Stephen King, Mind Control (Bill Hodges 3). (39)

Ich mag Stephen King. Ich mochte ihn schon mit 13, 14, 15, als ich erst die verschiedenen zerlesenen Taschenbücher aus dem Regal meiner Schwester zog und so mit Carrie, dem Friedhof der Kuscheltiere und (oho!) den Augen des Drachens Bekanntschaft machte. Die richtig dicken Wälzer wie Christine ließ ich links liegen, die waren mir alle zu dick. Komisch, eigentlich. Mir konnten Bücher nie dick genug sein.

Zwischendurch habe ich dann knapp zwanzig Jahre überhaupt nix von Stephen King gelesen. Erst so vor zwei Jahren ging das wieder los; Joyland (gähn!), Needful Things, Revival (!), das war meine Rückkehr zu King. Und dann kam Mr. Mercedes, der erste Teil der Bill-Hodges-Serie.

Die drei Bücher liebe ich. Es ist jetzt nicht zwingend typisch King, auch wenn es viele der King-typischen Elemente enthält; er hat so seine Themen. Rückbezüge, etc. Hier aber entwirft er auf dreimal über 500 Seiten eine Geschichte, die sich über sechs Jahre erstreckt, mit einem Ex-Cop, der nach seiner Pensionierung erst im Keller seiner eigenen Depression hockt und sich dann dank seines brillanten Gegenspielers Brady Hartsfield wieder nach oben kämpft. Brady Hartsfield – für mich eine dieser üblen fiktiven Gestalten, die man nie mehr vergisst. Mr. Mercedes. Der junge Mann, der im ersten Buch einen Wagen in eine Menschenmenge lenkte. Der Freude daran findet, wenn Menschen sich umbringen. Der sie dazu treiben will, auf mehr oder weniger subtile Art. Der mir den übelsten und gänsehautigsten Lese-Cliffhanger ever-ever-ever beschert hat. Ein würdiger Gegner für Bill Hodges. Und doch so viel mehr. Unheimlich, beängstigend, beklemmend.

Danke, Mr. King. Ich hoffe, Sie schreiben weiter genau so. Oder so ähnlich, auf jeden Fall: mehr davon. Mehr von diesen brillanten, großen Geschichten. Und bitte-bitte – weniger solche halbgaren Sachen wie Joyland. Das war nämlich auf eine andere, sehr unschöne Art gruselig. Selten so was Ödes gelesen. Aber das hier? Chapeau. Ich hab nix zu meckern.

Stephen King, Mind Control (Bill Hodges 3), übersetzt von Bernhard Kleinschmidt.

Kaufen! Lesen! (vorher die anderen beiden Bände, versteht sich!)

Totenfang von Simon Beckett. Keine Rezension. (6)

Ich komme wieder zum Lesen!

Ich hatte ein Baby, das sich zum Schlafen weglegen ließ. Sobald es eingeschlafen war, legte ich es in den Laufstall (uh, BÖSE!) oder ins Beistellbett und hatte beide Hände frei.

Ja, ich hatte. Seit ein paar Wochen findet sie das nicht mehr so angenehm. Sie möchte nach dem Stillen auf meinem Arm einschlafen bzw. weiterschlafen. Abends? Also, mindestens die Hand nach mir ausstrecken und mich berühren. Mindestens! Mehr ist natürlich besser. Ich gehe seitdem sehr früh ins Bett. (Natürlich habe ich schon mehrfach versucht, mich wegzuschleichen. Spätestens nach einer halben Stunde hat sie aber eine sehr dezidierte Meinung dazu, was mir denn einfällt, sie allein zu lassen. Nun gut. Also zurück ins Bett mit mir. Ist jetzt auch nicht so dramatisch.)

Also komme ich wieder zum Lesen, und da ein paar kluge Köpfe vor einigen Jahren e-Reader erfunden haben, kann ich sogar einhändig lesen, falls mal wieder der Daumen der anderen Hand umklammert werden muss. Das ist alles sehr angenehm und praktisch.

Ich habe also zuletzt Totenfang von Simon Beckett gelesen. Eins habe ich ja von ihm mal übersetzt, das ist gar nicht so lange her, und danach habe ich die Hunter-Thriller 1-4 auch mal gelesen, und ich mochte sie. Ließen sich wunderbar weglesen.

Das ist beim 5. Hunter-Fall auch so. Man kann sich vortrefflich davon unterhalten lassen, miträtseln, mitfiebern. Ich habe auch das Gefühl, dass Simon Beckett verglichen zum Beispiel mit dem 1. Hunter-Fall inzwischen komplexere Thriller schreibt, und das kommt mir entgegen.

Fazit: Hervorragende Lektüre, ich habe damit ein paar Abende wunderbar herumgekriegt (und auch ein paar Nachmittage, versteht sich). Danach hatte ich sogar ein klitzekleines Lesetief, wie’s mir gerne nach Büchern passiert, die mir so *richtig* gut gefallen.

Colm Toíbín, Brooklyn

Colm Toíbín, BrooklynIch bekam das Buch geschenkt, das verpflichtet ein bisschen zum Lesen. Gut, ich bin vorher schon drumherum geschlichen, und vermutlich habe ich es deshalb geschenkt bekommen. Ich wollte es also schon lesen, aber hier passierte mir, was zuletzt bei vielen Büchern einfach passierte: auf halber Strecke verlor es mich.

Ich gebe nicht dem Buch die Schuld, das kann nichts dafür. Das ist gut, wie es ist. Meine Lesekrise wuchs sich in den letzten zwölf Monaten nur etwas aus. Und das mir. Ich lass ja nicht mal Schreibkrisen gelten, wieso denn dann überhaupt Lesekrisen?

Eilis geht nach Amerika, nach Brooklyn, sie kommt aus Irland. Ein Weg, den viele Menschen gehen, ihr Schicksal ist also eines von vielen, und doch wieder nicht, es ist exemplarisch und zugleich steht es ganz auf eigenen Füßen. Eilis hat keine Wahl, so scheint es; die Brüder sind bereits nach England gegangen, ihre älteste Schwester Rose, Vorbild und Perfektion, bleibt bei der Mutter. So fügt sich alles, und auch in Brooklyn fügt es sich – ein neues Leben blüht für sie auf, und bald hat sie auch eine Zukunft, die sich ihr bietet – mit Tony, der sie auf Händen trägt auf seine Art. Doch als sie nach zwei Jahren nach Irland zurückkehrt, erkennt sie, dass das Leben ihr eine Wahl lässt; hier ein Leben, dort ein Leben. Und doch wieder nicht; sie glaubt, keine Wahl zu haben.

Erzählt wird diese Geschichte so leise, dass man ganz genau hinhören muss. Und wenn man hinhört, sind die Zwischentöne zu hören, und sie sind bodenlos und gemein, aber irgendwie ist das auch in Ordnung. Das, denkt man, ist das Leben. So kann es gewesen sein.

Viel mehr kann Literatur gar nicht wollen.

(Klick aufs Cover bringt direkt zu Amazon, und wenn ihr über den Link das Buch kauft – oder was Anderes – kann ich mir davon irgendwann ein neues Buch kaufen. Und die Bloginsel lebt davon.)

33/2011: Beth Hoffman, Die Frauen von Savannah

Voll vergessen, was total blöde ist, weil ich darüber eigentlich sofort bloggen wollte und jetzt wieder nicht weiß, vor und nach welchem Buch ich es gelesen habe. Ich glaub, es gehört vor den Capus und hinter Swamplandia, ist also eigentlich Nummer 30. Egal, weil: toll war’s allemal, und gelesen hab ich’s irre gern. Vor allem die Sprache! Das find ich ja immer so großartig, wenn man der Sprache anmerkt, dass da nicht nur ein toller Autor gesessen und geschrieben hat, sondern auch ein toller Übersetzer (in diesem Fall eine tolle Übersetzerin, dank deren Blog ich schon sehr früh aufs Buch aufmerksam wurde, da sie die Übersetzerei mit Zimtschneckenbackorgien untermalte. Ach nein, das nennt man Prokrastinieren, glaube ich. Egal. Hier, da: *klickerdiklick* findet ihr Isabel Bogdans Blog, das ich sehr gerne lese) seine Arbeit ganz, ganz wunderbar gemacht hat. Wenn das Buch blöd ist, weiß man ja bei den Fremdsprachigen nicht immer, an wem es denn gelegen hat, und das Urteil erlaube ich mir auch nie, solange ich nicht Originalausgaben lese, was ich mir inzwischen vollständig abgewöhnt habe, weil. Ich bin ja beides, ich schreibe und übersetze, wobei mir schreiben tausendmal lieber ist als übersetzen, wenngleich ich es ungefähr hundertmal schwerer finde an den schlechten Tagen und hundertmal leichter an den guten Tagen.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: tolles Buch. Sommerleicht und zart, ein wunderbares Buch für Frauen, manchmal etwas episodenhaft, das bemängeln andere, aber ich fand’s gut, weil diese Episoden sich zum Schluss doch alle dort einfinden, wo sie hingehören, und weil es einfach passte. Es muss nicht immer alles düster gezeichnet werden, manchmal gibt es auch die leichtfüßigen Bücher, in denen sogar der Tod auf Tanzschuhen daherkommt.

Ich will auch gar nichts verraten. Ich will nur, dass ihr alle losgeht und das Buch kauft. Wunderbare Mischung aus leichtfüßig und nachdenklich. Ausbalanciert und hach!

32/2011: Kazuo Ishiguro – Alles, was wir geben mussten.

Eine sehr ausführliche Rezension gibt’s drüben bei Christiane. Dem hätte ich fast nix hinzuzufügen, außer vielleicht:

1. mit der Form bin ich nicht einverstanden. Für mich blieb es zu wirr. Schade!!! Man kann Utopien/Dystopien auch wirr und gut erzählen, wie Margaret Atwood es immer wieder beweist.

2. es mag in sich schlüssig sein, nie an seinem eigenen Lebenszweck zu zweifeln (dass die Klone als Spender herangezogen werden). Aber genau das tun die Kollegiaten ja, die ganze Zeit tun sie’s, sie können es nur nie aussprechen.

3. zu viel Gerede über Krankheit, über Spenden, über Tod undsoweiter. Zu viele Heilanstalten für meinen Geschmack.

Fazit: falsches Buch zum falschen Zeitpunkt. Sonst aber vermutlich große Klasse.

29/2011 – Karen Russell, Swamplandia

Ich geb’s zu: es gibt so Reize, auf die ich beim Bücherkauf sofort anspringe. Das können Cover sein (in Verbindung mit bestimmten Verlagen), das können bestimmte Konstellationen sein, die im Klappentext angedeutet werden (ich bin ein großer Fan von Coming-of-Age-Romanen), oft wird mein Interesse von bestimmten Rezensenten und ihren Lobeshymnen geweckt. (wobei ich eher auf Christine Westermanns Buchempfehlungen höre denn auf die von Elke Heidenreich. Okay, manchmal empfehlen sie dasselbe.)

Bei Swamplandia waren es das Cover (hmmmm!), das Papier (whoaaaa!), der Verlag und die sich andeutende Coming-of-Age-Geschichte aus dem Klappentext. Darum musste ich das Buch haben. Und zum Glück habe ich es nicht allein gelesen, denn allein, da hätte ich vielleicht irgendwann mittendrin aufgegeben, dabei war ich nur vom Leben gestresst und nicht vom Buch genervt, weshalb ich es dann doch ganz entspannt am Wochenende auslesen konnte. Es ist mal völlig anders, es ist sprachlich satt, es ist aber irgendwie … naja, manchmal knapp vorbei, und dass da zwei Geschichten parallel erzählt werden, die erst spät wieder zusammenfinden, macht’s irgendwie schwierig. Irgendwann fiel mir auf, wie oft irgendwas rot ist in diesem Buch; es schien immer eine besondere Erwähnung wert, und die Abstufungen von Rot waren sehr viel differenzierter als bei anderen Farben. Aber ich bin ja nicht so der Typ Leser, der irgendwelche literarischen Kniffe durchschaut, dafür bin ich ein bisschen zu doof.

Anyway: ein gutes Buch. Ein bisschen gequält in der Mitte, aber dann nimmt es wieder Fahrt auf. Ein bisschen unzufrieden bleibt man danach trotzdem; nicht weil’s vorbei ist, sondern vielmehr, weil die Geschichte nicht rund ist. Irgendwie holpert’s noch in meinem Hirn. Aber vll kann der Herr Mitleser das ja besser zusammenfassen?!

28/2011: Eva Lohmann, Acht Wochen verrückt.

Das Buch kam zu mir, weil ich es mir gewünscht habe und weil meine Lektorin so freundlich war, es mir zuzuschicken. (für Verlage arbeiten, ich sag’s euch: nur Vorteile!) Und es ist leicht, und es ist schnell durchgelesen, weshalb es während meiner Quälerei mit einem anderen Buch (später mehr) der ideale Begleiter für den Ergometer war, auf dem ich dann letzte Woche ein paar Stunden strampelte.

Aber … hm. Okay, es ist ein Roman. Ja, in einem Roman zeigt man idealerweise alles, was es eben bei dieser oder jeder anderen Thematik zu zeigen gibt. Es soll ein autobiographischer Roman sein, aha, okay … aber das Sammelsurium der Verrückten war schon sehr gezielt, wirkte sehr abgeschmeckt und abgestimmt aufeinander. Das ist nicht schlimm. Ich mag es nur nicht, wenn ich das Gerüst durchblitzen sehe. (und natürlich kann ich mir das nur einbilden. Eh klar.)

Insgesamt aber, und das zählt für mich: ein unterhaltendes Weglesen. Kein strahlendes Highlight, aber weit davon entfernt, auch nur annähernd doof zu sein.

27/2011: Nicholas Dickner, Nikolski.

Tja, was soll ich dazu sagen? Ich könnte sagen, dass Herr Hith schuld ist, dass ich das Buch gelesen habe. Wobei das nicht richtig ist. Von mir kam die Idee, man könne ja abwechselnd das nächste zu lesende Buch aussuchen. Dass das potentiell gefährlich ist, weil der Lesegeschmack teils auf einer Wellenlänge, teils Galaxien voneinander entfernt ist, nuja. Ich hab ihm schon gedroht, er müsse mit mir die Juliet-Marillier-Bücher lesen, wenn er mit sowas abseitigem kommt.

Eigentlich passt Nikolski also in unser beider Beuteschema. Und wurde nicht von mir ausgesucht, aber je nu, ich habe nichts dagegen gehabt. Im Nachhinein vielleicht schon, obwohl; man tut so einem Buch ja auch unrecht, wenn man sagt, es sei ja so blöd, wenn man nicht in der Lage ist, 300 Seiten in drei oder vier kleinen Rutschen wegzulesen. Das ist nämlich meist viel mehr mein Problem als die Qualität eines Buchs.

Hier lag’s wohl vor allem daran, dass Klappentext und Buch so recht nicht zusammenpassten, oder nein, ich habe mir von den Andeutungen des Klappentexts wieder mal was anderes versprochen. (passiert mir also nicht nur bei Kai Meyers Büchern!) Demnächst sollte ich einfach Bücher nicht nach ihrem Klappentext aussuchen, sondern nach dem Cover (obwohl …) oder nach der ersten Seite. Dafür ist Kindle ja dann neuerdings sehr praktisch. Bewahrt einen natürlich nicht davor, nach 200 Seiten ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden zu klopfen und nach endlich mehr Bewegung in die gedachte Richtung zu krähen.

Könnte auch dran liegen, dass ich grad gedanklich eher mit Zwillingen befasst bin. Die sind an-stren-gend!