TBO & DVS & ???

Ich find’s ein bisschen schade, doch es gebietet die Vernunft, dass ich euch nur verschlüsselt an dem teilhaben lassen kann, was ich im Moment arbeite. Darum sind also die Projekte ein bisschen im Abkürzungsdschungel verschwunden, und für die nächsten Monate heißen diese Projekte erstmal TBO & DVS. Beides deutet auf den Titel hin, aber hey, mehr verrate ich nicht.

Bei TBO habe ich gewissermaßen schon angefangen, im November schon, weil ich da um eine Probe meines Könnens gebeten wurde. Meine Arbeitsprobe überzeugte, und ein bisher leerer SLot im Übersetzerwunderland war besetzt. Während meiner kleinen Dezemberauszeit las ich dann das Buch, und ich hab ja schon viele Bücher übersetzt, aber ich glaube, bisher haben mich wenige so sehr zu fesseln vermocht wie dieses. Deshalb ist es eine besondere Freude, dass ich mit TBO jetzt schon anfangen kann. Schade nur, dass es nicht ewig dauern wird. Dieses Buch wird mir Spaß machen, und ich hoffe, ich kann dieses Gefühl von „ja, ja, ja!!!“ lange bewahren.

Ein neuer Roman wird in den nächsten Monaten auch entstehen – DVS. DVS ist etwas anders als die bisherigen, und auch da habe ich schon letztes Jahr angefangen, musste das Manuskript dann aber für eine Weile beiseite legen, weil Anderes wichtiger war. Jetzt ist DVS das Allerwichtigste. Den Nachmittag verbrachte ich auf dem Sofa mit der Sichtung des Materials, das auf den ersten Blick so dünn und fadenscheinig ist, dass ich mich frage, wie es mir in so kurzer Zeit gelingen soll, daraus 500-600 Seiten zu machen. Dass es gelingen wird, weiß ich ja, ich mach das nicht zum ersten Mal. Aber jedes Mal habe ich wieder ein bisschen Angst vor der eigenen Courage, ein bisschen Muffensausen, ob es diesmal so gelingen wird. Jedes Mal ist es ein Sprung ins kalte Wasser, egal wie viel Vorarbeit man schon geleistet hat, egal, ob man schon 50 oder 100 Seiten zu Buche stehen hat. (im Moment sind es eher 50.)

Das dritte Projekt, das ist heikel. Das ist Herzenswunsch, der gegen die Wirklichkeit kämpfen muss, und das ist ja per se schon schwierig. Aber er muss auch gegen meinen Realitätssinn bestehen, und der sagt eben, mit lauter Stimme und ohne sich drum zu scheren, dass das Herz etwas Anderes will, es sei unmöglich, das zu versuchen, unmöglich sei es, zu glauben, damit auch nur ansatzweise an den Punkt der Veröffentlichungsreife zu gelangen, denn dafür müsste man das Buch fertigschreiben, was ich bei dem Umfang nicht ohne Netz und doppelten Boden tun könnte, und ach, sind wir mal ehrlich, wer kauft sowas denn noch heutzutage. (Nein, ich werde nicht konkreter, aber wer meine Leidenschaften kennt, kann es sich denken, wohin die Gedankenreise geht.)

Verstand schreit Nein, Herz flüstert Ja.

Dreimal dürft ihr raten, wer da den Sieg davontragen wird.

Ein (nicht) ganz normaler Sonntagmorgen.

Ich hab ausgeschlafen, was ich daran merke, dass ich mich völlig erschlagen fühle. Lasse den Liebsten noch ein bisschen schlafen. Duschen, mit dem Muttertier telefonieren (dabei den ersten Kaffee genießen), anziehen (ja, in genau der Reihenfolge), an den Schreibtisch setzen. Frühstücken.
Der Liebste hat gestern beim großen Umzug geholfen, darum gibt’s heute von mir das Verwöhnprogramm: Rührei mit Toast zum Frühstück, für später sind Muffins im Ofen.
Wieder am Schreibtisch. Immer noch die Übersetzung vor der Brust. Noch immer keine Lust.
Und irgendwann reicht’s. Da kommt grad nix, also klappe ich Buch und PC zu, gehe ins Wohnzimmer und lese erstmal 50 bis 100 Seiten. Später am Tag kann ich das übliche Pensum schreiben, aber übersetzen ist halt grad nicht drin. So what. Den Termin pack ich schon irgendwie, ich hab bisher alle Termine gepackt.

Nicht ganz normal an diesem Sonntag (und an vielen anderen Tagen in letzter Zeit): wenn’s nicht geht, lass ich’s einfach. Und genieße, dass ich das kann.

Freude!

Die Sonnenfänger gibt’s dann irgendwann, bald, auch auf tschechisch. Der Verlag Alpress hat die Rechte gekauft. Und irgendwo sitzt jetzt bald jemand und macht aus meinem Buch ein tschechisches. Macht meinen Job aus einer anderen Richtung.

Ich find das grad echt abgefahren.

Sonntagsfreude:

Ich lese. Nicht wie ursprünglich geplant im aktuellen Roman weiter – den hebe ich mir tatsächlich für heute Abend auf – sondern ich genieße es, das Buch zu lesen, das ich als nächstes übersetze. Und falls mir das nicht reicht, liegt schon das Buch bereit, das ich danach übersetzen werde.

Das klingt so nach Arbeit. Ist es aber nicht.
Ich bin in der glücklichen Lage, Bücher übersetzen zu dürfen, die ich, wenn ich sie nicht übersetzen würde, auch nicht lese. Klingt erstmal paradox, ist aber die Wahrheit. Ich habe früher – bei aller Liebe für alle Bücher – immer etwas merkwürdig geschaut, wenn ich einem Nackenbeißer über den Weg gelaufen bin. Jetzt ist das anders. Ich guck nicht mehr merkwürdig, ich freu mich. Weil alle paar Monate ein neuer auf meinem Schreibtisch landet. Weil ich mich im Regency pudelwohl fühle. (alles hat so strenge Regeln, gegen die sich Heldin und Held so gerne auflehnen.) So sehr, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, nichts anderes mehr zu übersetzen. Jawohl.

Ich war immer die Getriebene. Ich wollte immer noch mehr erreichen. Komisch nur; bei den Übersetzungen hat sich das inzwischen ein wenig abgeschliffen. Da bin ich angekommen, und ich fände es schön, wenn ich mich nicht wieder alle halbe Jahr aufreibe, weil ich nach Höherem strebe. Wieso denn? Die Arbeit, die ich mache, mache ich gut. Ich will nicht auf einem höheren Niveau scheitern, nur weil ich glaubte, ich müsse noch mehr erreichen. Das hier ist schon so viel mehr als ich mir je erhofft habe. Und ja, mir macht es Spaß, historische Liebesromane zu übersetzen. Ich freue mich, wenn ich die Werke einer Autorin übersetze und diese ankündigt, eine Nebenfigur aus einem früheren Roman wird Hauptfigur in einem neuen Roman aus ihrer Feder. Ich mag es, alten Bekannten zu begegnen und neue Freunde zu gewinnen. Ich bin ganz vernarrt in die kleinen Serien, und ich freue mich, wenn ich kleine Verbindungen zwischen den Romanen finde.

So viel wollte ich gar nicht sagen. Außer vielleicht noch: der einzige Grund, warum ich nicht häufiger historische Liebesromane auf englisch lese, ist wohl der, dass ich fürchte, die allesamt dann übersetzen zu wollen, weil ich sie so mag …

Wasserstandsmeldung.

Ja, ja, ich weiß schon. Das Bild hat einen leichten Schlag ins Grüne, aber das passt (der Grund? Ach. Da war’s schon wieder dunkel, und wieder nicht die taghellen Stunden zum Fotografieren genutzt!). Schließlich ist nicht umsonst heute St. Patrick’s Day, da darf auch mal ein bisschen grün. Ich winke deshalb auch dezent in Richtung einer lieben Kollegin, die ganz ermattet ist, weil sie ihr kleines, irisches Völkchen auf der anderen Seite der Welt ordentlich hat leiden lassen.

Mein kleines, irisches Völkchen vermehrt sich indes ungehemmt. Ja, wirklich! Macht aber nichts, die dürfen das. Und ich als Autorin sorge schon dafür, dass die O’Briens nicht ins Kraut schießen. Womit wir auch fast beim Thema wären. Aber nur fast. Denn was ihr da oben seht, ist tatsächlich Wolle, deren Namen ich – vorerst! – nicht verraten werde. Aber ich verrate so viel: sie ist butterweich. Sie ist ein Traum. Sie ist aus 100% Superwash Fine Merino Wool. Natürlich sieht der Kenner, dass das nicht meine Farben sind. Recht hat der Kenner. Aber das hat schon alles seine Richtigkeit.

Auch dass ich immer mal wieder Tage habe, an denen gar nichts läuft, im Sinne von: der Roman zickt! gehört wohl dazu. Heute waren wir aber beide zickig – falls das tröstet – und ich werde jetzt nur noch ein paar Mails beantworten – wen ich vergesse: ich vergesse niemanden! Ich bin nur im Moment so sehr damit beschäftigt, mein irisches Völkchen unglücklich zu machen (und selbst bin ich ganz berauscht von so viel plock-plock-plock, weil die Bauklötzchen nach knapp 500 Seiten brav an ihre Plätze fallen!), dass ich nicht mal Gesundmeldungen, Urlaubsmeldungen, Wasserstandsmeldungen oder sonstwas daneben begriffen kriege. Geschweige denn Bücher zeigen.

Lesen aber, so viel sei verraten, schleicht sich langsam wieder in den Tagesablauf. Herrje! Der alte Zeitfresser!

Endspurtgeschwurbel.

Ich hab das Gefühl, ich befinde mich seit drei Wochen im Endspurt für diese Übersetzung. Nee, kann nicht sein. (könnte daran liegen, dass ich noch eine zweite flugs fertigmachte, gebürstet und geschniegelt zum Verlag geschickt habe.) Jedenfalls: es ist ein Ende abzusehen, zumindest bei diesem Projekt, das mir aber schrecklich gut gefallen hat (gern mehr davon!) und das abzuschließen ich jetzt doch recht froh bin. Vier Seiten nur noch, den Epilog also, den übersetze ich brav heute Abend, anschließend überarbeite ich noch 200 Seiten, gut, das wird wohl morgen erst im Laufe des Vormittags fertig, aber: fertig.

Und dann geht’s weiter. Mit dem nächsten Endspurt, diesmal vier Wochen, diesmal nicht gar so viel Text, aber dafür eine völlig andere Baustelle, und vor allem, das ist das Schlimme: Baustelle. Ich schreib diese Romane wohl doch immer so, im Frühling reiße ich die Baustelle auf, lasse sie im Sommer brachliegen, dass auch ja jeder Passant reinspucken, Müll reinwerfen und meine Erdhügelchen durcheinander bringen kann. Zumindest sieht’s im Frühherbst, wenn ich dann mal wieder Zeit finde, vorbeizugucken, so ähnlich aus, und ehe ich mich dann im Spätherbst (also jetzt!) an die Arbeit machen kann, schiebe ich bestimmt fünfmal Panik (gewisse Kolleginnen können ein Liedchen …) und finde die Baustelle schrecklich.

Aber ab morgen Nachmittag geht’s an die Arbeit, ab dann gilt’s! Und mal ehrlich, ich glaube, daraus kann noch was werden. Ich habe nämlich schon das Manuskript durchgeackert und es allein mit den Anmerkungen um 20% aufgeplustert, was jetzt nicht so negativ gemeint ist, wie es klingt, sondern tatsächlich bedeutet, dass das Baustellengerippe jetzt ein bisschen (lüsternes) Fleisch auf die Rippen bekommt und sich dann hoffentlich schon bald so in mein Herz schleicht, wie es sich gehört. Rechtzeitig, sozusagen, denn dann heißt es schon bald wieder: Abschied nehmen.

Der Stein vom Herzen.

Am Ende dieser Woche scheint vieles leichter, und die Perspektiven sind, ich trau mich gar nicht, es zu gestehen, wunderbar.

Ich durfte mich von einem Übersetzungsprojekt trennen, das mir so unglaublich schwer fiel, dass der Gedanke, mich damit noch rund zwei Monate beschäftigen zu müssen – neben meiner üblichen Arbeit, also dem Schreiben zweier Romane und eines Hörbuchs – einfach nur erschreckt hat. Schlimmer noch, ich kam so schlecht mit dem Buch zurecht, dass ich einfach das Gefühl hatte, nur Mist abzuliefern. Gut, das Problem hat man bei der Arbeit häufiger, aber das sind Phasen, die man überwinden kann. Hier war es keine Phase. Ich konnte nicht mal zwei, drei Seiten vom Buch lesen. Dabei lese ich doch so gerne.

Das Buch und ich passten einfach nicht zusammen. Punkt. Das habe ich meiner Lektorin geschrieben, die mir sofort anbot – neben einer möglichen Verschiebung des Abgabetermins – ich könne die Übersetzung auch zurückgeben.

Ich bin nicht der Typ, der aufgibt. Ich beiße mich nicht bloß durch, ich genieße diesen Kampf. Wenn er gut ist. Aber letztlich siegte die Vernunft. Ich tue dem Buch keinen Gefallen, ich tue mir keinen Gefallen. Und da kam es zur rechten Zeit, dass mir, kaum dass ich den Entschluss gefasst hatte, ein anderes Projekt angeboten wurde. Eines, das ich mir so schon seit langem gewünscht habe. Und jetzt bekomme ich es. Hoffentlich. Denn raus ist da noch nichts.

Aber in der Zwischenzeit habe ich mit der anderen Übersetzung angefangen, die ich hier noch liegen habe. Was soll ich sagen? Keine Probleme. Es liegt nicht am Übersetzen selbst – wie ich eine Zeitlang befürchtet habe – sondern schlicht an diesem Buch und mir. Wir passten einfach nicht zusammen. Aber gut, richtig und wichtig, wenn man das einsieht und eine Alternative geboten bekommt. Halleluja.

Erzählstimmen

Meine Arbeit bringt mit sich, dass ich oft und viel – wenn auch meist nur nebenher – über die Theorie des Erzählens nachdenke. Oder ganz praktisch denke und betrachte, was ich da arbeite. Im Moment beschäftigt mich das Thema Erzählstimmen; es begleitet mich schon länger, weil ich mich ja in unterschiedlichen Genres herumtreibe und außerdem auch übersetze und bei meinen Übersetzungen stets versuche, der Erzählstimme des einzelnen Autors in der Übersetzung gerecht zu werden. Denn genau das ist ja mein Job – nicht Wort-für-Wort zu übersetzen, sondern die Stimmung, die der Autor in seinem Buch entwirft, auch für den deutschen Leser spürbar zu machen.

Jetzt lese ich ein Buch, das ich wohl als nächstes übersetzen werde (noch vor dem Fetischbuch, da beide im November Abgabetermin haben), und ich muss schon sagen, dass es mir schwerfällt, die Erzählstimme herauszuhören. Ich habe selten ein Buch gelesen, zu dem mir der Zugang so schwer fiel. Es ist, wenn das Wort erlaubt ist, bräsig erzählt. Die Erzählstimme ist eher lustlos, und das finde ich gerade bei einem erotischen Roman wirklich problematisch. Eine Herausforderung, dass der deutsche Leser genau das nicht bemerkt. Ich werde mir Mühe geben. Und das Buch mit anderen Augen sehen – nicht mit den Augen eines Lesers, sondern mit den Augen eines Übersetzers. Auch nicht leicht, denn noch immer ist es mir das Größte, zum Vergnügen zu lesen. Aber jetzt ist erstmal wichtig, dieses Buch in präsentabler Form in die deutsche Sprache zu übertragen. Es ist wie eine Auftragsarbeit, die man auch erst im Laufe der Wochen lieben lernt. Es funktioniert. Man muss nicht immer Herzenskinder unter den Fingern haben …

Darf ich vorstellen? Charon IV.

Meine dritte Romanübersetzung, schon seit knapp einem Monat zu haben, seit knapp zwei Wochen auch bei mir eingetrudelt. Befühlt, beschnuppert, betrachtet – und dann der Schreck: Es steht ein anderer Übersetzer drin!

Ich habe mich natürlich riesig geärgert. Habe es an den Verlag gemeldet (damit sie’s wenigstens bei der zweiten Auflage richtig machen, falls es die gibt), und dort hat man sich bei mir entschuldigt. Zu dem Zeitpunkt fand ich’s schon gar nicht mehr so schlimm. Ich weiß, dass ich den Roman übersetzt habe. Es ist nämlich eine hübsche Geschichte, die ich sehr gerne übersetzt habe:

Wie ein dunkles Kreuz ragen die Flügel der Windmühle in den Himmel ein düsterer Vorbote des Todes. Denn eine unheimliche Anschlagserie versetzt die Amish-Gemeinde von Maplecreek in Angst und Schrecken. Die Opfer: ihr unschuldigen Kinder. Ein Fall für die junge Polizistin Kat Lindley: In der ihr völlig fremden Welt ohne Strom, Telefon, Autos und Internet gibt sie sich als Verlobte des Windmühlenbauers Luke Brand aus. Aber je länger sie mit ihm lebt, desto größer wird die Gefahr. Denn Kat gerät selbst ins Fadenkreuz des Täters, der viel näher ist als gedacht. Niemandem wagt sie zu trauen außer Luke. Dabei ist der Tag, an dem sie beide sterben sollen, bereits ausgemacht.

Quelle: Amazon

Das Cover gefällt mir besonders gut. Wie oft beschweren wir uns, dass ein Cover überhaupt nicht zum Inhalt des Buchs passt! Hier ist das anders – es vermittelt nicht nur die leicht düstere Atmosphäre des Romans, sondern scheint auch direkt aus der Welt der Amischen entsprungen zu sein.