Colm Toíbín, Brooklyn

Colm Toíbín, BrooklynIch bekam das Buch geschenkt, das verpflichtet ein bisschen zum Lesen. Gut, ich bin vorher schon drumherum geschlichen, und vermutlich habe ich es deshalb geschenkt bekommen. Ich wollte es also schon lesen, aber hier passierte mir, was zuletzt bei vielen Büchern einfach passierte: auf halber Strecke verlor es mich.

Ich gebe nicht dem Buch die Schuld, das kann nichts dafür. Das ist gut, wie es ist. Meine Lesekrise wuchs sich in den letzten zwölf Monaten nur etwas aus. Und das mir. Ich lass ja nicht mal Schreibkrisen gelten, wieso denn dann überhaupt Lesekrisen?

Eilis geht nach Amerika, nach Brooklyn, sie kommt aus Irland. Ein Weg, den viele Menschen gehen, ihr Schicksal ist also eines von vielen, und doch wieder nicht, es ist exemplarisch und zugleich steht es ganz auf eigenen Füßen. Eilis hat keine Wahl, so scheint es; die Brüder sind bereits nach England gegangen, ihre älteste Schwester Rose, Vorbild und Perfektion, bleibt bei der Mutter. So fügt sich alles, und auch in Brooklyn fügt es sich – ein neues Leben blüht für sie auf, und bald hat sie auch eine Zukunft, die sich ihr bietet – mit Tony, der sie auf Händen trägt auf seine Art. Doch als sie nach zwei Jahren nach Irland zurückkehrt, erkennt sie, dass das Leben ihr eine Wahl lässt; hier ein Leben, dort ein Leben. Und doch wieder nicht; sie glaubt, keine Wahl zu haben.

Erzählt wird diese Geschichte so leise, dass man ganz genau hinhören muss. Und wenn man hinhört, sind die Zwischentöne zu hören, und sie sind bodenlos und gemein, aber irgendwie ist das auch in Ordnung. Das, denkt man, ist das Leben. So kann es gewesen sein.

Viel mehr kann Literatur gar nicht wollen.

(Klick aufs Cover bringt direkt zu Amazon, und wenn ihr über den Link das Buch kauft – oder was Anderes – kann ich mir davon irgendwann ein neues Buch kaufen. Und die Bloginsel lebt davon.)

33/2011: Beth Hoffman, Die Frauen von Savannah

Voll vergessen, was total blöde ist, weil ich darüber eigentlich sofort bloggen wollte und jetzt wieder nicht weiß, vor und nach welchem Buch ich es gelesen habe. Ich glaub, es gehört vor den Capus und hinter Swamplandia, ist also eigentlich Nummer 30. Egal, weil: toll war’s allemal, und gelesen hab ich’s irre gern. Vor allem die Sprache! Das find ich ja immer so großartig, wenn man der Sprache anmerkt, dass da nicht nur ein toller Autor gesessen und geschrieben hat, sondern auch ein toller Übersetzer (in diesem Fall eine tolle Übersetzerin, dank deren Blog ich schon sehr früh aufs Buch aufmerksam wurde, da sie die Übersetzerei mit Zimtschneckenbackorgien untermalte. Ach nein, das nennt man Prokrastinieren, glaube ich. Egal. Hier, da: *klickerdiklick* findet ihr Isabel Bogdans Blog, das ich sehr gerne lese) seine Arbeit ganz, ganz wunderbar gemacht hat. Wenn das Buch blöd ist, weiß man ja bei den Fremdsprachigen nicht immer, an wem es denn gelegen hat, und das Urteil erlaube ich mir auch nie, solange ich nicht Originalausgaben lese, was ich mir inzwischen vollständig abgewöhnt habe, weil. Ich bin ja beides, ich schreibe und übersetze, wobei mir schreiben tausendmal lieber ist als übersetzen, wenngleich ich es ungefähr hundertmal schwerer finde an den schlechten Tagen und hundertmal leichter an den guten Tagen.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: tolles Buch. Sommerleicht und zart, ein wunderbares Buch für Frauen, manchmal etwas episodenhaft, das bemängeln andere, aber ich fand’s gut, weil diese Episoden sich zum Schluss doch alle dort einfinden, wo sie hingehören, und weil es einfach passte. Es muss nicht immer alles düster gezeichnet werden, manchmal gibt es auch die leichtfüßigen Bücher, in denen sogar der Tod auf Tanzschuhen daherkommt.

Ich will auch gar nichts verraten. Ich will nur, dass ihr alle losgeht und das Buch kauft. Wunderbare Mischung aus leichtfüßig und nachdenklich. Ausbalanciert und hach!

32/2011: Kazuo Ishiguro – Alles, was wir geben mussten.

Eine sehr ausführliche Rezension gibt’s drüben bei Christiane. Dem hätte ich fast nix hinzuzufügen, außer vielleicht:

1. mit der Form bin ich nicht einverstanden. Für mich blieb es zu wirr. Schade!!! Man kann Utopien/Dystopien auch wirr und gut erzählen, wie Margaret Atwood es immer wieder beweist.

2. es mag in sich schlüssig sein, nie an seinem eigenen Lebenszweck zu zweifeln (dass die Klone als Spender herangezogen werden). Aber genau das tun die Kollegiaten ja, die ganze Zeit tun sie’s, sie können es nur nie aussprechen.

3. zu viel Gerede über Krankheit, über Spenden, über Tod undsoweiter. Zu viele Heilanstalten für meinen Geschmack.

Fazit: falsches Buch zum falschen Zeitpunkt. Sonst aber vermutlich große Klasse.

29/2011 – Karen Russell, Swamplandia

Ich geb’s zu: es gibt so Reize, auf die ich beim Bücherkauf sofort anspringe. Das können Cover sein (in Verbindung mit bestimmten Verlagen), das können bestimmte Konstellationen sein, die im Klappentext angedeutet werden (ich bin ein großer Fan von Coming-of-Age-Romanen), oft wird mein Interesse von bestimmten Rezensenten und ihren Lobeshymnen geweckt. (wobei ich eher auf Christine Westermanns Buchempfehlungen höre denn auf die von Elke Heidenreich. Okay, manchmal empfehlen sie dasselbe.)

Bei Swamplandia waren es das Cover (hmmmm!), das Papier (whoaaaa!), der Verlag und die sich andeutende Coming-of-Age-Geschichte aus dem Klappentext. Darum musste ich das Buch haben. Und zum Glück habe ich es nicht allein gelesen, denn allein, da hätte ich vielleicht irgendwann mittendrin aufgegeben, dabei war ich nur vom Leben gestresst und nicht vom Buch genervt, weshalb ich es dann doch ganz entspannt am Wochenende auslesen konnte. Es ist mal völlig anders, es ist sprachlich satt, es ist aber irgendwie … naja, manchmal knapp vorbei, und dass da zwei Geschichten parallel erzählt werden, die erst spät wieder zusammenfinden, macht’s irgendwie schwierig. Irgendwann fiel mir auf, wie oft irgendwas rot ist in diesem Buch; es schien immer eine besondere Erwähnung wert, und die Abstufungen von Rot waren sehr viel differenzierter als bei anderen Farben. Aber ich bin ja nicht so der Typ Leser, der irgendwelche literarischen Kniffe durchschaut, dafür bin ich ein bisschen zu doof.

Anyway: ein gutes Buch. Ein bisschen gequält in der Mitte, aber dann nimmt es wieder Fahrt auf. Ein bisschen unzufrieden bleibt man danach trotzdem; nicht weil’s vorbei ist, sondern vielmehr, weil die Geschichte nicht rund ist. Irgendwie holpert’s noch in meinem Hirn. Aber vll kann der Herr Mitleser das ja besser zusammenfassen?!

28/2011: Eva Lohmann, Acht Wochen verrückt.

Das Buch kam zu mir, weil ich es mir gewünscht habe und weil meine Lektorin so freundlich war, es mir zuzuschicken. (für Verlage arbeiten, ich sag’s euch: nur Vorteile!) Und es ist leicht, und es ist schnell durchgelesen, weshalb es während meiner Quälerei mit einem anderen Buch (später mehr) der ideale Begleiter für den Ergometer war, auf dem ich dann letzte Woche ein paar Stunden strampelte.

Aber … hm. Okay, es ist ein Roman. Ja, in einem Roman zeigt man idealerweise alles, was es eben bei dieser oder jeder anderen Thematik zu zeigen gibt. Es soll ein autobiographischer Roman sein, aha, okay … aber das Sammelsurium der Verrückten war schon sehr gezielt, wirkte sehr abgeschmeckt und abgestimmt aufeinander. Das ist nicht schlimm. Ich mag es nur nicht, wenn ich das Gerüst durchblitzen sehe. (und natürlich kann ich mir das nur einbilden. Eh klar.)

Insgesamt aber, und das zählt für mich: ein unterhaltendes Weglesen. Kein strahlendes Highlight, aber weit davon entfernt, auch nur annähernd doof zu sein.

27/2011: Nicholas Dickner, Nikolski.

Tja, was soll ich dazu sagen? Ich könnte sagen, dass Herr Hith schuld ist, dass ich das Buch gelesen habe. Wobei das nicht richtig ist. Von mir kam die Idee, man könne ja abwechselnd das nächste zu lesende Buch aussuchen. Dass das potentiell gefährlich ist, weil der Lesegeschmack teils auf einer Wellenlänge, teils Galaxien voneinander entfernt ist, nuja. Ich hab ihm schon gedroht, er müsse mit mir die Juliet-Marillier-Bücher lesen, wenn er mit sowas abseitigem kommt.

Eigentlich passt Nikolski also in unser beider Beuteschema. Und wurde nicht von mir ausgesucht, aber je nu, ich habe nichts dagegen gehabt. Im Nachhinein vielleicht schon, obwohl; man tut so einem Buch ja auch unrecht, wenn man sagt, es sei ja so blöd, wenn man nicht in der Lage ist, 300 Seiten in drei oder vier kleinen Rutschen wegzulesen. Das ist nämlich meist viel mehr mein Problem als die Qualität eines Buchs.

Hier lag’s wohl vor allem daran, dass Klappentext und Buch so recht nicht zusammenpassten, oder nein, ich habe mir von den Andeutungen des Klappentexts wieder mal was anderes versprochen. (passiert mir also nicht nur bei Kai Meyers Büchern!) Demnächst sollte ich einfach Bücher nicht nach ihrem Klappentext aussuchen, sondern nach dem Cover (obwohl …) oder nach der ersten Seite. Dafür ist Kindle ja dann neuerdings sehr praktisch. Bewahrt einen natürlich nicht davor, nach 200 Seiten ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden zu klopfen und nach endlich mehr Bewegung in die gedachte Richtung zu krähen.

Könnte auch dran liegen, dass ich grad gedanklich eher mit Zwillingen befasst bin. Die sind an-stren-gend!

26/2011: Richard Price, Cash

Ein Weihnachtsgeschenk, das ich dann endlich mal lesen konnte. Es sah so dick aus, und ihr wisst doch, alles über 500 Seiten, schwierig, schwierig. Weil aber wieder zwei lange Zugfahrten ins Haus standen, dachte ich, naja, versuche ich’s damit. Obwohl ich es schon vorher dreiviermal versucht hatte, so recht aber nicht hineingefunden hatte. Das war aber, bevor der Liebste und ich bei unserer Reise durch die Welt der amerikanischen Serien auch The Wire geguckt haben. Und Richard Price hat eben unter anderem an The Wire mitgeschrieben, was man merkt, denn dieses Buch ist so wie die Serie, schwer zu beschreiben, einfach sehr hart und realistisch. Großartiges Lesevergnügen, sehr düster und uneingeschränkt empfehlenswert. (sowohl Buch als auch Serie.)

25/2011: Adam Haslett, Union Atlantic

Wieder reingefallen, wieder kein New York! Dafür aber: Finanzkrise, oder zumindest sowas Ähnliches, denn so richtig Finanzkrise ist es nicht, was da 2002 über die Union Atlantic hereinbricht. Und Boston, aber nicht nur, eben auch ganz viel Speckgürtel-Provinz mit teuren Häusern, die, das lag damals ja in der Natur der Sache, einfach teurer wurden, indem sie auf einem Grundstück standen.

Ganz ehrlich, es ist schwer, dieses Buch zusammen zu fassen, weshalb ich das eigentlich gar nicht will. Es hat mir gefallen, so! Die Rezensionen bei Amazon lese ich ja oft, nachdem ich ein Buch gelesen hab, manchmal schon währenddessen oder kurz davor. Bei diesem Buch hab ich währenddessen mal bei Amazon geplinst, und irgendwie, naja. Irgendwie habe ich das Gefühl, ein anderes Buch gelesen zu haben, ein besseres nämlich als das, was andere Leser da gelesen haben. Ist ja voll okay im Grunde, erstaunt mich nur immer wieder, wie sehr Andere ein Buch anders sehen können. Mir gefiel vor allem, dass es zwar sehr in die Personen hineinging, aber eben nicht zu sehr.

Ach ja, doch, eins hat mir überhaupt nicht gefallen und ich hab’s irgendwann schamlos übersprungen, weil’s mir zu doof war: diese Mono-Dialoge zwischen Charlotte und ihren beiden Hunden, das war mir zu viel. Klang so, als wolle der Autor noch mal irgendwas unterbringen, das anderswo irgendwie keinen Platz hatte, aber unbedingt noch mit reinmusste, weil er die Gedanken so klug fand. Gefehlt haben sie mir jedenfalls nicht, um den Roman zu verstehen. Glaube ich.