Ich bekam das Buch geschenkt, das verpflichtet ein bisschen zum Lesen. Gut, ich bin vorher schon drumherum geschlichen, und vermutlich habe ich es deshalb geschenkt bekommen. Ich wollte es also schon lesen, aber hier passierte mir, was zuletzt bei vielen Büchern einfach passierte: auf halber Strecke verlor es mich.
Ich gebe nicht dem Buch die Schuld, das kann nichts dafür. Das ist gut, wie es ist. Meine Lesekrise wuchs sich in den letzten zwölf Monaten nur etwas aus. Und das mir. Ich lass ja nicht mal Schreibkrisen gelten, wieso denn dann überhaupt Lesekrisen?
Eilis geht nach Amerika, nach Brooklyn, sie kommt aus Irland. Ein Weg, den viele Menschen gehen, ihr Schicksal ist also eines von vielen, und doch wieder nicht, es ist exemplarisch und zugleich steht es ganz auf eigenen Füßen. Eilis hat keine Wahl, so scheint es; die Brüder sind bereits nach England gegangen, ihre älteste Schwester Rose, Vorbild und Perfektion, bleibt bei der Mutter. So fügt sich alles, und auch in Brooklyn fügt es sich – ein neues Leben blüht für sie auf, und bald hat sie auch eine Zukunft, die sich ihr bietet – mit Tony, der sie auf Händen trägt auf seine Art. Doch als sie nach zwei Jahren nach Irland zurückkehrt, erkennt sie, dass das Leben ihr eine Wahl lässt; hier ein Leben, dort ein Leben. Und doch wieder nicht; sie glaubt, keine Wahl zu haben.
Erzählt wird diese Geschichte so leise, dass man ganz genau hinhören muss. Und wenn man hinhört, sind die Zwischentöne zu hören, und sie sind bodenlos und gemein, aber irgendwie ist das auch in Ordnung. Das, denkt man, ist das Leben. So kann es gewesen sein.
Viel mehr kann Literatur gar nicht wollen.
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