Nun kaufen Sie’s schon!

Ich gehöre eigentlich nicht zu den Autoren, die tagelang durch die Buchhandlungen streifen, Stapel von ihren Büchern auf den Tischen platzieren und dann hinter einem Pfeiler darauf lauern, dass jemand ihr Buch kauft, nur um dann diese armen Leute auf dem Weg zur Kasse mit einem „Darf ich es Ihnen signieren? Ich bin die Autorin!“ zu verschrecken (und vom Kauf abzuhalten).

Das überlasse ich mit Freuden anderen.

Gestern aber …
Ich wollte ja wenigstens mal gucken, ob es die große Buchhandlung vor Ort hat. Zumal ich noch ein halbes Stündchen Zeit hatte, ehe ich mich mit ein paar Freunden in der Tapasbar treffen wollte (aus der dann eine andere Lokalität wurde, aber wurscht). Jedenfalls bummelte ich ein bisschen durch die Buchhandlung, guckte hier, guckte da, alles fein. Ich entdeckte auch einen Stapel meines Buchs, sechs Stück, fein, toll, verkaufen, bitte. Ich drehte eine Runde durch die Kinderbuchabteilung, kam zurück – und sah eine Kundin, die mein (!) Buch in der Hand hatte. Vorne drin blätterte, in der Mitte, hinten, letzte Seite, Danksagung, sogar die hintere Klappe studierte sie eingehend, und das ganze fünf Minuten lang (vermutlich waren es nur anderthalb, aber!), während ich ihr fasziniert dabei zuschaute. (Eine Leserin! In freier Wildbahn!) Sie machte sich die Entscheidung nicht leicht, das meinte ich auf die Entfernung schon zu erkennen. Und ich hätte so gerne gesehen, wie eins meiner Bücher gekauft wurde …

Leider hat sie es nicht gekauft. Schade! Ich wär ihr so gerne mit meinem Kuli hinterhergelaufen …

„Warten Sie, ich signiere es Ihnen! Ich bin die Autorin!“

Hallo, Luftpolsterversandtaschen?!

Wann sind die denn bitteschön so teuer geworden?!

Ich brauchte viele, weil: Samstag kam der nächste Schwung, also, der große Schwung Sonnenfänger. Leider passen die nicht in meine Standard-Bücherpolsterumschlagstüten, die ich sonst immer verwende, weshalb ich auszog, größere zu kaufen.

Aber 1,09? Pro einzelne Luftpolsterversandtasche? Nee. Bei aller Liebe, wenn ich 15 Stück brauche – nee. Plus Porto …. Neee! Da muss ich jetzt all jene vertrösten, die sich so sehr auf das von mir versprochene Exemplar freuen. Ich werde jetzt Lupo-Tüten bestellen, wenn die da sind, sofortigstens verschicken – aber es kann halt noch ein paar Tage dauern. Ich weiß, wie doof warten ist, aber ich hoffe, ihr seid mit mehr Geduld gesegnet als ich. Oder hibbelt dem Buch nicht so gierig entgegen wie ich.

Das Buch in den Händen.

Jetzt weiß ich wieder, warum ich blogge.

Was vor gut anderthalb Jahren mit diesem Eintrag begann, wurde heute für mich rund. Der Roman, der hier lange Zeit als Sagaland durch die Seiten geisterte, später auch seinen richtigen Namen Das Lied der Sonnenfänger bekam und mit einem herrlichen Cover, einem absolut wunderbaren Titel und einer tollen Ausstattung bedacht wurde (hat alles der Verlag gemacht!), ein Buch also, das ich schrieb, das ich liebte, das ich lange erwartet habe …

… kam heute mit der Post.

Dazwischen liegen anderthalb Jahre. Auf und ab, rauf und runter, vor allem aber: in schwindelerregende Höhen. Ich habe es selten erlebt, dass ein Buch mich alles durchleben lässt, wie es mir die Sonnenfänger beim Schreiben erlaubt haben. Dieses Buch hat mich wirklich und richtig heftig geschafft. Beim Schreiben. Beim Loslassen. Beim Wiederfinden. Und heute, als ich es in Händen hielt, da hätt ich am liebsten geweint, aber ich war einfach nur sprachlos und still und konnte mich nicht rühren. Stand im Hausflur auf der Treppe und drückte das Buch mit einem so seligen Lächeln an mich, dass ich verwunderte Blicke erntete.

Und es war schon absurd. Ich reiße meine Post nicht im Hausflur auf, was das angeht, bin ich sehr diszipliniert. Diesmal halt nicht so. Diesmal musste ich vor den Augen des Postboten („ist das ein Druckkostenverlag?!“ – hihi!) und des Betreuers von der Wohnung drunter das Buch aus dem Umschlag ziehen. Ich musste einfach, ich konnte keinen Schritt gehen, und warten ging ja schon mal gar nicht. Ach, ach, ach. Da ist es. Sagaland. Oder auch: Sagaland 1. Denn die Fortsetzung, die schreib ich bis August. Sagaland 2, sozusagen. (und was das wieder wird, man mag es sich nicht ausmalen. Emotional und alles.)

Hier geht’s übrigens zu Amazon, für jene, die rasch noch vorbestellen möchten, damit es pünktlich zum 15. Januar geliefert wird, und bei den Büchereulen wird ab 20. Januar gemeinsam gelesen. Worauf ich mich schon sehr, sehr, sehr freue.

Die neu entfachte Liebe.

Entgegen anders lautender Behauptungen, die ich in den letzten zweieinhalb Monaten gerne recht fröhlich mal hier oder anderswo verkündet habe, hänge ich die Schreiberei übrigens nicht an den Nagel.

Ich habe die letzte Woche vor allem damit verbracht, mich durch den Lektoratsdurchgang meines zweiten Neuen für den Frühling 2011 zu peitschen. Der zweite war eigentlich immer der erste, oder auch nicht, ach was, ihr wisst schon, ich hab sie beide lieb. Aber hier war’s eben wieder meine Zeit. Das 12. Jahrhundert, da ist es wieder in mein Bewusstsein gerückt, und ich beginne, nicht nur wegen dieses Lektoratdurchgangs, in den Wohnungsecken Stapel mit Büchern zu bilden. Wird ja auch bald wieder Zeit für ein paar Exposés und einen Blick in die ehrgeizige Datei mit möglichen Projektideen, die ich immer mal erweitert habe, bis ich sie zuletzt gänzlich vergaß. Dachte ich. Und dachte zugleich auch, das hat ja noch Zeit, das ist ja noch nicht so eilig.

Eilig ist es jetzt auch nicht, aber: es gibt da eine neue Entwicklung. Eine Möglichkeit, eine Chance, etwas, das ich sehr, sehr gerne machen würde. Als meine Agentin mich anrief und mir davon erzählte, wär ich ihr am liebsten durchs Telefon gekrochen, an mein Herz, geliebte Agentin, so fühlte ich mich da. Und als ich auflegte und innehielt, da merkte ich es: ich brenne wieder. Historische Stoffe, das Vertiefen in die Recherche, die Liebe für diese Arbeit. Alles wieder da, und plötzlich ist es, als hätt ich nicht seit drei Monaten kein Wort geschrieben. Die Pause war wichtig, sie war richtig, sie war gut.

Aber jetzt schreib ich bittebitte ein paar Ideen auf, die ich rumpeldipumpel im Kopf, im Herz, im Bauch bewege. Natürlich hab ich schon jetzt ein Lieblingskind, das ich sofort losschreiben möchte, aber ich weiß ja, dass es nicht immer so läuft, wie man’s sich erhofft, und ich will nicht enttäuscht sein, wenn’s das nicht wird. Enttäuscht bin ich auch bei jeder anderen Idee, wenn sie nicht genommen wird.

Und so nimmt’s seinen Lauf. So geht es weiter. Die Geschichte ist noch lang nicht zu Ende erzählt, weil immer neue Herausforderungen kommen. Wird Zeit, dass ich euch auf das Kommende einstimme – immerhin ist’s nicht mehr lang bis Januar und Februar. Neue Bücher. Beide meins. Beide Herzenskinder durch und durch.

Frust.

Ich weiß nicht, ob es an der Jahreszeit liegt, ich weiß nicht, ob’s einfach daran liegt, dass Anderes so viel besser klappt, aber: das Schreiben frustriert mich.

Ich schreibe im Moment ja gar nicht. Ich sitze und warte, dass ich vll in naher Zukunft das nächste Buch schreiben kann. Seit zwei Monaten mache ich Pause. Der nächste Roman ist quasi schon in Form geplottet, aber so richtig geht’s eben noch nicht los, aus Gründen. Und ich sitze da in meiner Grube und find’s schrecklich. Und während ich warte, dass es vll irgendwann losgeht, verliere ich die Lust am Schreiben.

Man ist von so vielen Faktoren abhängig. Von wohlwollenden Verlagen, von guten Verkaufszahlen (ergo vom Leser), von Erwartungen, die erfüllt werden (oder eben nicht, was dann heißt, es geht nicht weiter), von guten Geschichten, von schlechtem Stil.

Vielleicht sollte ich die blöde Schreiberei einfach an den Nagel hängen. Sie gibt mir was, ja, aber das Drumherum, dieses „Erwartungshaltung, Verkaufszahlen, Warten“ usw., das gibt mir nichts, im Gegenteil. Es nimmt mir, was mir das Schreiben zu geben vermag, und nimmt mir noch mehr. Ich merk’s doch, wie ich einerseits den Abstand zu diesem ganzen Zirkus suche, weil ich versuche, mich genau davor zu schützen, wie ich gleichzeitig aber immer noch zu viel an mich heranlasse und mit dem Schlimmsten rechne. Unter Umständen monatelang, weil, naja, könnt‘ ja wirklich so kommen, aber man weiß es ja nicht.

Und dann war da letztens, ganz leise, eine Stimme. Sie ist inzwischen laut geworden. Sie lässt mich auch nicht in Ruhe. Und sie hat im Grunde ja recht. „Lass es einfach“, flüstert diese Stimme. „So wichtig biste nicht, wenn du es lässt, rücken fünf nach und betteln drum, deinen Platz einnehmen zu dürfen“.

Denen wünsch ich mehr Glück als mir. Oder nein, Glück hatte ich ja, oder ich hab’s auch noch. Ich wünsche ihnen ein dickeres Fell, um in dieser Welt zu bestehen. Ich zieh mich derweil zurück auf das andere, was ich kann: Wolle verkaufen, Übersetzungen. Da scheine ich meine Sache auch gut zu machen, und es ist nicht dieses ständige Gefühl präsent, ich würde halb in der Luft hängen.

Und im Grunde weiß ich, dass es so nicht funktioniert. Dass es irgendwann wieder anfängt, dass ich irgendwann wieder für eine Geschichte brenne, dass es mir egal ist, wenn ich monatelang nicht weiß, wohin die Reise geht.
Irgendwann.
Ich weiß nicht.

Das Lied der Sonnenfänger.

Jetzt darf ich’s auch offiziell vorstellen, und obwohl wir noch alle bis Januar (!) warten müssen, bis es in den Läden liegt, möchte ich es doch zeigen, zeigen, zeigen. Das Cover von Sagaland, das hiermit auch seinen offiziellen Titel erhält.

(und mehr möcht ich gar nicht sagen, weil ich so hingerissen bin.)

Vom Schreiben.

Sagaland schlaucht mich. Jedes Mal, wenn ich so intensiv in der Romanarbeit stecke, frage ich mich, ob es bei den letzten auch so war, ob es beim nächsten wieder so sein wird. Und jedes Mal bin ich erstaunt, wie glücklich mich diese Arbeit macht.

Anfang letzter Woche kam ein dicker Umschlag mit der Post. Die Lektoratsanmerkungen zu den ersten beiden Teilen (insgesamt werden es fünf), die ich erstmal auspackte und ganz schüchtern auf meinen Küchentisch legte. Ich ließ sie dort liegen, weil ich mit allen Anmerkungen erstmal meine Probleme habe. Ich mag nicht, wenn in meinen (meinen!) Text eingegriffen wird, zumindest mag ich nicht, wenn es in rot daherkommt, wenn es mit dem Holzhammer kommt, wenn es auf den letzten Drücker kommt. Ich muss mich auch daran – wie an so vieles – erstmal gewöhnen dürfen, und so war ich froh um diesen Stapel Papier, der eine Woche lang in der Küche lag. Dann holte ich ihn ins Wohnzimmer, und erst heute kam er ins Arbeitszimmer, erst heute habe ich mich daran gemacht, die Anmerkungen einzuarbeiten.

Wohlgemerkt: ich hab vorher schon reingeguckt. Ich habe mir die Anmerkungen angeschaut, ich habe sie in mir hin und her gerollt, und die Ideen, die mir dank der Anmerkungen kamen, habe ich mit meiner Lektorin durchgesprochen, sodass ich schon einen neuen, kleinen Handlungsstrang entwickelt habe – der die Sache runder macht – und den konnte ich heute, zusammen mit den Anmerkungen – einarbeiten. Es ist immer Kampf. Es wird immer Kampf sein. Aber ich liebe diesen Kampf.

Neben der Überarbeitung (zweiter Durchgang für Teil 1 und 2, ab morgen erster Durchgang für Teil 3) läuft das Gedankenkarussell auf Hochtouren, ein letztes Mal. Denn ab nächster Woche schreibe ich, Teil 4 und 5 in einem Guss. Ich habe eine Vorgabe, wie viel ich schreiben darf (512 Seiten), und ich habe auch einen eng gesteckten Rahmen, wie weit ich davon abweichen darf. Es wird knapp. Ich hab noch so viel zu erzählen, so viel zu sagen. Ich hoffe, da komme ich mit den verbleibenden Seiten aus.

Und auch das ist neu. Ich habe noch nie über 500 Seiten geschrieben. Ich hatte Angst davor. Und jetzt? Freue ich mich schon auf die nächste Langstrecke. Trotzdem es schlaucht.

Das neue Jahr meint es gut mit mir.

Zumindest sorgt es dafür, dass mir nicht langweilig wird. Okay, ehe mir überhaupt mal langweilig wird, muss schon echt wass passieren, denn gewöhnlich bin ich durch Arbeit&Leben schon vollauf ausgelastet. Trotzdem: da soll wohl dieses Jahr noch ein bisschen mehr passieren.

Schön finde ich auch die Entwicklung, dass sich erste Projekte auf den Weg machen, um mir die kommenden elf Monate zu versüßen. So bekam ich gestern ein Buch zugeschickt, das ich eventuell übersetzen werde. (Lust haben wir beide drauf, Lektorin und ich.) Und auch drei kleine Projektlein sind schon in Sack und Tüten geschlüpft.

Und das alles so „nebenher“, während Sagaland wächst und gedeiht. Wir haben uns inzwischen auf ein Pseudonym geeinigt, jetzt geht es um Titel und Cover, aber damit hab ich ja gar nicht sooo viel zu tun, ich bin vor allem mit dem Schreiben befasst. Und auch da erweist sich meine Lektorin als Goldstück. Ihre Anmerkungen sind so kleine Stupser, die meine Kreativität befeuern und heute schon zur Lösung einer Szene führten, die mir in den letzten Tagen einiges Kopfzerbrechen bereitete, weil ich wusste, dass das so nicht funktionierte. (wir wussten es beide.)

Doch, es kann auch mal gut sein, wenn der Schreibprozess so unmittelbar begleitet wird. Und dabei ist das so eine völlig neue Erfahrung, die ich eigentlich gar nicht machen wollte.

Und sonst so?

Ja, viel Arbeit!

Seit Montag hat mich das Arbeitsleben wieder, und der bisher angeschlagene Rhythmus gefällt mir. Das Schöne war, dass zeitgleich auch die Verlage aus ihrem Winterschlaf erwacht sind, und so brachte die erste Arbeitswoche schon ein paar Rückmeldungen und mir flatterten die Druckfahnen für einen Roman ins Haus, die ich jetzt ein letztes Mal durchgehe, ehe der Roman dann sehr, sehr bald – nämlich in gut zwei Monaten! – in den Läden liegt. Mich freut das besonders, weil diese Geschichte bis vor einem Jahr ein Festplattenkind war und nun endlich das Licht der Welt erblickt – fünf Jahre nach der Niederschrift der ersten Version. Ein tolles Gefühl.