Erzählkultur in Blogs

Das Wetter macht im Moment keinen Spaß; es klebt auf der Haut und macht müde. Sich mit ihm zu arrangieren, das beschäftigt mich einen Großteil des Tages. Und ansonsten?

Ich denke viel darüber nach, was man wie und wem erzählt in seinem Blog. Für mich ist das Blog über all die Jahre hinweg ein eher privat gehaltenes Tagebuch geblieben, in dem ich hin und wieder (bis sehr selten) meine Fotos zeige, meine Buchbesprechungen einstelle, vor allem aber erzähle, wie es in mir aussieht und wie sich die Dinge für mich entwickeln. Es ist mein kleines Eckchen, in dem ich so ganz ich sein kann. Aber wer glaubt, er könne sich hinsetzen und im Internet einfach mal alles rausschreiben, was ihm so die Seele abklemmt, der irrt ja auch gewaltig. Nichts ist privat? Nichts ist geheim? Da fühlt man sich nackt. Und wenn man’s nicht tut, hat man wohl Glück, weil es gelingt, das Blog anonym zu halten. Dieses Blog ist aber nicht mehr anonym, ein entschiedener Schritt. Darum erzähle ich trotzdem nicht alles, was mir in den Sinn kommt, erst recht nicht. Das, was zu erzählen lohnt, was tiefer geht und was ich gerne Tag um Tag schreiben würde, kann ich weder öffentlich schreiben, noch taugt es für den großen Kreis derer, die meine Verlagsnews in den geschützten Einträgen lesen. Also muss eine neue Lösung her.

Und weil das Plugin wohl noch ein paar Tage braucht (was nicht Schuld des Plugins ist, sondern einfach daran liegt, dass Herr Hith ja auch noch was arbeitet neben seinen zahlreichen Webseitenbaustellen, die er regelmäßig für mich aufmachen muss), werde ich ein neues Passwort vergeben. Und per Mail heute früh an die verschicken, die’s angeht. Das werden nicht viele sein, das werden vor allem und nur Menschen sein, die ich persönlich kenne und die mir wichtig sind. Denen ich gerne mehr erzählen würde.

Es ändert sich ja auch sonst nichts.

„Was Großes stricken“

So kann’s gehen. Wochenlang, nein, irgendwie seit Monaten wollte ich immer nur die kleinen Dinge stricken. Und jetzt soll’s sofort wieder was richtig Großes sein. Seit Tagen schon dieses „Willaber“. Ganz schlimm. Ich weiß nämlich nicht, was es werden soll …

Der Freitag, an dem ich den Urlaub fand.

Das hat mal funktioniert, was ich mir heute so groß vorgenommen hatte. Die Müdigkeit als ständiger Begleiter, aber vor allem ist mir warm, und das verdanke ich diesem Schal, selbstgestrickt, selbstverständlich, und leckere Wollmeise, die mich permanent Leonard Cohens „Suzanne“ summen lässt, denn so heißt die Wolle. Wunderschön, dieser Freitag. Nur ein bisschen nachdenklich, aber: wunderschön.

Donnerstag, langsam Gefühl für Urlaub entwickelnd.

meine mutter fragte mich heute, wann ich zuletzt urlaub gemacht hätte, und ich gab zu, so genau wüsste ich das nicht mehr, bestimmt nicht in den letzten zwei jahren und bestimmt nie so lang. stolz kann ich darauf nicht sein, ich seh’s ein. und mich juckt’s schon wieder in den fingern, darum werden die finger jetzt verpackt, immer noch nicht farbecht, akkus leer, kein blitzen möglich. später dann. ich mag ja keinen blitz.

Reiseproviant.

Juhu, es hat mich erwischt! *ironiemodus off*

Nachdem ich eine Woche den Viren widerstand, die der Liebste hier konsequent verstreute (ich unterstelle ihm aber keine Absicht), hat es mich heute Nacht erwischt. Schnupfen, Halsweh, … tja, sonst nichts. Kalte Füße vielleicht noch, das war’s dann schon. Kalte Füße habe ich eh immer und überall, darauf kommt es nun wirklich nicht an. Packe ich eben noch ein Paar selbstgestrickte Socken ein, überhaupt kein Problem.

Gestern schlug ich noch dieses entzückende Strickstück an. Noch ist es ein unscheinbarer, dreieckiger Lappen – obwohl Wolle von der Wollmeise ja nie unscheinbar ist, und diese Farbe erst recht nicht, mein absoluter Liebling Suzanne – doch schon bald wird es ein Clapotis! Ich gebe zu, ich musste das erstmal ausprobieren. Probeläppchen stricken, Maschen fallen lassen. Wow! Es funktioniert tatsächlich! Und sieht hinreißend aus.

Die Kamera habe ich auch eingepackt, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich sonderlich viele Bilder machen werde. Egal! Es kommt auf die Bilder an, die ich mit heimbringe, nicht auf dem Datenchip, sondern tatsächlich für mich. Darauf freue ich mich. Darum freue ich mich schon so sehr darauf, loszukommen. Und übrigens: kein Reisefieber. Das ist neu.

Beruhigung der Nerven. Sonntagsbeschäftigung.


Ruhig auf dem Sofa zu sitzen – oder auch vor dem zu übersetzenden Manuskript, das ich vorher mindestens zweimal lese – und eine Socke zu stricken, deren Anleitung ich erst vor kurzem verstanden habe, ist irgendwie schon … aufregend. Denn die Wolle (Wollmeise Barista! Blind gekauft! Nicht enttäuscht worden!) ist ein Traum, das Strickmuster (die Firestarter von Yarnissima ebenso. Herrliches Blau, Braun und ein beinahe petroliges Grün machen mich schrecklich glücklich. Und ruhiger. Nachdem ich erstmal die Wickelmaschen verstanden hatte. Herausforderungen abseits der Schreiberei können also auch noch locken.
Dieses Bild gibt einigermaßen farbecht wider, wie die Wollmeisen wirklich aussehen. Wer schon mal eine Wollmeise in der Hand hatte, der weiß, dass es schwierig bis unmöglich ist, die knalligen Schönheiten in Pixel zu bannen. Ich probiere es permanent, lasse nur eine geringe Nachbearbeitung zu – schließlich ist es die Kunst, zu fotografieren und nicht danach sämtliche Photoshop-Filter über ein Bild zu jagen.
Hier musste ich blitzdingsen. Während des Schreibens wurde es dunkel. Wetterleuchten im Süden, das sich hinter den Wolken hält und mich im ersten Moment verwirrte. So genieße ich den Sonntagabend. Strickend, eine Tasse Kaffee dabei, auf Inspiration wartend und hoffend, dass sie noch kommt. Falls nicht, dann nicht. Und überhaupt. Die Socken sind übrigens nicht für mich. Sie werden quasi der Austausch sein, da ich jetzt im Besitz von sehr professionell wirkendem Briefpapier nebst passenden Visitenkarten bin. Herrlich! Da geb ich gerne eine Wollmeise her. Zumal, wenn man in den Hintergrund schaut, da noch ein ganzer, dicker Karton steht. Die letzten beiden Updates waren gut zu mir, und ich habe nun ein gut gefülltes Meisenlager. Außerdem bin ich im Sockclub!

Oh, ich bin so stolz auf mich!

Ich habe heute nicht nur mein Übersetzungspensum geschafft, nein, nein! Ich habe auch eine fast zweistündige, ausgiebige Pause gemacht, habe die Übersetzung für den zweiten Verlag überarbeitet, habe gekocht und auch den Pullunder für den kleinen Wikinger angefangen. Natürlich bin ich wieder viel zu spät, um den Pullunder bis zum Geburtstag am Dienstag fertigzustellen, aber ich bin jetzt immerhin schon beim Vorderteil auf Höhe der Intarsienstrickerei, die ich mir heute Abend vornehmen werde. Und das Schreiben. Und vielleicht erwische ich des Wikingers Mama ja noch im Chat, um Braunschweig zu planen. Eine vorsichtige Packliste könnte ich auch schon mal anfertigen, dann noch die restlichen Vorbereitungen, nein, die verschiebe ich auf morgen, ich will’s mal nicht übertreiben.