8. Was so ein neues Hobby mit einem macht …

… glaubt ja auch vorher keiner.

Wer mir bei Instagram oder Twitter folgt, hat es ja schon mitbekommen. Ich nähe neuerdings (dazu dann in Kürze mehr), und das macht erstaunlich viel Spaß, und ich habe erste Anfangserfolge „feiern“ können, gar nicht mal so kleine. Als ich mal eine näherfahrene Freundin fragte, was ich denn so unbedingt bräuchte, sagte sie unter anderem: „Ein Bügelbrett nebst Bügeleisen.“

Hm.

Wir besitzen schon länger keins mehr. Seit dem letzten Umzug, um genau zu sein. Und das olle Ding (!) war noch das von des Liebsten Oma, das er quasi mit in unsere erste Wohnung brachte. Ich kann also nicht mal sagen, wie alt es war, als wir es wegwarfen. Fünfzehn Jahre? Uralt jedenfalls. Und ich hab es weggeschmissen, weil wir – im Ernst! – keins mehr brauchten. Meine T-Shirts und Langarmshirts kommen immer knitterfrei aus dem Trockner, und was an Knitter noch da ist, trägt man nach einer halben Stunde raus. Der Liebste muss für den Job Hemden tragen. Doch da hat er mal in bügelfreie Hemden investiert, und das klappt erstaunlich gut, wenn man die Hemden richtig wäscht und sie danach direkt auf dem Bügel trocknen lässt. Bloß niemals mit dem Bügeleisen dran, danach ist’s Essig mit dem Bügelfrei! Jeans kommen auf die Wäscheleine, fertig. Unterhosen mit Kniff (wie es meine Oma mit den Unterhosen meines Opas zu tun pflegte – Bügeln mit Kniff!) gibt’s hier erst recht nicht.

So. Bügeleisen und Bügelbrett also. Ich sehe die Notwendigkeit durchaus ein, so nach den ersten Nähprojekten. Komischerweise (und darüber wollte ich berichten) passieren noch andere Dinge. Mir fällt zum Beispiel auf, wie unendlich vernuddelt unsere Küchenhandtücher sind, denen würde also eine Runde unter so einem Bügeleisen auch nicht schaden. Und ich hätte da noch die eine oder andere Bluse. Und die Tischdecke, die wir einmal im Jahr zu Weihnachten herkriegen …

Noch zögere ich. Noch habe ich nicht geschaut, was man da so nehmen könnte. Aber ich sehe mich schon Geschirrhandtücher bügeln. Ich. Geschirrhandtücher. Bügeln. Weil ich es kann. Weil es *hübsch* aussieht.

Hätten wir das auch geklärt. Vermutlich dauert’s nicht mehr lang, bis ich dem Liebsten gebügelte Unterwäsche in seine Kommode räume. Mit Kniff natürlich. Alles andere macht ja keinen Spaß.

7. Friday Fives KW 1/2017

Eine wunderschöne Idee von Frau Buntraum, die ich diese Woche ausnahmsweise am Samstag aufgreife. Wofür war ich diese Woche dankbar?

1. Loslassen können: Ich habe ein uraltes WIP aus meinem Strickkorb gezogen und es aufgeribbelt. Aus der Wolle stricke ich nun einen Vertebrae fürs Babymädchen, und das gefällt mir sehr viel besser als das alte Projekt. Loslassen lohnt sich!

2. Flow: Beim Arbeiten komme ich immer häufiger in den berühmten Flow, und das finde ich sehr, sehr schön. Es ist zwar oft erst Abend, wenn ich dann die Zeit finde, aber dafür sind diese Stunden umso wertvoller für mich, wenn ich tatsächlich dazu komme.

3. Der Liebste: Wir nehmen uns im Moment viel Zeit für Gespräche, und das tut richtig gut, denn er nimmt meine Ängste und Besorgnisse ernst. Es geht natürlich um mein Leben als #writingmum, das ich irgendwie in den Alltag bringen muss.

4. Das Internet: Das Internet ist toll! Da ich gerade mein neues Hobby Nähen in den wenigen freien Minuten intensiv „bespiele“, bin ich froh, dass ein paar findige Geister das Internet erfunden haben, das mir die Stoffe, Kurzwaren & Co. schnell und unkompliziert auf die Türschwelle bringt. (ja, ja, nicht sehr minimalistisch. Zu dem Spagat kommt bald noch was.)

5. Sorgenfrei: Wir haben keine großen Sorgen. Und dafür kann man jeden Tag einfach nur irre dankbar sein, denn ohne Sorgen lebt es sich deutlich leichter. Nach ein paar echt schwierigen Jahren scheint jetzt eine gute Zeit für uns zu sein, und die will ich genießen, solange sie andauert.

6. Minimalismus, anyone?!

Ich versuche gerade, so ein paar Dinge zu ordnen und wegzuwerfen. Letzten Sonntag sortierten wir einen Küchenschrank durch, das hätte für zwei Wochen Minimalism Game gereicht, was ich da rausgeholt und entsorgt habe, ohne dass mir irgendwas davon auch nur ansatzweise fehlen würde.

Und dann fiel mir heute etwas in die Hand, über das ich mich … naja, nicht direkt ärgere. Aber ich find’s doof, dass es da ist. Weil ich nicht weiß, was ich damit tun soll.

Es ist eine Tasse. Bemalt mit Porzellanmarkern (glaub ich), von einer Nachbarin der Schwiegereltern, mit dem Namen unseres Kinds und einer Comicfigur. Nicht schlecht übrigens, sogar ganz nett, wenn man so etwas denn mögen würde! Da geht’s schon los. Weder der Liebste noch ich mögen so etwas. Brrrr! Allein beim Gedanken schauert’s mich, dabei ist die Tasse gut verwahrt in ihrer Schachtel und steht hier nicht offen rum. Das Ding wird also, wenn es nach uns geht, niemals in unseren Haushalt so richtig Einzug halten, aber sie steht jetzt halt auf unserem Gabentisch, sie soll ein Geschenk für uns und unsere Tochter sein von jemandem, den wir kaum bis gar nicht kennen, der aber offenbar sehr gerne großen Anteil an uns und unserem Leben nimmt.

Na toll. Und nun? Total herzlos sofort die Tasse entsorgen? Den Schwiegers aufs Auge drücken (die haben das Ding schließlich angeschleppt, soll das Kind doch in späteren Jahren bei ihnen daraus trinken, wenn es dort ist!)? Die Tasse ein paar Jahre verlegen hin und her schieben, bis sie bei der nächsten Ausmistaktion aussortiert wird? Dem Babymädchen in die Hand drücken, das gerade Newton für sich entdeckt hat, sobald sie etwas in der Hand hält und mindestens dreißig Zentimeter über dem Boden sitzt?

Was mich am meisten daran „ärgert“, ist nicht mal die Tasse an sich, sondern die Tatsache, dass sich die Nachbarin hingesetzt hat und etwas angefertigt hat. Ich weiß, was es heißt, etwas selbst zu machen, sich mit viel Liebe und Herzblut einer Technik zu widmen und dann die Ergebnisse zu verschenken. Aber in diesem Fall fühle ich mich schlecht; es wurde uns aufgedrängt, wir haben nicht darum gebeten. (Ich frage nämlich meist, bevor ich mir die Mühe mache. Es sei denn, ich bin mir absolut sicher, dass es gewünscht und geliebt wird, was ich mache … Okay, oder das Babymädchen, das kann sich ja noch nicht wehren …) Es ist eine Verpflichtung, die wir eingegangen sind, ohne es zu wollen, eine Verbindung, die hergestellt wurde, ohne dass wir sie gesucht haben. Es ist etwas Einseitiges. Mir sollte es da eigentlich doch leicht fallen, der Tasse ein schnelles Ende zu bereiten.

„Das ist diese Verschwendung von Ressourcen“, sagte der Liebste heute. „Das nervt dich daran.“
Ich hielt inne, und ja – das ist es. Heutzutage wird so leichtfertig weggeschmissen, es wird so leichtfertig gekauft, konsumiert, gesammelt, gehortet … Ich nehme mich davon gar nicht aus. Aber es geschieht viel zu oft, ohne nachzudenken. Und hier geschah es vermutlich sogar mit etwas Nachdenken (oder auch nicht, was weiß ich schon …), Wahl der Farben, des Motivs, und so weiter. Da ist Zeit für draufgegangen, verdammt! Mir als der notorischen Zeitmangelqueen geht das auch auf den Zeiger. Zeit, ey! Für etwas, das dann jemand nicht mal zu würdigen weiß!!!

Und darum ist das so schwer mit dem Minimalismus – es schwemmen ja doch immer wieder Dinge ins Haus, so sehr man auch sortiert, räumt, ordnet, mistet. ARGH! Aber ich will so gern! Ich will nicht Marie Kondo (keine Kommoden!), ich will nicht Simplify, ich will irgendwas, das für mich passt. Irgendwas, damit ich etwas mehr Luft kriege. Weniger. Ist mehr.

Wie macht ihr das?

5. WMDEDGT Januar 2017

Was mache ich eigentlich den ganzen Tag? Frau Brüllen fragt an jedem 5. des Monats, und das Internet antwortet.

Nachts um drei bin ich das erste Mal wach. Das Babymädchen (SchubSchubSchub) wacht weinend auf, und ich verpasse ihr eine frische Windel. Ohne Zwischenstopp geht’s nicht, denn … morgens um halb acht weckt sie uns mit der großen Kackplosion. Das macht sie jeden Morgen. Also wecken und die Windel vollräumen. Ich stehe auf, mache mich fertig, mache das Baby fertig und brauche dann erstmal Kaffee, während das Baby sich etwas allein beschäftigt. Ehrlich gesagt – darüber bin ich gerade jedes MAl froh, wenn das klappt. Sie schreit sonst den ganzen Tag. Ist schon schwer, dieses Großwerden. Vor allem, wenn man gerade ein neues Update einspielt. Bin gespannt, womit sie uns in ein paar Tagen überrascht.

Ich fange beim ersten Kaffee diesen Eintrag an und sichte den Tag. Zum Glück habe ich in den letzten drei Tagen gut vorgearbeitet. Etwas Haushalt, Wocheneinkauf, Essensplanung, Administrativkram … packen wir’s an!

Schnell wird mir bewusst, dass „packen wir’s an“ wohl nicht mit dem Baby und seinen Wünschen an den Tag vereinbar sind. Das Baby möchte: Unterhaltung, Kuschelnähe, Stillen, Schlafen – vor allem aber: Mamaaaa! Ich streiche mein Programm zusammen, und wir gehen erstmal gemütlich ins Bett. Ja, am hellen Tag. Ja, obwohl der Haushalt ein kleines Schweinchen ist. Mir doch egal. Mein Baby braucht mich.

Wenn sie geschlafen hat, geht’s für ein halbes Stündchen, und in diesen halben Stündchen versuche ich zu arbeiten (klappt semigut), beim zweiten Mal frühstücken (hurra!) und Brei fürs Baby. Den lässt sie sich gern geben, wenn ich sie den Löffel führen lasse. Ich fasse hinten an, sie vorne, und so schiebt sie sich munter den Gemüsebrei in die Futterluke. Meinetwegen.

Als ich die Schüssel abspülen will, der Schreck. Das Wasser wird nicht warm. Das Problem hatten wir schon mal vor ein paar Wochen, inklusive Heizungshanseltanz und der Erkenntnis, dass es nichts ist, aber nachdem er einen Schalter überbrückt hatte, funktionierte es wieder. Dass das nicht von Dauer sein würde, habe ich ja schon damals befürchtet. Jetzt also wieder kein warmes Wasser, und ich sehe mich schon bei Schwiegers duschen. Ich telefoniere mit dem Liebsten, und wir wollen erst noch eine Stunde abwarten; da wir mit Wärmepumpe heizen, kann es sein, dass die Stadtwerke für eine Stunde den Pumpenstrom vom Netz genommen haben. Eine halbe Stunde später wird das Wasser wieder warm. Puh, Glück gehabt!

Das Möttchen lässt den Mittagsschlaf ausfallen und krakeelt weiter vor sich hin. Ich sitze bei ihr, viel machen kann man nicht. Singen und tanzen, wenn’s arg wird, und viel Dauerstillen. Ich frage mich, wie das Mütter mit mehreren Kindern machen, wenn so ein Zwerg schubt. Aber die anderen Zwerge mögen ja auch alle in Tragehilfen und Tücher, das hilft natürlich.

Der Liebste kommt heute zum Glück früh nach Hause, und ich springe unter die Dusche. Inzwischen ist es schon nach fünf, das Baby will wieder ein bisschen auf den Arm, sie schläft, ich lese, der Liebste erholt sich vom Arbeitstag. Kurz nach sechs klingelt die Nachbarin, ich habe heute ein Paket für sie angenommen. Ich raffe mich auf und koche uns was Feines, während der Liebste das Babymädchen bespaßt. Gegen sieben geht die Kleine ins Bett, bis sie schläft, ist es acht Uhr. Danach muss ich noch zweimal zu ihr hoch, aber jeweils nur eine Viertelstunde.

Den Abend verbringen wir auf dem Sofa. Ich übersetze den Rest meines Tagespensums, danach schauen wir Serie. Weil ich gestern ein Strick-WIP vollendet habe (es müssen nur noch die Fäden vernäht werden), suche ich im Korb nach einer neuen Herausforderung. Mir fällt der Water&Stone in die Hand, doch er gefällt mir überhaupt nicht mehr, und ich ribble ihn und schlage aus der Wolle ein Babyjäckchen an. Nach anderthalb Folgen Homeland mache ich mich bettfertig. Weil das Baby noch schläft, blogge ich rasch und versuche gleich noch, ein paar Seiten zu schreiben, bevor ich mich zu ihr begebe und ein bisschen lese. Das war ein voller, anstrengender Tag.

4. Mammut. Hexagons. Häkeln.

Drei Stichworte. Dahinter steckt etwas, das mir so viel Respekt abtrotzt, dass ich es gar nicht glauben kann, aber: Ich habe damit angefangen. Ich häkle eine riesige (Mammut!) Hexagondecke. Vorbild dafür ist die „Grey“ von Rosa P., und nachdem ich vor vier Jahren schon mal einen Anlauf genommen habe (falsches Garn! Falsche Größe! Ach, das sollte einfach nicht sein!), habe ich dieses Mal ein bisschen überlegt – welches Garn, welche Farben, und überhaupt.

Herausgekommen sind: 18 Farben für die Innenkreise, die Originalfarben (weiß, dunkelgrau, mittelgrau) für die äußeren Bereiche. Ich greife auch aufs Originalgarn zurück (Karisma von DROPS, gibt es zum Beispiel bei Lanade in großer Auswahl); ein Feldversuch zeigte nämlich, dass für mich Häkel-Anfängerin ein etwas hakeligeres Garn sehr viel angenehmer zu verhäkeln ist als ein glattes. Außerdem, mal ehrlich – ich bin normalerweise ein totaler Wollsnob, aber für eine Decke ein teures, womöglich handgefärbtes Garn nehmen – da sträubt es sich ein bisschen. (Okay, es gibt da so Wellen-Afghans in Tosh DK, die würden mich auch noch mal reizen …)

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Ich habe auch lange drüber nachgedacht, ob ich ein bestimmtes „Muster“ mit den Farben aufgreifen möchte, aber letztlich bin ich dazu übergegangen, die Farben nach „Gefühl“ zu setzen – allerdings mit der Maßgabe, dass alle Farben genauso oft vorkommen. Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, zumindest die Halbzeit zu erreichen – und regelmäßig die Fäden zu vernähen, denn das wird sonst zum Ende hin ein Mammut, das ich nicht erlegen möchte. Bisher bin ich noch gut dabei, und ich werde in den kommenden Monaten immer mal wieder Fortschrittsbilder posten.

Danke für eure lieben Kommentare hier und bei Twitter zu meinem gestrigen Eintrag – sie haben mich alle sehr gefreut und berührt, auch wenn ich nicht explizit darauf geantwortet habe.

3. An jedem 3. eines Monats …

… halte ich inne. Ich atme durch. Ich schließe die Augen, ich mache einen Moment lang nichts.
An jedem 3. eines Monats ist die Erinnerung stärker. Wie in einem Spiegel, der zurückreicht. 28 Monate inzwischen. Ich brauche das nicht zählen; ich sehe jeden Monat wie eine Perle auf einer Schnur. Die ersten dunkelgrau, fast schwarz, und dann, ganz ganz langsam nur, werden sie heller. Die Tage, die Wochen, Monate. Inzwischen: Jahre.

Trauer ist eine große Kraft. Sie lässt nicht von dir, nur weil du sie loslassen willst. Sie gräbt Klauen und Zähne in dich, sie schüttelt dich, sie lässt nicht los, bis du dich ergibst. Bis du sagst: Ja dann, hol mich doch. Ich habe doch schon das Liebste und Wertvollste verloren, das mein Leben bereithielt. Ich musste meinen Sohn begraben, er hat nur wenige Minuten gelebt. Er hat mich geprägt wie kaum ein Mensch zuvor; seine kurze Lebensspanne hat meine, die so viel unendlich länger ist, zu einer anderen gemacht.

Und an so einem 3. des Monats, da kommt es vor, dass ich in Gedanken Briefe an ihn schreibe. An Jacob. Lieber Jacob, denke ich dann. Lieber Jacob … und dann breche ich ab, weil ich die Tränen wieder spüre. So ganz hell sind die Tage eben nicht wieder geworden. Ich versuche es trotzdem.

Lieber Jacob,

es sind jetzt 28 Monate ohne dich. Ich konnte mir das nie vorstellen, wie das sein wird, wenn die Trauer leichter wird. Sie wird leichter, irgendwann. Aber sie wird auch wieder schwerer, und an manchen Tagen schau ich deine kleine, große Schwester an und denke, dass es merkwürdig ist. Sie ist bei uns. Du bist auch bei uns, aber so völlig anders. In Gedanken, ja. Ständig. Kaum ein Tag vergeht, an dem dein Papa und ich uns ansehen und sagen: „Wie das wohl wäre, wenn hier noch ein Zweijähriger herumsaust.“ Oder wir zeigen ihr dein Foto, das auf dem Highboard steht, neben den Hochzeitsfotos deiner Eltern und Großeltern, neben dem Foto deines Opas. Wir stellen ihr die Familie vor, die Lebenden und die Toten. Wir erzählen ihr von dir. Du wirst nie der große Bruder sein, der sie verteidigt. Der mit ihr spielt. Der sich mit ihr zankt.

Aber du bist da. In unseren Herzen, und ja, du wirst auch in ihrem Herzen immer einen Platz haben. Es tut manchmal weh, sie anzusehen, denn ich sehe die Ähnlichkeit zwischen euch. Und ich bin wütend, weil das Schicksal, die Gene, irgend so eine Fügung, die ich nie ganz kapieren werde, dir das genommen hat, was sie nun bekommt. Aber ganz oft denke ich eben auch: Ach, ihr zwei. Meine beiden Kinder. Denn mit meiner Liebe zu ihr, mit jedem Tag, den sie wächst, den sie lernt, lacht, lebt, sehe ich auch dich, irgendwie. Ich sehe dich wachsen, du bist nicht mehr das winzige Bündel, das sie mir auf die Brust gelegt haben, das ein einziges Mal leise gequakt hat und dann für immer verstummt bist. Denn ich sehe deine Möglichkeiten. Wie es hätte sein können, wie es nie gewesen ist.

Und dann diese absurden Gedanken, die sich im Kreis drehen. Bestimmt hätte es irgendwann ein zweites Kind für uns gegeben nach dir. Bestimmt hätten wir mehr gewollt, denn wir wollen ja auch jetzt mehr. Aber das wäre eine andere Zeit gewesen, ein anderer Moment, ein anderes Baby. Nicht deine Schwester. Sondern eben ein anderes Geschwister. Oder gar keins, das Schicksal ist ja nicht immer so fair, dass es mit sich spielen ließe. Es hätte also dieses Leben nicht gegeben, es hätte diese Schwester nicht gegeben. Das sind krumme Gedanken, ich weiß. Aber ich sehe sie an, und dann … mir bricht das Herz, aber dann bin ich so voller Liebe. Für dich, für sie. Weil du sie – irgendwie – in gewisser Weise – für uns möglich gemacht hast. Es gibt sie. Deinetwegen.

Und ich will nicht tauschen. Wollte ich nie. Es hat mir das Herz zerrissen, als ich erfuhr, wie krank du warst, dass du nie gelebt hättest, dass du nie eine Chance hattest. Da wusste ich bereits, dass ich stark genug sein würde, um dir die wenige Zeit im Leben zu schenken, meine Liebe, alles, was du willst. Ich hoffe, ich war dir eine gute Mama. Nein, ich weiß es. Wir haben alles richtig gemacht. Wir haben nicht aufgegeben. Du lebst, irgendwie. Für uns bist du immer noch da. Und ich bin dir dankbar. Du hast dich davongeschlichen, doch du hast uns ein großes Geschenk dagelassen.

Du fehlst, kleiner Jacob. Du wirst ihr großer Bruder sein. Für sie wirst du so selbstverständlich sein wie für uns, du wirst sie ihr ganzes Leben begleiten. Wir gehen den Weg gemeinsam mit dir. Du wirst immer bei uns sein.

Alles Liebe,
deine Mama

2. Neujahrspläne.

Habe ich gute Vorsätze? Ach, bloß nicht, von denen wird man meist schon in der Silvesternacht überrollt, dass man sie nicht einhält. Aber ich habe Pläne für das kommende Jahr. Und wenigstens davon möchte ich ein bisschen erzählen.

1. Schwanger werden. Okay, planen kann man das natürlich überhaupt nicht, aber ich würde halt schon gerne noch ein drittes Baby bekommen. Und da es bisher nicht ganz so leicht war, kann man damit lieber früher als später beginnen.

2. Nähen. Da habe ich immerhin schon einen Schritt getan, heute Abend habe ich ein Kleidungsstück vollendet. Jippie!

3. Stricken. In meinem Strickkorb tummelt sich ein kleiner Mount WIPmore. Zeit, einige WIPs abzuarbeiten!

4. Lesen. 50 Bücher schaffe ich sicher nicht. Aber 25 wären ein realistisches Ziel …?

5. Ordnen. Es ist mir immer noch zu kruschtig und unordentlich, egal wohin ich mich drehe – das muss anders werden.

6. Reduzieren. Geht ja direkt mit dem letzten Punkt einher, denn sicher wird im Zuge dessen auch einiges wieder aussortiert und weggeschmissen. Weil es gut tut.

7. Lernen. Ich würde gerne irgendwann noch mal eine Sprache lernen. Ob 2017 das richtige Jahr dafür ist? Italienisch oder eine nordische Sprache würde mich reizen …

8. Häkeln. Bei der riesigen Grannyhex würde ich gern die Halbzeit erreichen (denn mehr zu erhoffen wäre hoffnungslos ehrgeizig …)

9. Mitzi. Für das Baby zum Geburtstag möchte ich eine Mitzi nähen. Eine neue Herausforderung!

10. Übersetzen. Weiterhin mein liebster Job, und ich bin für dieses Jahr schon gut ausgelastet.

11. Schreiben. Das ist ja nicht Job, sondern eher Berufung. Ich kann einfach nicht ohne; ich hoffe, die Projekte vom letzten Jahr werden sich dieses Jahr weiterhin so positiv entwickeln.

12. Morgenseiten/Abendjournal. Die Morgenseiten sind im Moment schwer zu realisieren, weil das Baby immer meine Aufmerksamkeit fordert; verschiebe ich sie auf eine andere Tageszeit, vergesse ich sie. Es muss also morgens sein. Kompromiss wäre: nur zwei Seiten schreiben. Oder eben so weit, wie ich komme (heute war es eine knappe Seite. Hmpf.)

13. Shop. Ja, der wird auch wieder eröffnet.

14. an Geburtstag denken und schön/sinnvoll schenken. Ich habe da auch schon ein paar Ideen …

15. gesünder und mit weniger Fleisch kochen/ernähren. Das erklärt sich von selbst, denke ich …

16. Freundschaften pflegen. (und pflegen lassen.)

17. Wieder laufen. Das wäre schön! Und wenn’s nur eine gelegentliche Joggingrunde ist, das ist schließlich besser als nix.

18. Urlaub auf Spoog oder in St. Peter Ording – gerne natürlich auch beides …

19. Filme & Serien gucken. Das kam hier zuletzt ein bisschen zu kurz, aber da jemand jetzt doch recht zuverlässig abends bis elf eine erste Runde schläft, könnte man damit wieder anfangen …

20. Genießen! Das ist wohl das Wichtigste. Bei all dem, was man sich vornimmt – genießen, wenn man nix tut.

21. NICHT HADERN! Es gibt die schlechten Tage. Man muss sie nur annehmen.

1. Jahresrückblick 2016

Traditionen bricht man nicht! Man guckt Neujahrskonzert, Vierschanzentournee und bloggt den Jahresrückblick. Und ich verrate sicher nicht zu viel, dass dieses Jahr kein schlechtes war …

Zugenommen oder abgenommen?
Bis Februar zu, danach fast stagniert (ab da hat nur der Bauchbewohner zugenommen), ab Juni ging es dann erst steil, dann stetig bergab. Gestern stand ich auf der Waage, und die sagt, jetzt sei aber langsam mal Schluss mit dem weniger werden.

Haare länger oder kürzer?
Sie sind lang, sie bleiben lang. Ich wurde entgegen anderslautender Androhungen vom nachschwangerschaftlichen Haarausfall verschont, deshalb ist die Mähne unverändert dicht. Ich mag meine Haare, sagte ich das schon mal? (ich gebe zu: Diesen Absatz habe ich 1:1 vom Vorjahr übernommen.)

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Nach wie vor blind wie ein Glupsch.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger, denke ich. Keine teuren Arztrechnungen, keine teuren Anschaffungen.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr! Ich ging vor der Geburt viel schwimmen, nach der Geburt viel spazieren. Und ich trage jetzt oft noch ein Menschenkind mit mir herum, treppauf, trepprunter …

Der hirnrissigste Plan
Anfang Juni auf eine Hochzeit gehen. Hirnrissiger wird’s leider nicht; am Ende hatte ich dreimal so dicke Füße und wehte munter vor mich hin.

Die gefährlichste Unternehmung
Glaubt man dem blöden Vertretungsarzt, bei dem ich Anfang Januar wegen einer leichten Blutung vorstellig wurde: eine Geburt im Geburtshaus.
Ich glaube eher, das war mit das Hirnrissigste und Gefährlichste, was ich machen konnte. Also, zu diesem Arzt gehen. Die Geburt im Geburtshaus war nämlich die allerbeste Entscheidung.

Die teuerste Anschaffung
Insgesamt haben wir viel Geld ausgegeben, aber oft Dinge unter 100 Euro, da war nicht mal ein neues Smartphone oder neues Macbook bei. Nix Teures dieses Jahr, das hervorsticht.

Das leckerste Essen
Der Geburtstagskuchen und -kaffee im Geburtshaus, keine zwei Stunden nach der Geburt mit einem kleinen, süßen Mädchen auf meiner Brust. Nie gab es besseren Kuchen! Und natürlich, das allerallerbeste Getränk: Eine eiskalte Cola, während ich mit Wehen in der Wanne saß, von Hebamme E. kredenzt. PERFEKT!

Das beeindruckendste Buch
Ich lese aktuell „Was das Haben mit dem Sein macht – die neue Psychologie von Konsum und Verzicht“ von Jens Förster. Das beeindruckt mich gerade sehr, darüber schreibe ich dann demnächst noch mal.

Der ergreifendste Film
Interessanterweise hat mich am meisten „Alles steht Kopf“ nachhaltig beeindruckt, das war wirklich sehr, sehr starkes Kino, sehr emotional und toll gemacht.

Die beste CD/
Es zeichnet sich zunehmend ab, dass ich mit Dauerberieselung überhaupt nicht kann, weshalb ich inzwischen kaum mehr Musik höre. Was hört man denn aktuell so?
Und wenn es nur ein Lied sein soll: „Machete“ von Amanda Palmer. Das geht unter die Haut!

Das schönste Konzert
Keine Konzerte dieses Jahr …

Die meiste Zeit verbracht mit …
Dem Babymöttchen, dem Liebsten.

Die schönste Zeit verbracht mit …
Meiner kleinen Familie. Der großen Familie drumherum. Doch, das waren viele schöne Momente!

Vorherrschendes Gefühl 2016
Glück. Zufriedenheit. Angekommensein.

2016 zum ersten Mal getan
Im Geburtshaus entbunden. (Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal!)
Mein Baby versorgt.
Ein Fotobuch bestellt.
Eine Puppe genäht.

2016 nach langer Zeit wieder getan
Puh, da fällt mir echt nix ein … Doch! Vor meiner Nähmaschine gesessen!

Worauf ich gut hätte verzichten können
Den blöden Arzt im Januar.
Den Schwangerschaftsdiabetes.
Übergriffige Kommentare von Leuten, die meinen, mein Kind besser zu kennen als ich.

2016 war mit einem Wort:
Wundervoll.

Stephen King, Mind Control (Bill Hodges 3). (39)

Ich mag Stephen King. Ich mochte ihn schon mit 13, 14, 15, als ich erst die verschiedenen zerlesenen Taschenbücher aus dem Regal meiner Schwester zog und so mit Carrie, dem Friedhof der Kuscheltiere und (oho!) den Augen des Drachens Bekanntschaft machte. Die richtig dicken Wälzer wie Christine ließ ich links liegen, die waren mir alle zu dick. Komisch, eigentlich. Mir konnten Bücher nie dick genug sein.

Zwischendurch habe ich dann knapp zwanzig Jahre überhaupt nix von Stephen King gelesen. Erst so vor zwei Jahren ging das wieder los; Joyland (gähn!), Needful Things, Revival (!), das war meine Rückkehr zu King. Und dann kam Mr. Mercedes, der erste Teil der Bill-Hodges-Serie.

Die drei Bücher liebe ich. Es ist jetzt nicht zwingend typisch King, auch wenn es viele der King-typischen Elemente enthält; er hat so seine Themen. Rückbezüge, etc. Hier aber entwirft er auf dreimal über 500 Seiten eine Geschichte, die sich über sechs Jahre erstreckt, mit einem Ex-Cop, der nach seiner Pensionierung erst im Keller seiner eigenen Depression hockt und sich dann dank seines brillanten Gegenspielers Brady Hartsfield wieder nach oben kämpft. Brady Hartsfield – für mich eine dieser üblen fiktiven Gestalten, die man nie mehr vergisst. Mr. Mercedes. Der junge Mann, der im ersten Buch einen Wagen in eine Menschenmenge lenkte. Der Freude daran findet, wenn Menschen sich umbringen. Der sie dazu treiben will, auf mehr oder weniger subtile Art. Der mir den übelsten und gänsehautigsten Lese-Cliffhanger ever-ever-ever beschert hat. Ein würdiger Gegner für Bill Hodges. Und doch so viel mehr. Unheimlich, beängstigend, beklemmend.

Danke, Mr. King. Ich hoffe, Sie schreiben weiter genau so. Oder so ähnlich, auf jeden Fall: mehr davon. Mehr von diesen brillanten, großen Geschichten. Und bitte-bitte – weniger solche halbgaren Sachen wie Joyland. Das war nämlich auf eine andere, sehr unschöne Art gruselig. Selten so was Ödes gelesen. Aber das hier? Chapeau. Ich hab nix zu meckern.

Stephen King, Mind Control (Bill Hodges 3), übersetzt von Bernhard Kleinschmidt.

Kaufen! Lesen! (vorher die anderen beiden Bände, versteht sich!)