Nachgereicht.

Eins muss ich noch nachreichen, und das ist ein Geburtstagsgeschenk für die liebe Nike. Schon zu ihrem Geburtstag hat sie dieses kleine Gestricksel bekommen, weil sie es sich gewünscht hat (und zu Weihnachten hatte ich ja schon was Anderes). Die Wolle ist vom Schneeschaf, das ja im Moment seine Babypause genießt. Und das Muster ist kreuzeinfach, drei rechts, zwei links inne Runde.
So. Und jetzt müsste mal jemand unsere Wohnung aufräumen, staubsaugen, putzen, Geschirr spülen, Wäsche falten, meine Mails beantworten, die Post auf den Weg bringen, na, diesen Kram halt, der immer zu tun ist. Ich seh schon, da meldet sich keiner freiwillig, und so richtig wach bin ich auch noch nicht, schließlich habe ich bis um vier Superbowl geguckt. (aber hach! Sie haben gewonnen!)
Bildbeweise.
Meine Kamera mag ich. Sie liegt oft im Arbeitszimmer oder im Wohnzimmer, ich habe sie selten dabei, wenn ich aus dem Haus gehe. Ich glaube, ich weiß, woran das liegt. Aber es ist gar nicht schlimm.
Ich liege auf dem Sofa, das Rollo heruntergezogen, hellichter Tag kriecht trotzdem graugelaunt durch die Fenstertüren zum Balkon, es ist nur ein schwaches Ersatzdämmern, das da herrscht. Ich schrecke aus dem Schlaf auf, es ist irgendwie blass, grau, ein leichtes Dunkel, das mir Zeit gibt, ganz wach zu werden. Ich blicke zur Decke, zähle den Stuck und denke nicht viel, außer dass es ein schönes Bild ist.
Später gehe ich mit Freunden etwas essen, und ich habe Mordshunger, mein Körper mit seinen Achterbahnen, der nun wieder. Und nach dem Hunger gelüstet es mir auch nach einem Espresso, der auch zu mir findet, aber so schrecklich ist, dass ich auch das irgendwie im Bild festhalten soll, aber das misslingt natürlich, die Kamera liegt daheim, da liegt sie gut. Ich geb’s auf, denn Worte sind da klüger als ein Bild. Eine Espressotasse im Kerzendunkel, und auf dem Unterteller liegt ein Päckchen Kaffeesahne. Braucht’s da Bilder? Eben.
Auf dem Heimweg, es ist kalt, es ist rutschig, vor allem aber ist es dunkel. Meine Begleitung etwas betrunken, ich nüchtern und irgendwie wieder ein bisschen eins mit mir, nachdem der ganze Tag sich so katastrophal viel Mühe gab, es sich mit mir zu verderben. Aber Gesellschaft, Essen und Gespräche haben’s gebracht. An der Ampelkreuzung verabschieden wir uns, ich warte auf Fußgängergrün und schaue kurz zurück, als ich die Straße überquere, wie er schnell geht, die Schultern leicht hochgezogen. Und nein, das kann man auch nicht im Bild festhalten, wozu auch, es genügt, sich das Bild einzuprägen wie so viele im Laufe des Tages.
Die Landschaft aus auf und ab der Bettdecke. Die aus dem Dunkel wachsenden Schatten, der Bücherstapel, der Formen annimmt. Worte, die Sinn ergeben. Die Schatten, die sich in den Zimmerecken einnisten. Ich möchte alles festhalten und an mich raffen, möchte jede Erinnerung fest an mich drücken. Aber keine Kamera kann einfangen, was ich sehe. Wie ich es sehe.
Warum auch?
(was übrigens nichts daran ändert, dass ich gerne wieder mehr fotografieren würde, das nur am Rande. Aber es erklärt vielleicht, warum ich es nicht tue.)
Leerlauf.
Das wird - wie gestern - ein Tag mit halber Kraft. Was nicht schlimm ist, ich muss mich nur erst kurz an den Gedanken gewöhnen. [...] Passiert.
Es gibt diese Tage mit Leerlauf oder auch wenig Bewegung. Es gibt sie, und wenn zwei hintereinander kommen (was alle paar Wochen passiert), nehme ich sie, wie sie sind. Den gestrigen habe ich für meine Verhältnisse gut gemeistert (hey, ich habe geschrieben, und das nicht zu knapp), und heute merke ich eben sehr früh, das wird nichts mehr, da geh ich lieber auf halbe Kraft. Das Buch liegt bereit (das noch zu übersetzende, das aber auch noch großteils zu lesen ist), ich nehm mir meine Decke, das Kissen, eine Wärmflasche, rolle mich auf dem Sofa ein und wart’s ab. Mittags ist dann meist Zeit für einen zweiten Versuch. Und was soll ich sagen? Das klappt dann sogar.
Wie viel passt in einen Montag?
So schnell kann’s gehen, schon wieder ein Tag rum, und was für ein erfüllter, anstrengender, spannender, nervenaufreibender …
Ich glaube, ich muss mal mit ein paar Vorurteilen aufräumen. Es gibt Leute, denen ich “unheimlich” bin, weil ich so viel und gerne arbeite. Es gehen gar böse Gerüchte, ich würd’ nie schlafen. Stimmt gar nicht! Wenn ihr wüsstet, wie gern ich sonntagnachmittags im Bett liege und nach zehn Seiten lesen für zwei Stunden einschlafe! Oder auch mal unter der Woche höchst dekadent mittags um zwölf aufs Sofa husche, weil mir nur nach Schlafen ist.
Das kann ja nicht das einzige Geheimnis sein. Viel schlafen, davon schafft man ja nichts. Darum hab ich mal überlegt, was mich an so einem ganz normalen Montag bewegt. Wie so ein ganz normaler Montag funktioniert.
Ich wache neuerdings (also, seit einigen Monaten) gerne das erste Mal so gegen halb sieben auf, wenn der Liebste aufsteht. Und bleib liegen, bis er kurz nach sieben das Haus verlässt, gerne auch mal länger. Heute habe ich mich um halb acht aus dem Bett gequält, Badezimmer, Kaffeemaschine, das Übliche. Kurz vor acht habe ich meiner Lektorin (und kurz nach acht meiner Agentin) den zweiten Teil des aktuellen Romans ins Mailfach gelegt. Danach an die Arbeit: schreiben, immer mal wieder bei Twitter vorbei gucken, alle drei Seiten neuen Kaffee kochen. Gegen halb zehn den ersten Hunger des Tages besiegen, da stehen schon fünf Seiten Rohfassung zu Buche und ich bin glücklich. Ich hab einen Flow, ich merk’s genau, ich genieße ihn, er trägt mich bis zum Ende des Kapitels, und ich trinke im Laufe des Vormittags nach und nach vier Kaffee. (und ehe jemand fragt: nein, normalerweise nicht so viel. Nur heute.) Mittagpause ist bei mir früh, schon um zwanzig nach zwölf bin ich leergeschrieben und fahre den Computer erstmal runter.
Zwischendurch habe ich schon, wenn’s mich mal nicht am Computer hielt, Wäsche gefaltet und die Post geholt, die Spülmaschine eingeräumt und die Blumen gegossen, was halt so auffällt, wenn man durch die Wohnung tigert und mit den Gedanken ganz woanders ist.
Mittagszeit. Ich mache mir was zu essen, ich nehme mir ein Buch, ich setze mich in den Poäng, decke mich zu. Tee dazu, ich genieße die Stille, ich lausche, lese, irgendwann werde ich müde. Das Telefon klingelt, das Vatertier ist dran (welches mir heute höchst offiziell Erlaubnis erteilte, ihn weiterhin hier so nennen zu dürfen, also denn. Vatertier!), wir plaudern ein bisschen, ich darf auch mit dem Muttertier ein wenig plaudern, so vergeht auch die Zeit. Danach lese ich wieder, aber nein, kein Schlaf diesmal (normalerweise schlaf ich in diesen Mittagszeiten auch mal zwanzig Minuten, so im Sitzen, das hab ich vom Muttertier, überaus praktische Veranlagung.). Nachmittags steht was Anderes auf dem Programm, ich übersetze, dabei höre ich andere Musik als am Morgen, ich trinke nicht so viel Kaffee, aber ich esse Kekse, und irgendwann muss es das Knäckebrot mit Käse sein, ich kann recht viel essen, wenn ich viel arbeite, dann freu ich mir im wahrsten Wortsinne ein Loch in den Bauch.
Halb fünf, so langsam werde ich müde, aber müde sein gilt nicht, und wenn der Kopf müde ist, hilft es ungemein, den Körper auszupowern. Wir haben diesen Monat Hausdienst, das heißt: Mülltonnen rausstellen, Keller putzen, ums Haus fegen (letzteres im Moment eher sinnlos, und Müllabfuhr war heute ausnahmsweise auch nicht). Also Keller fegen, Keller wischen, das schafft man zwischendurch mal in einer Dreiviertelstunde, und nebenher wechselt man noch Glühbirnen aus und hält einen Plausch mit dem Nachbarn.
Der Liebste ist inzwischen daheim, und während er sich noch ein wenig ausruht, setze ich mich noch mal für ein Stündchen an den Schreibtisch. Danach kurz einkaufen, weiter zum Geburtstag des Schwiegertigers, um zehn sind wir wieder daheim, setzen uns ein Stündchen hin, wir plaudern über Pläne, Perspektiven und Projekte, das ist im Moment ja so spannend. Ich bin rechtschaffen müde, aber es reicht noch, kurz nach Mails zu gucken, kurz einen Tweet abzusetzen, etwas länger zu bloggen und dann noch ein paar Seiten zu lesen, ehe es endgültig ins Bett geht.
Und ja, ich find’, das war ein spannender, ein schöner Tag. Ich find’, das muss man eigentlich jedem Tag sagen dürfen: du warst toll. Irgendwas klappt doch immer. (und wenn’s das ausgedehnte Nickerchen am Nachmittag ist.)
Jetzt entschuldigt mich. Ich geh noch ein Stündchen lesen, ehe ich meine Hand um den linken Fußknöchel schlinge und schlafe. (darüber dann morgen mehr: Einschlafstellungen für den morgendlichen Flow.)
Gegen dich kämpf’ ich nicht!

Du Blödmann!
Ja, genau. Ich meine dich. Alle vier Wochen machst du mich fertig. Schlimmer wird’s nur, wenn du mit meinem Hormonrhythmus zusammenfällst. Blödmann. So.
Aber er hat ja irgendwie auch seine guten Seiten. Er ist zum Beispiel eine hervorragende Entschuldigung, warum ich heute Abend wirklich nur noch die Füße hochlegen werde. Zu unruhig, zu kribbelig. Ich nehm’s hin, weil es keinen Sinn macht, gegen ihn zu kämpfen. Den Kampf nehme ich in der kommenden Woche auf, wenn ich drei Tage allein bin, zwei Nächte allein schlafe und - so der Plan - diese Nächte zu Tagen mache. Wie früher.
Fast könnt’ man meinen, ich freu mich drauf.
Ohmy.
Also, wer so eine Woche hinter sich hat, der braucht einen Monat Urlaub. Ist leider im Moment nicht drin. Und ich bin so frei, ich packe all das, was mich gerade beschäftigt, in einen riesigen, dicken Eintrag. So bin ich.
Fange ich mit dem größten Dings an, und das ist im Moment die Arbeit.
Jule Winter geht in die zweite Runde. Nach “Fessle mich!” wird schon bald ein neuer Roman erscheinen; genauen Termin und Titel werde ich dann mitteilen, soweit ich Genaueres weiß. Aber ich darf mich schon an die Arbeit machen, und ich darf versprechen, dass es wieder heiß wird.
Außerdem kam diese Woche wieder was zum Übersetzen ins Haus. Und ich musste mal meine nächsten Monate richtig straff planen. Aber das klappt schon.
Während die einen Bücher noch geschrieben werden müssen, laufen bei anderen schon die Vorbereitungen auf Hochtouren: Titelei, Klappentexte werden geschrieben, bald gibt’s die Cover. Es ist so schrecklich spannend!
Ach ja. Midbookblues war auch mal wieder. Ich meine, ich hab ja sonst genug zu tun, da kann man Sagaland auch mal für eine Woche ruhen lassen. Nächste Woche dann wieder mit Volldampf; das, was ich zuletzt gelesen habe, hat mir sehr gut gefallen, und ich hoffe, Agentin und Lektorin sehen es auch so.
Kommen wir zum nächsten, großen Batzen. Boah. Heiraten auf einem Samstag? Hat das von euch schon mal wer versucht? Ist schwer bis unmöglich. Okay, jetzt kostet es nur extra, aber: bäh! Das ist jetzt die zweite Alternative, auf die wir ausweichen mussten. Und ich wollt’s doch einfach halten. Bäh!
Mittwoch war ich mit S. frühstücken. Das war schön! Wir plauderten über Hauskauf und Hochzeitsgedöns, über Arbeit und Privatleben. Das muss schon bald wiederholt werden. Bisschen enttäuscht hat mich hingegen das Verhalten der Jungs, die zumindest teilweise beleidigt reagierten, weil ich leider im Moment so wenig Zeit habe. Kindergarten. Ich meine, viel Arbeit nicht als Argument zählen lassen, okay. Aber dass wir gerade noch ein bisschen mehr vor den Hörnern haben, das zählt da nicht?
Das ist übrigens das Spannendste im Moment: Kaufvertrag prüfen, mit der Bank telefonieren (die ihr Okay schon gegeben hat), Eigentümerversammlung schon mal mitmachen, Unterlagen anhäufen. Einen Ordner anlegen. Und freuen. Bald ist sie unser, diese Wohnung. Wir kaufen sie einfach.
Und jetzt bin ich müde, bin ich fertig, bin ich kaputt. Und jetzt will ich schlafen, den Feierabend, das Wochenende genießen.
Spinnwebnerven.
Eh jetzt besorgte Nachfragen kommen (wie schon heute von einer liebsten Kollegin): nein, ich bin nicht verschollen. Ja, mir geht’s den Umständen entsprechend. Seit Samstag hab ich wieder sporadisch heftiges Rückenweh, eigentlich seit Freitag, aber die Anspannung weicht, und dann wird vielleicht auch Zeit sein, mehr zu erzählen.
Schwerster Fehler war wohl die samstägliche Tour nach D’dorf, das hat mir einfach zu viel abverlangt. Aber der Erschöpfung kann ich mich dann nächstes Wochenende annehmen. Hoffe ich. Bis dahin durchhalten und ranklotzen …
Scheißtag.
Es läuft alles wunderbar. Es könnte kaum besser sein. Trotzdem hat’s mich irgendwann zwischen dem morgendlichen Aufstehen und dem mittäglichen Pausieren so dermaßen von den Füßen gehauen, dass ich den Nachmittag (nebst Kaffeeverabredung) für verloren erkläre, mir die Decke über den Kopf ziehe und hoffe, der Kelch möge schnell an mir vorüberziehen. Es gibt sie, diese Scheißtage, an denen ich nichts schaffe, außer ins Wetter zu gucken (und ja, es ist auch unabhängig vom Wetter. soll mir jetzt keiner kommen und sagen, wär ja kein Wunder, bei dem trüben Wetter usw.), Tage, an denen ich schon damit überfordert bin, aus dem Haus zu gehen. (was ich zum Glück heute nicht muss, erst morgen wieder.)
Ich ahne, woran es liegt. Es liegt an der Veränderung, es liegt am Tempo, das nicht meins ist, sondern aufgedrückt wird. Es liegt an vielem, es liegt bestimmt auch daran, dass ich in den letzten zwei Wochen 100 Seiten Manuskript produziert habe. Gebt mit einen Tag Ruhe, gebt mir etwas Stille. Dann wird’s schon wieder, irgendwie. (ich hoffe es.)
Das sieht schwer nach Arbeit aus!

Das passiert übrigens, wenn die Akkus in der Tastatur im Laufe des Tages leergeschrieben sind. Das behelfsmäßige Konstrukt aber, das ich mir einfallen ließ, gefiel mir dann recht gut, dass es sich zumindest für die zweite Tageshälfte (die ich mit einem Bein in der anderen Sprache zubringe) durchaus als lohnende Alternative entpuppen könnte.
Das neue Jahr meint es gut mit mir.
Zumindest sorgt es dafür, dass mir nicht langweilig wird. Okay, ehe mir überhaupt mal langweilig wird, muss schon echt wass passieren, denn gewöhnlich bin ich durch Arbeit&Leben schon vollauf ausgelastet. Trotzdem: da soll wohl dieses Jahr noch ein bisschen mehr passieren.
Schön finde ich auch die Entwicklung, dass sich erste Projekte auf den Weg machen, um mir die kommenden elf Monate zu versüßen. So bekam ich gestern ein Buch zugeschickt, das ich eventuell übersetzen werde. (Lust haben wir beide drauf, Lektorin und ich.) Und auch drei kleine Projektlein sind schon in Sack und Tüten geschlüpft.
Und das alles so “nebenher”, während Sagaland wächst und gedeiht. Wir haben uns inzwischen auf ein Pseudonym geeinigt, jetzt geht es um Titel und Cover, aber damit hab ich ja gar nicht sooo viel zu tun, ich bin vor allem mit dem Schreiben befasst. Und auch da erweist sich meine Lektorin als Goldstück. Ihre Anmerkungen sind so kleine Stupser, die meine Kreativität befeuern und heute schon zur Lösung einer Szene führten, die mir in den letzten Tagen einiges Kopfzerbrechen bereitete, weil ich wusste, dass das so nicht funktionierte. (wir wussten es beide.)
Doch, es kann auch mal gut sein, wenn der Schreibprozess so unmittelbar begleitet wird. Und dabei ist das so eine völlig neue Erfahrung, die ich eigentlich gar nicht machen wollte.
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