Und da behaupte noch mal jemand, wenn ich den ganzen Tag zu Hause hocke, erlebe ich nichts! Heute zum Beispiel, da habe ich den Schneeflocken beim Fallen zugeguckt, und weil das von oben gar nicht so viel aussah, bin ich mal zur Post gelaufen und habe Briefe aufgegeben, und bei der Gelegenheit lief mir Mrs. Aly über den Weg. Wir wohnen jetzt so nah beisammen, dass wir sogar die Post teilen, was ich natürlich sehr praktisch finde.
Ansonsten hieß es vor allem: warten! Auf die Post, auf UPS, auf jemanden, der unser altes Sofa abholt (hat nicht geklappt, kein Wunder bei der Witterung), auf jemanden, der den Wasserzähler abliest.
Der war abenteuerlich drauf, aber nicht in seinem Sinne, sondern eher in meinem. “Die Wasseruhr läuft ja falschrum”, sprach’s, holte ein großes Gerät aus dem Auto (ja, vorbereitet war er auf sowas), setzte es an, baute die Wasseruhr aus, schüttelte sie einmal – also ehrlich, viel mehr hat er nicht gemacht, ich schwör’s! – baute sie auch wieder ein, er verschwand glücklich im Wochenende. Immerhin hatte er einer jungen Frau gezeigt, was für ein tolles Gerät er da den ganzen Tag herumkutschiert.
So. Ich setzte mich ins Arbeitszimmer, wollte eigentlich lesen gehen, wurde aber mal wieder über die Maße von einer virtuellen Unterhaltung gefesselt. Zum Glück, denn im Westflügel hätte ich das sanfte Plock nicht gehört, dem ein sattes Scheppern und ein dezentes Rauschen folgte …
Zum Glück bin ich von Natur aus neugierig und eilte sogleich los, das Geräusch zu lokalisieren.
Die Wasseruhr war aus der Wand gesprungen, und wo die Wasseruhr einst war, ergoss sich ein Schwall Wasser ins Badezimmer, mit Schwung und Karacho. Nicht nur mit Neugier, sondern auch mit Geistesgegenwart gesegnet, drehte ich sofort das Wasser ab, aber passiert war passiert: das Badezimmer schwamm, kein kaltes Wasser im Bad und – um die Sache abzukürzen – auch jetzt, sieben Stunden später noch nicht. Morgen dann vielleicht. Der hilfreiche Installateur, der sich abends um halb zehn unter unser Waschbecken kringelte, musste noch zu zwei weiteren Terminen und versprach, die Sache morgen in Ordnung zu bringen.
So eine Wasseruhr kann übrigens nicht falsch rum laufen, wurde ich bei der Gelegenheit belehrt. Ja, woher soll ich das denn wissen? Ich bin nur ein armes, technikphobes Weibchen, das von solchen Dingen keine Ahnung hat.
Ich vermute, der Ableser hat auch genau das von mir gedacht. Was er aber nicht weiß: ich bin zwar technikphob, aber durchaus in der Lage, so traumatische Erlebnisse angemessen zu verarbeiten. Tja. Freuen wir uns auf den nächsten Roman, in dem ich eine herausploppende Wasseruhr einbauen kann …