Tse!

Erwähnte ich schon, dass ich nächste Woche nach Hamburg fahre? Bestimmt nicht, und ich weiß aus dem Stand jetzt mindestens (!) vier Leute, die mir morgen empörte Mails schreiben, warum ich das nicht eher gesagt habe, ihnen erzählt ja auch gar niemand was. Und das Muttertier wird anrufen (bitte nicht vor zehn, am besten gar nicht vormittags, ach, ich ruf das Muttertier selbst an!) und wird fragen, wie’s kommt, was läuft und überhaupt.

Also. Das will ich auch gar nicht erzählen. Ich find’s eigentlich recht angenehm, dass ich einfach mal hier reinschreibe, was los ist (okay, abgesehen von den supergeheimen Geheimsachen natürlich), und sofort ist – bis auf wenige Ausnahmen, die ich vermutlich am Daumen abzählen könnte – mein gesamter Bekannten- und Freundeskreis, so er denn will, darüber informiert, was hier so los ist, inklusive Muttertier und Schwestertier, die ja die besten Multiplikatoren in der Familie sind. Ich bin, was das angeht, ein schicker Rohrkrepierer.

Problem ist nur: ich schaff’s ja nicht mal hier, auf dem Laufenden zu bleiben.

Was ich noch erzählen könnte (außer, dass ich nächste Woche nach Hamburg fahre), ist: heute ging eine Übersetzung an den Verlag, man, war das eine dicke Übersetzung, und so viele Geschichten, und puh, bin ich fertig. Damit mir nicht langweilig wird, damit ich vor allem nicht aus der Übung komme, kam heute direkt noch ein neuer, kleiner Übersetzungsauftrag ins Haus geflattert, zwei Geschichten, 40 Seiten, die las ich gemütlich im Café, nachmittags, nachdem ich abgegeben hatte. Und gleich, wenn ich diesen Wortschwall über euch ausgekippt habe, werde ich mich wieder an eine (völlig andere) Übersetzung machen, und an Outremer schreibe ich jetzt auch, das hat aber noch massig Zeit, bis es beim Verlag liegen muss. Jedenfalls: es ist nicht nur ein Kommen und Gehen im Übersetzerwunderland, auch im Bücherregal ist es ein stetes Kommen, und in den letzten Wochen sind hier einige Belegexemplare gekommen, die vorzustellen ich auch noch keine Zeit hatte, ein selbstgeschriebenes, viele übersetzte und eine Lizenzausgabe von rgb1147, die ich leider … naja … ach, ich bin so mäkelig bei Covern, aber zeigen werde ich sie doch noch. (hier erwarte ich mindestens zwei Stimmen, die „na endlich!“ rufen, so ich dann zeige)

Was ich aber eigentlich erzählen wollte, war: wie toll das ist, ein Projekt abzuschließen. Ich bin dann erstmal losgezogen, ein bisschen Suchtprävention betreiben. Ja, genau. Wenn man nicht aufpasst, kauft man nachher so zügellos Bücher, dass es fürs Konto ganz arg böse endet.

Überhaupt ist Bielefeld in Sachen Buchhandlung eine üble Diaspora. Nicht nur darum wollte ich ja ursprünglich nächste Woche nach Regensburg, aber (aufmerksame Leser werden sich erinnern): Regensburg ist nicht wegen Hamburg. Aufgeschoben halt. Regensburg hat ja wenigstens mal eine gute Buchhandlung. Bielefeld gar nicht. Und auch bei Wollgeschäften bin ich ein klitzekleines Bisschen von Düsseldorf verwöhnt. Dennoch gibt’s auch in Bielefeld Alternativen, wenn man aufmerksam sucht. Ein kleiner Ausflug zur Wollstation 1 hat mir immerhin das hier eingebracht.

Und nein. Bei Wolle ist’s wie bei Büchern: kann man nie genug von haben.

Außerdem war das heute die „lasst sie laufen, sie hat was abgegeben“-Belohnung. Und ich verspreche, den Strickcontent hier auf ein Minimum zu reduzieren. Der zieht bald woanders hin.

So. Und da ihr ja jetzt alle alles wisst – was gibt’s bei euch so Neues?!

Slow down.

Natürlich arbeite ich noch viel. Aber zwischendurch muss auch hierfür Zeit sein. Man sieht’s noch nicht, aber das wird ein Peacock Feathers Shawl von Fiddlesticks (kein Wunder, dass man nichts sieht, ich hab’s auch nicht so gut fotografiert. Hö.). Ursprünglich wollte ich den aus dem passenden Garn stricken, aber für das hab ich jetzt Anderes im Sinn. Kommt – wie ich mich kenne – auch ziemlich zeitnah auf die Nadeln.

Und jetzt geht auch die Arbeit am nächsten Roman in die heiße Phase. Erstaunlich, wie gut es läuft, wenn man erst die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden hat.

Madame bastelt.

Manche Sachen sind ja wie Schnupfen. Voilà: mein neuer Schnupfen. Maschenmarkierer. Der Sonntagmittag verging da im recht angenehmen Flug, ich saß in der Küche, bastelte, kochte Kaffee, war zufrieden, weil da etwas entstand, und zugleich konnte ich über Sagaland nachdenken. Aber dazu später. Gleich. Ein zweiter Eintrag.

Es ist denkwürdig, das Heute.

Ich hab ja sonst nichts zu tun.

Das macht Spaß, so fisselige Kleinigkeiten zu ersinnen und zu basteln! Und es lenkt die Gedanken auf interessante Bahnen, während ich um das 26. und letzte Kapitel herumdenke. Stand der Dinge: 497 Seiten. Und da letzte Kapitel bei mir gewöhnlich recht kurz werden, lande ich vermutlich irgendwo zwischen 505 und 507. Viel Denkarbeit erledigt, und irgendwie gewaltig zufrieden. Es bleibt natürlich der Bammel vorm Lektorinnenurteil. Aber bisher war sie gut zu diesem Buch und mir.

Und darum sitze ich auch diese Woche abends am Schreibtisch. Und am Wochenende vielleicht auch, denn es ist nicht mehr weit. Und ich freue mich auf diesen Augenblick. Mit weinendem Auge.

Wasserstandsmeldung.

Ja, ja, ich weiß schon. Das Bild hat einen leichten Schlag ins Grüne, aber das passt (der Grund? Ach. Da war’s schon wieder dunkel, und wieder nicht die taghellen Stunden zum Fotografieren genutzt!). Schließlich ist nicht umsonst heute St. Patrick’s Day, da darf auch mal ein bisschen grün. Ich winke deshalb auch dezent in Richtung einer lieben Kollegin, die ganz ermattet ist, weil sie ihr kleines, irisches Völkchen auf der anderen Seite der Welt ordentlich hat leiden lassen.

Mein kleines, irisches Völkchen vermehrt sich indes ungehemmt. Ja, wirklich! Macht aber nichts, die dürfen das. Und ich als Autorin sorge schon dafür, dass die O’Briens nicht ins Kraut schießen. Womit wir auch fast beim Thema wären. Aber nur fast. Denn was ihr da oben seht, ist tatsächlich Wolle, deren Namen ich – vorerst! – nicht verraten werde. Aber ich verrate so viel: sie ist butterweich. Sie ist ein Traum. Sie ist aus 100% Superwash Fine Merino Wool. Natürlich sieht der Kenner, dass das nicht meine Farben sind. Recht hat der Kenner. Aber das hat schon alles seine Richtigkeit.

Auch dass ich immer mal wieder Tage habe, an denen gar nichts läuft, im Sinne von: der Roman zickt! gehört wohl dazu. Heute waren wir aber beide zickig – falls das tröstet – und ich werde jetzt nur noch ein paar Mails beantworten – wen ich vergesse: ich vergesse niemanden! Ich bin nur im Moment so sehr damit beschäftigt, mein irisches Völkchen unglücklich zu machen (und selbst bin ich ganz berauscht von so viel plock-plock-plock, weil die Bauklötzchen nach knapp 500 Seiten brav an ihre Plätze fallen!), dass ich nicht mal Gesundmeldungen, Urlaubsmeldungen, Wasserstandsmeldungen oder sonstwas daneben begriffen kriege. Geschweige denn Bücher zeigen.

Lesen aber, so viel sei verraten, schleicht sich langsam wieder in den Tagesablauf. Herrje! Der alte Zeitfresser!

Bilderflut!

Samstag kam dann endlich, am frühen Abend, was ich schon Freitag erhoffte. Das Fehlen habe ich ja bereits ausgiebig bei Twitter bequengelt, darum lass ich jetzt einfach mal Bilder sprechen. Und ja: das Warten hat eindeutig gelohnt.

teetee Elegant Lacegarn in schönleichtbläulichgrau.

Filcolana New Zealand (entschuldigt, bei der Wolle kann ich doch nicht widerstehen?!) in dunklem Moosgrün.

Dasselbe in … rot. Naja, eher etwas dunkler, auf jeden Fall ein lila Einschlag.

Petrol mon amour! Wieder Folcolana New Zealand.

Ein Lace-Zauberball von Schoppel (weil die so toll sind!) in der Farbe Gebrannte Mandel.

Und jetzt der Luxus. Baby Alpaca von Cascade. Jeweils zwei Stränge je 50 Gramm habe ich mir gegönnt. Flotsum, Abalone und Tortoiseshell.

Alte Leidenschaft neu entfacht.

Und was trifft sich da besser, als die neu erwachte Leidenschaft fürs Stricken von Tüchern mit einem Besuch auf der Handmade in Bielefeld mit neuer Nahrung – sprich Wolle! – zu versorgen? Ich find’s ja immer etwas schwierig, Wolle auszusuchen, wenn ich sie nicht sehen, anfassen, beschnuppern (!) kann, wobei ich aber zugebe, das Schnuppern heute bei Frau WollLust nicht exzessiv betrieben zu haben. Dennoch habe ich ein paar Schätze heimgetragen, die ich vorhin, eh’s völlig dunkel wurde, noch rasch auf unserem Sofa geblitzdingst habe:

Schoppel Zauberbälle Lace in der wunderschönen Farbe Brombeeren. (ich nenn sowas ja pauschal auberginefarben, aber bitte, wenn die Wolledesigner meinen, dürfen sie es auch Brombeeren nennen, mag ich auch.)

Meine Mutter ist zwar mit Gärtlein gesegnet, und es gab da immer viele, viele Fuchsien, aber so orangefarbene hab ich da nie gesehen. Macht nichts. Ich find das Bunte einfach nur genial und bin schon sehr gespannt aufs Strickergebnis.

Das ist doch eindeutig ein petroliger Einschlag, oder? Das hat die Frau Woll-Lust nämlich aus ihrem kleinen Vorrat Evilla-Garn gegriffen und mir einfach so hingehalten. Ich nehme an, sie war durch meine petrolig geprägte Oberbekleidung leicht beeinflusst. Passte!

Dieses Lace ist ja so wunderwunderschön! Es glänzt tatsächlich so, wie’s auf dem Foto aussieht, und weich ist es, aber hallo! Da kann mir also in den kommenden Monaten gar nichts passieren, genug zu stricken hab ich jedenfalls. Und stricken ist eine wunderbare „Ablenkung“, wenn ich schreibe und gerade stocke; statt nur Löcher in die Luft zu starren, stricke ich halt Löcher.

Nightsongs for my heart

Er wächst, und wenn man genau hinschaut, sieht man in der Mitte die fünf Blätter übereinander, links und rechts der Mittelachse. Es werden noch einige mehr, aber der Anfang ist ja gemacht, und überhaupt: der Weg. Die Farbe konnte ich immerhin einigermaßen einfangen, es ist eine Wollmeise Lace Taube in der Intensität Medium (glaube ich), und ich find‘ sie wunderschön.

Erleichterung.

Die letzten Tage brachten in mehrfachem Sinne eine Erleichterung mit sich.

Ich konnte ein Projekt abschließen.

Ein neues Projekt wurde mir angekündigt (das erleichtert auch immer sehr, weil es die Zuversicht gibt, auch 2010 mit dem Job über die Runden zu kommen).

Ich konnte eine Sache abgeben, die ich ursprünglich übernommen hatte, weil ich einfach auch mal was „für alle“ tun wollte. Ist nicht so aufgegangen, wie ich mir das erhofft habe, nein, anders: ich habe nicht gewusst, wie viel in der zweiten Jahreshälfte noch auf mich einstürzt. Und bin froh, dass sich die Angelegenheit so einfach „aus der Welt“ schaffen ließ, wenn’s mir auch leid tut, dass ich es überhaupt übernommen und dadurch Chaos angerichtet habe.

Trotzdem bin ich immer noch müde, bin immer noch erschöpft, zweifle noch immer, ob ich den nächsten Abgabetermin einhalten werde, ja: ich bin unzufrieden mit der Situation. Die Ermüdung der letzten Monate bricht sich immer häufiger Bahn; immer häufiger liege ich erschöpft im Bett oder auf dem Sofa, schlafe mehrere Stunden am Stück und versuche, gegen das anzukämpfen, was sich da in mir einnistet.

Ich bin überarbeitet. Ich hab’s so kommen gesehen. Ich liebe nach wie vor meinen Job, es ist also noch nicht allzu dramatisch, aber ich merke, wie ich jetzt auf mich hören soll. Und das tue ich. Und Freitag flüsterte es in mir: „striiiiicken!“, und ich gehorchte natürlich sofort, ließ alles stehen und liegen (gut, die Kontaktlinsen mussten auch abgeholt werden, war in dem Sinne durchaus günstige Fügung) und marschierte in den nächsten Wolleladen. Die Wolle, die man gerade hat, ist ja eh nie das Richtige, und ich kaufte ein. Und ging heim, schlug einen Pullover an, der kuschelig weich wird, der ein schönes Muster hat, der toll zu stricken ist, kurz: genau das richtige für ein müdes Köpfchen, das nicht allzu groß gefordert werden möchte, das aber bei jeder Form von Unterforderung sofort in die Knie geht und nöhlt. Und ein bisschen kann man schon was sehen.

Wollmeisenschätze!

Ich habe inzwischen mal wieder ein knappes Jahr auf der Lauer gelegen, damit ich endlich wieder Wollmeisenschätze einfangen kann. (ist ja nicht so, dass ich keine hätte, neiiiiin!)

Letzten Freitag also Glück gehabt. Und vor allem Jungsfarben ergattert. Das ist nicht schlimm, denn ich stricke auch für Jungs, und außerdem macht das eh keinen Unterschied, weil der Liebste und ich ähnlich große Füße haben und es zumindest bei den Wollsocken kein „deins“ oder „meins“ gibt. (und nein, ich habe keine großen Füße. Seine sind so klein.)

Da haben wir also von vorne links im Uhrzeigersinn: dreimal Ebenholz (Jungsfarbe!), dreimal Arlene, zweimal Admiral (Jungsfarbe!), zweimal Der letzte Versuch und zweimal Flieder. Das ist sehr dunkel, lila-braun-und-blau-lastig, aber ich find’s klasse. Da hat man auch mal Wolle für größere Projekte. Oder schrecklich viele Socken, je nachdem.

Und das Tollste ist: Ende des Monats fliege ausnahmsweise ich durch die Weltgeschichte – um ein paar Meisen zu fangen. So verrückt muss man erstmal sein.