Die neu entfachte Liebe.

Entgegen anders lautender Behauptungen, die ich in den letzten zweieinhalb Monaten gerne recht fröhlich mal hier oder anderswo verkündet habe, hänge ich die Schreiberei übrigens nicht an den Nagel.

Ich habe die letzte Woche vor allem damit verbracht, mich durch den Lektoratsdurchgang meines zweiten Neuen für den Frühling 2011 zu peitschen. Der zweite war eigentlich immer der erste, oder auch nicht, ach was, ihr wisst schon, ich hab sie beide lieb. Aber hier war’s eben wieder meine Zeit. Das 12. Jahrhundert, da ist es wieder in mein Bewusstsein gerückt, und ich beginne, nicht nur wegen dieses Lektoratdurchgangs, in den Wohnungsecken Stapel mit Büchern zu bilden. Wird ja auch bald wieder Zeit für ein paar Exposés und einen Blick in die ehrgeizige Datei mit möglichen Projektideen, die ich immer mal erweitert habe, bis ich sie zuletzt gänzlich vergaß. Dachte ich. Und dachte zugleich auch, das hat ja noch Zeit, das ist ja noch nicht so eilig.

Eilig ist es jetzt auch nicht, aber: es gibt da eine neue Entwicklung. Eine Möglichkeit, eine Chance, etwas, das ich sehr, sehr gerne machen würde. Als meine Agentin mich anrief und mir davon erzählte, wär ich ihr am liebsten durchs Telefon gekrochen, an mein Herz, geliebte Agentin, so fühlte ich mich da. Und als ich auflegte und innehielt, da merkte ich es: ich brenne wieder. Historische Stoffe, das Vertiefen in die Recherche, die Liebe für diese Arbeit. Alles wieder da, und plötzlich ist es, als hätt ich nicht seit drei Monaten kein Wort geschrieben. Die Pause war wichtig, sie war richtig, sie war gut.

Aber jetzt schreib ich bittebitte ein paar Ideen auf, die ich rumpeldipumpel im Kopf, im Herz, im Bauch bewege. Natürlich hab ich schon jetzt ein Lieblingskind, das ich sofort losschreiben möchte, aber ich weiß ja, dass es nicht immer so läuft, wie man’s sich erhofft, und ich will nicht enttäuscht sein, wenn’s das nicht wird. Enttäuscht bin ich auch bei jeder anderen Idee, wenn sie nicht genommen wird.

Und so nimmt’s seinen Lauf. So geht es weiter. Die Geschichte ist noch lang nicht zu Ende erzählt, weil immer neue Herausforderungen kommen. Wird Zeit, dass ich euch auf das Kommende einstimme – immerhin ist’s nicht mehr lang bis Januar und Februar. Neue Bücher. Beide meins. Beide Herzenskinder durch und durch.

Hamburg.

Das ist schön hier!

Gestern gab’s unglaublich leckeres Essen in Sichtweite (!) des Mylys, was ich ziemlich gemein finde, wenn man bedenkt, dass wir keine Zeit dafür hatten. Aber die Leute vom Verlag konnten ja nicht wissen, dass mich ein Wollgeschäft in ähnliche Verzückung versetzen kann wie eine Buchhandlung.

Dafür waren dann Essen und Gesellschaft ganz wunderbar, und ich hab mich sehr wohlgefühlt! Besonders schön war, über das Buch zu sprechen. Und zu merken, dass da einige sitzen, die dieses Buch unglaublich gern haben.

Gemein war dann aber wieder, dass alle schon den zweiten Entwurf fürs Cover gesehen haben. Nur ich warte noch. *schnüff* Aber bald gibt’s das endgültige, und dann darf ich’s vielleicht auch hier vorstellen. Hach! Aufregend ist das alles nach wie vor. Sehr sogar.

Und bald geht’s heim, und ich hab leider heute früh noch eine Buchhandlung in Hotelnähe gefunden, die ich natürlich auch leerkaufen musste … egal. Das gehört dazu, wenn ich unterwegs bin. Und nach dem Stress der letzten Wochen sieht’s fast so aus, als könnten die nächsten vier Wochen etwas ruhiger laufen. Nach wie vor hohes Pensum, aber einfacheres Arbeiten. Hurra!

Tse!

Erwähnte ich schon, dass ich nächste Woche nach Hamburg fahre? Bestimmt nicht, und ich weiß aus dem Stand jetzt mindestens (!) vier Leute, die mir morgen empörte Mails schreiben, warum ich das nicht eher gesagt habe, ihnen erzählt ja auch gar niemand was. Und das Muttertier wird anrufen (bitte nicht vor zehn, am besten gar nicht vormittags, ach, ich ruf das Muttertier selbst an!) und wird fragen, wie’s kommt, was läuft und überhaupt.

Also. Das will ich auch gar nicht erzählen. Ich find’s eigentlich recht angenehm, dass ich einfach mal hier reinschreibe, was los ist (okay, abgesehen von den supergeheimen Geheimsachen natürlich), und sofort ist – bis auf wenige Ausnahmen, die ich vermutlich am Daumen abzählen könnte – mein gesamter Bekannten- und Freundeskreis, so er denn will, darüber informiert, was hier so los ist, inklusive Muttertier und Schwestertier, die ja die besten Multiplikatoren in der Familie sind. Ich bin, was das angeht, ein schicker Rohrkrepierer.

Problem ist nur: ich schaff’s ja nicht mal hier, auf dem Laufenden zu bleiben.

Was ich noch erzählen könnte (außer, dass ich nächste Woche nach Hamburg fahre), ist: heute ging eine Übersetzung an den Verlag, man, war das eine dicke Übersetzung, und so viele Geschichten, und puh, bin ich fertig. Damit mir nicht langweilig wird, damit ich vor allem nicht aus der Übung komme, kam heute direkt noch ein neuer, kleiner Übersetzungsauftrag ins Haus geflattert, zwei Geschichten, 40 Seiten, die las ich gemütlich im Café, nachmittags, nachdem ich abgegeben hatte. Und gleich, wenn ich diesen Wortschwall über euch ausgekippt habe, werde ich mich wieder an eine (völlig andere) Übersetzung machen, und an Outremer schreibe ich jetzt auch, das hat aber noch massig Zeit, bis es beim Verlag liegen muss. Jedenfalls: es ist nicht nur ein Kommen und Gehen im Übersetzerwunderland, auch im Bücherregal ist es ein stetes Kommen, und in den letzten Wochen sind hier einige Belegexemplare gekommen, die vorzustellen ich auch noch keine Zeit hatte, ein selbstgeschriebenes, viele übersetzte und eine Lizenzausgabe von rgb1147, die ich leider … naja … ach, ich bin so mäkelig bei Covern, aber zeigen werde ich sie doch noch. (hier erwarte ich mindestens zwei Stimmen, die „na endlich!“ rufen, so ich dann zeige)

Was ich aber eigentlich erzählen wollte, war: wie toll das ist, ein Projekt abzuschließen. Ich bin dann erstmal losgezogen, ein bisschen Suchtprävention betreiben. Ja, genau. Wenn man nicht aufpasst, kauft man nachher so zügellos Bücher, dass es fürs Konto ganz arg böse endet.

Überhaupt ist Bielefeld in Sachen Buchhandlung eine üble Diaspora. Nicht nur darum wollte ich ja ursprünglich nächste Woche nach Regensburg, aber (aufmerksame Leser werden sich erinnern): Regensburg ist nicht wegen Hamburg. Aufgeschoben halt. Regensburg hat ja wenigstens mal eine gute Buchhandlung. Bielefeld gar nicht. Und auch bei Wollgeschäften bin ich ein klitzekleines Bisschen von Düsseldorf verwöhnt. Dennoch gibt’s auch in Bielefeld Alternativen, wenn man aufmerksam sucht. Ein kleiner Ausflug zur Wollstation 1 hat mir immerhin das hier eingebracht.

Und nein. Bei Wolle ist’s wie bei Büchern: kann man nie genug von haben.

Außerdem war das heute die „lasst sie laufen, sie hat was abgegeben“-Belohnung. Und ich verspreche, den Strickcontent hier auf ein Minimum zu reduzieren. Der zieht bald woanders hin.

So. Und da ihr ja jetzt alle alles wisst – was gibt’s bei euch so Neues?!

Das sieht schwer nach Arbeit aus!

Das passiert übrigens, wenn die Akkus in der Tastatur im Laufe des Tages leergeschrieben sind. Das behelfsmäßige Konstrukt aber, das ich mir einfallen ließ, gefiel mir dann recht gut, dass es sich zumindest für die zweite Tageshälfte (die ich mit einem Bein in der anderen Sprache zubringe) durchaus als lohnende Alternative entpuppen könnte.

Das neue Jahr meint es gut mit mir.

Zumindest sorgt es dafür, dass mir nicht langweilig wird. Okay, ehe mir überhaupt mal langweilig wird, muss schon echt wass passieren, denn gewöhnlich bin ich durch Arbeit&Leben schon vollauf ausgelastet. Trotzdem: da soll wohl dieses Jahr noch ein bisschen mehr passieren.

Schön finde ich auch die Entwicklung, dass sich erste Projekte auf den Weg machen, um mir die kommenden elf Monate zu versüßen. So bekam ich gestern ein Buch zugeschickt, das ich eventuell übersetzen werde. (Lust haben wir beide drauf, Lektorin und ich.) Und auch drei kleine Projektlein sind schon in Sack und Tüten geschlüpft.

Und das alles so „nebenher“, während Sagaland wächst und gedeiht. Wir haben uns inzwischen auf ein Pseudonym geeinigt, jetzt geht es um Titel und Cover, aber damit hab ich ja gar nicht sooo viel zu tun, ich bin vor allem mit dem Schreiben befasst. Und auch da erweist sich meine Lektorin als Goldstück. Ihre Anmerkungen sind so kleine Stupser, die meine Kreativität befeuern und heute schon zur Lösung einer Szene führten, die mir in den letzten Tagen einiges Kopfzerbrechen bereitete, weil ich wusste, dass das so nicht funktionierte. (wir wussten es beide.)

Doch, es kann auch mal gut sein, wenn der Schreibprozess so unmittelbar begleitet wird. Und dabei ist das so eine völlig neue Erfahrung, die ich eigentlich gar nicht machen wollte.