgeschnitten waren wir nicht von der Welt, und das wollten wir auch gar nicht.

Donnerstag ist etwas passiert, das ich einfach nur bemerkenswert fand. Nachmittags war ich wieder in dieser ekligen Mischung gefangen, aufgedreht und übermüdet (ein Kleinkind würde dann vermutlich stundenlang brüllen und nölen und und und), ich legte mich ein wenig ins Bett, wälzte mich von links nach rechts, machte die Augen zu, aber statt Schlaf kam ein Stimmchen angekrochen, das mir sanft ins Ohr flüsterte. “Family Affairs” sagte es. Mehr nicht.

Nun hat das ja was zu bedeuten, dieses “Family Affairs”, und ja, es geht um eine Geschichte, die ich gerne irgendwann erzählen würde. Und zu dieser Geschichte gibt es schon mehr als bloß ein paar Gedanken, es gibt schon was auf Papier, schick gemacht und ausgehfein, sogar schon mal irgendwo vorstellig geworden, dann aber wieder zurückgezogen, weil das Leben in dem Moment ungerecht wurde. Diese Geschichte ruhte also, während das Leben tobte, und auch wenn die Wogen sich noch nicht vollends geglättet haben, habe ich doch am Donnerstag plötzlich diesen unwiderstehlichen Drang gehabt, aufzustehen, mich anzuziehen, mich ans Notebook zu setzen … und an den Family Affairs herumzupusseln. Und ja, das ist das Allerschönste an der ganzen Sache und der Grund, warum ich es erzähle: es wurde rund. Was vorher gefehlt hatte und mir einiges Kopfzerbrechen bereitet hatte, fügte sich jetzt ins Bild, und in weniger als einer Stunde war aus einer Baustelle etwas geworden, das zu schreiben ich unbändige Lust hatte - und noch habe. Jetzt liegt das Exposé bei meiner Agentin und wartet auf ihr Urteil. Und dann gehen wir da raus und suchen einen Verlag, der’s macht.

Ich hab auch schon einen im Blick.

am 29. Oktober 2011 um 07:06 einsortiert unter Autorengeflüster, Family Affairs, feels like home, Über das Schreiben ...
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Wenn die Arbeit fesselt …

… und zwar so nachhaltig, dass man kaum noch zu was anderem kommt. Einerseits ist das toll, weil damit mein Wollshop endlich dort ist, wo ich ihn immer haben wollte. Andererseits ist das irgendwie auch schwierig, denn Schreiben und Übersetzen muss ich dann “so nebenher” machen - oder den Wollshop vernachlässigen.

Zeitmanagement ist also im Moment das allerallerwichtigste. Und es funktioniert, es war sogar ein Urlaub drin, den ich in vollen Zügen genießen werde - ab Sonntag. Hurra! Da wir mit dem Auto fahren (ich! fahre! mehr als 50 Kilometer am Stück!), können wir auch viel mitnehmen, was ich weidlich auszunutzen gedenke. Viele Bücher zum Beispiel, viel Strickzeug. Was man eben so braucht, wenn man eine Woche mit einer Herzfreundin einfach mal wo hinfährt, um ausgiebig die Seele baumeln zu lassen. Fotoapparat. (ja, ihr kriegt Fotos zu sehen! Werdet ruhig schön neidisch!)

Was leider grad überhaupt nicht ins Leben passt, ist der Sport. Seufz! Irgendwie habe ich mir das leichter vorgestellt, aber nein, im Moment finde ich den Dreh zurück noch nicht, und ich hoffe, es wird nicht mehr allzu lange dauern. Vielleicht ist die Woche am Meer das, was ich brauche. Runterkommen, durchatmen, sich durchpusten lassen, vom Kalten ins Warme und zurück, einfach ein paar Tage nur sein. Ja, so ist der Plan. Und dann lässt die Arbeit mich vielleicht wieder aus ihren Fängen.

am 18. Oktober 2011 um 08:46 einsortiert unter feels like home
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Long Time No See.

Dabei war ich ja immer hier. Und habe mich immer in der Nähe herumgetrieben, nur waren die Worte nicht so ganz mit mir. Ich musste mich sortieren, und so richtig fertig bin ich damit lange nicht, aber: ich mach die kleinen Schritte und denk nicht immer nur über die großen nach.

Die Lücke ist da, sie ist spürbar, und das ist gut (und manchmal unerträglich, wie schlimm es ist). Die Lücke ist da, sie wird sich niemals schließen. Er wird immer fehlen.

Trotzdem schaue ich auch nach vorne. Und denke manchmal, nein, sehr oft denke ich: “Das hätte ihm gefallen.” Oder: “Davon hätte ich ihm gern erzählt.” Und gerne denke ich auch: “Ja, schade, dass er das verpasst. Dass ich es nicht mit ihm teilen darf.” Das ist traurig, ja. Andererseits ist er mir auch jetzt noch sehr, sehr nahe. Und das wird nie vergehen, das wird mir bleiben. Die Erinnerungen sowieso, und von diesen Erinnerungen sind viele in den letzten Wochen ungebeten wieder aufgetaucht, grad die schönen wollte ich im ersten Moment gar nicht haben, doch dann begann ich zu begreifen, dass es wohl auch dazu gehört.

Langsam taste ich mich wieder ins Leben vor. Ich habe es mir anders vorgestellt. Ich habe gedacht, es werde kurz und heftig. Aber nein, es ist ein langwieriger Prozess, an dessen Anfang ich jetzt stehe. Ich habe liebe Menschen um mich, die mir beistehen, die ein offenes Ohr haben, die mich an ihren eigenen Erfahrungen teilhaben lassen - gerade dafür bin ich sehr dankbar, denn dies ist ja im Grunde ein Thema, das einfach zu oft - pardon! - totgeschwiegen wird.

Ich schrieb, die Arbeit helfe. Ja, sie hilft. Ich bin beschäftigt, und das ist gut. Ich kann auch innehalten, kein Problem. Ich werde demnächst mit der lieben C. für ein paar Tage hoch ans Meer fahren, worauf ich mich unbändig freue, weil es bedeutet, dass wir sechs Tage nix anderes tun, außer lesen, stricken, plaudern, gut&vegetarisch kochen, Filme gucken, am Meer gegen den Wind laufen und und und.

Das wird schön.

Und alles andere kommt auch bald wieder. Bestimmt.

am 6. Oktober 2011 um 21:55 einsortiert unter Cape Fear, Ein Funken Leben, Verlorene Gedanken
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Arbeit hilft.

Nein, anders: Arbeit hilft auch. Und es ist ja nicht so, als wär ich vollkommen allein mit mir, das ist ja so gar nicht wahr! Aber ich bin eben dieser hypersensible Typ, ich merke es, an den Kleinigkeiten, wenn irgendwas anders ist. (kommt mir nicht damit, dass ich mir irgendwas einbilde! Mitnichten! Ich kenne meine feine Antennen durchaus!)

Arbeit hilft, weshalb ich (und ja, das dürft ihr paradox finden, ich find’s ganz in Ordnung) letzte Woche kaum was gearbeitet habe. Das war wieder eine Phase, in der ich es einfach mal zulassen musste, dass es mir schlecht ging. Das Gespräch mit einer lieben Freundin half mir dabei; ich erkannte, dass ich noch ganz am Anfang stehe. Das wusste ich im Grunde schon vorher, aber man vergisst dieses Wissen allzu gerne und hüllt sich in die Vorstellung, dass es so, wie es ist, doch manchmal ganz erträglich ist (manchmal natürlich nicht), weshalb es so dann doch erstmal bleiben kann. (ich will nicht in die Tiefe gehen, aber als ich merkte, dass das nicht so ist, fühlte es sich wirklich schlimm an.)

Seit heute arbeite ich wieder. Die Pause tat mir gut, das habe ich gemerkt; das, was ich in dieser Pause getan habe, tut mir doppelt gut. (manchmal habe ich einfach auf dem Sofa gesessen. Und zwischendurch wurde ich so aktiv und zupackend und habe Dinge angeleiert, die ich mich zu anderen Zeiten nicht zu entscheiden getraut hätte.) Ich kann jetzt langsam wieder die kommenden Tage planen - noch mehr Arbeit! - und dank eines Telefongesprächs vom Freitag weiß ich zum Beispiel jetzt auch, wo ich stehe und dass ich im Grunde keine Panik schieben muss. Alles ist okay, auch meine Zeit, die ich mir herausnehme, ist okay.

Und irgendwann werde ich auch begreifen, dass die Zweifel okay sind. Dass es okay ist, wenn ich jetzt zögere. Wenn ich jetzt nicht an das denken kann, worauf wir uns seit Jahren wie’n Schnitzel gefreut haben. Diese Freude ist verblasst. Manchmal, in den stillen Momenten, kann ich sie noch nachempfinden, aber dann ist das auch schnell wieder vorbei.

Ich brauche Zeit. Ich habe Zeit, ich hoffe es jedenfalls.

Manchmal trifft das Leben ja sowieso Entscheidungen über unseren Kopf hinweg. Die letzten Monate haben mich sehr verändert. Sie haben einiges in meinem Denken gerade gerückt, sie haben mir manche Menschen noch näher gebracht. Sie haben alles verändert, und ich hinke hinterher. Wenn ich wieder aufgeholt habe, irgendwann. Dann denken wir auch darüber wieder nach. Und nicht mit einem wehmütigen Gefühl von “vielleicht ist es jetzt schon zu spät”, sondern eher mit einem freudigen “jetzt ist der rechte Moment”.

am 18. September 2011 um 22:45 einsortiert unter Cape Fear, Ein Funken Leben, Verlorene Gedanken
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Trost suchend.

Und heute hab ich ein bisschen was von dem Trost gefunden, als ich mit einer Freundin beisammensaß. Es war um uns laut, und wir konnten ganz still sein in unserem Nachdenken.

Es ist ein bisschen, als sei ich nun Mitglied in einem Club, in dem keiner von uns Mitglied werden wollte. Irgendwann lassen wir unsere Eltern gehen, das gehört zum Leben und ist - unter normalen Umständen - nun mal der Lauf der Dinge. Und natürlich ist es immer viel zu früh, und natürlich sind die Umstände immer schrecklich, und jeder, der diesen Verlust schon erfahren hat, weiß davon zu erzählen.

Man sieht es uns nicht an. Nicht, wenn man es nicht weiß. Und wenn man es weiß, wundert man sich vielleicht, weil wir weitestgehend “gut funktionieren”, auch schon kurz nach diesem einschneidenden Moment.

Und während ich da mit dieser Freundin saß und überlegte, wen es da gibt, wer für mich wirklich da sein konnte in den letzten vier Wochen, da fielen mir tatsächlich vor allem jene ein, die auch diese eine Geschichte vom Verlust zu erzählen wussten. Für die anderen …? Ich weiß nicht, was ich für die anderen bin, aber ich stehe außen vor, ich bin ihnen anscheinend fremd geworden, und weil sie nicht da sind, weil sie in ihrer Verunsicherung erst gar nichts tun, bin ich im Gegenzug auch verunsichert. Ich frage mich dann, ob ich etwas falsch gemacht habe. Ob ich gegen das verstoße, was sie glauben, dass ich es tun müsste.

Ich heule und tobe, keine Sorge! Ich wüte und schreie, und ich schleudere meine Wut, meine Trauer, all das, was sich in mir sammelt, wie ein kleiner Vulkan von mir, immer wieder, in einem stetig wiederkehrenden Rhythmus, der mich aber dennoch jedes Mal völlig unvorbereitet trifft, weil dieser Rhythmus keiner Gesetzmäßigkeit folgt. So wie mich der Tod letztlich auch unvorbereitet traf, obwohl wir ja darauf vorbereitet waren.

Vorher habe ich ein paar Freunde gebeten, danach für mich da zu sein. Ich habe sie darum gebeten, weil ich wusste oder zumindest ahnte, wie ich reagieren würde. Ich ziehe mich zurück. Mit jedem Tag erobere ich mir mehr von dieser inneren Welt und ziehe mich vor dem Draußen zurück, das mir zuwider ist. Es gibt ein paar, die da sind, aber sie wissen halt, was es bedeutet. Die anderen stehen abseits und scharren mit den Füßen im Staub.

Ich erwarte nicht von euch, dass ihr genau wisst, was richtig ist. Aber ihr dürft bei mir auch etwas “falsch” machen. Ihr dürft mich nur nicht allein lassen. Weil ich euch vorher drum gebeten habe, mich nicht allein zu lassen und ihr mich jetzt trotzdem alleine lasst. Manche in den kleinen Dingen, andere einfach universell. Ja, ich suche Trost. Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt, und ich stelle alles in Frage: meine Lebensplanung, mein Schreiben, meine berufliche Ausrichtung ganz allgemein, meine Vorstellungen und Wünsche. Ich igle mich ein. Ich versinke, obwohl ich das nie wollte.

Es gibt vieles, über das ich reden will und muss. Es gibt viele Menschen, die mir wichtig sind und die vermutlich meine neuen Ansichten mit Befremden aufnehmen würden, weil sie so anders sind wie die alten. Ich sehe das sehr klar, ich abstrahiere und verstehe, dass ich das alles nur im Moment so anders ausrichte, weil ich durch diese letzten Monate geprägt bin. Weil diese Zeit mir ihren Stempel schmerzlich aufgedrückt hat. Und dieser Stempel soll gefälligst verblassen. Es wird mich prägen, ja, aber es soll mich nicht unwiderruflich prägen und von einem Weg abbringen, der fest verankert war in meiner Gedankenwelt. Das wäre falsch.

Ich möchte viel darüber reden, weil ich damit ein bisschen auch diese Lasten von meinen Schultern heben kann. Weil ich dann vielleicht irgendwann wieder klar sehen kann. Nur haben mich ein paar wichtige Menschen einfach alleingelassen in dieser Zeit, und da ich mit ihnen nicht reden kann, versanden auch alle weiteren Versuche irgendwie. Ja, ein bisschen hilflos fühle ich mich schon. Andererseits denke ich dann: lass ihnen Zeit. Lass dir selbst Zeit.

Ich habe meine Arbeit für die kommenden Monate sehr radikal runtergekürzt. Im Sommer hab ich schon wenig gearbeitet, und jetzt kann ich nicht in das mörderische Tempo zurückkehren, das früher so typisch für mich war. Ich bin spröde geworden. Ich breche leichter.

Ich suche Trost. Manchmal finde ich ihn, manchmal nicht.

Es ist wie alles im Leben. Grenzen, wohin man schaut.

am 15. September 2011 um 00:59 einsortiert unter Cape Fear, Ein Funken Leben, Verlorene Gedanken
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So sehen die Abende aus, bis spät in die Nacht hinein.
Ich müsste nicht so viel arbeiten. Aber es betäubt so vortrefflich. Während alles andere um mich herum versinkt. Kein Lesen, kein Stricken, keine Menschen bitte. Misanthropenmodus galore.
Ich hab mich davor gefürchtet, aber nun sag ich auch irgendwie: bittschön, das wollte keiner. Jetzt haben wir den Salat. Nu ist’s auch egal.

am 8. September 2011 um 23:53 einsortiert unter Album der Alltagsdinge, feels like home
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Die Welt muss dunkel sein da draußen, ehe ich mich hinsetzen und meiner Arbeit widmen kann.

Heute habe ich planmäßig wieder damit begonnen. Planmäßig deshalb, weil ich mir diese letzten Tage frei gegeben habe, um diese Arbeit ganz langsam wieder an mich heranzulassen. Genützt hat’s nix, ich bin mal wieder völlig aus dem Takt geraten. Wobei das nicht an der Arbeit liegen muss.

Und dann gibt’s die Momente, in denen ich meine Stärke spüre. Die einsamen Momente, die im Dunkeln, in das ich mich einhülle, weil das Dunkel im Moment mehr zu mir passt als jeder noch so kleine Lichtstrahl. Es ist okay, es darf jetzt mal so sein. Nur irgendwann muss ich auch aus dem Dunkel wieder heraustreten.

Es ist Herbst.

am 7. September 2011 um 23:36 einsortiert unter feels like home
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