Monatsarchiv für Mai 2010
Heiter bis müde.
Lichtblicke braucht jeder Tag. Der heutige hatte schon - ach, die kann ich gar nicht aufzählen! Oder doch: Beim Wollmeisen-Update zugeschlagen (1), Post vom Verlag bekommen - die Vorschau! (2), Post vom Verlag bekommen II - Bücher! (3), die liebe Miss Aly zum Pfannkuchenmittagessen zu Besuch gehabt (4), wir können eine besondere Bestellung abholen (5), und vielleicht werde ich heute Nacht noch mit der Übersetzung fertig (6).
Und so müde kann ich nicht sein, wenn ich den Liebsten morgens wecke, weil sein Wecker nicht klingelt und ich einfach mal so wach werde. Aber es stimmt schon: die letzten zwei Wochen waren hart, trotz Ausflug nach Regensburg, trotz so viel Positivem allenthalben. Manuskriptabgaben schlauchen immer. Ich weiß das, und anders als früher lass ich mich davon nicht mehr so verrückt machen. Es ist hier immer jeder Termin spitz auf Knopf geplant, und wenn ich dann wider Erwarten vier Tage vor Abgabe irgendwie noch mehr Zeit als zu bewältigendes Pensum habe, wird das Tempo automatisch gedrosselt. Kann man gut oder schlecht finden, ich find’s okay. Ich muss mich jetzt nicht hetzen. Jetzt ist die Zeit, sich zu freuen, wieder so ein großes Projekt geschafft zu haben.
Was ich gern länger hätt, das wär diese Gelassenheit. Die gefällt mir gerade ziemlich gut, weil ich nicht ständig darauf lauere, dass irgendwas passiert, und dann passiert’s nämlich einfach, ohne dass ich drauf gelauert habe. Das ist interessant, das ist vor allem toll, weil sich damit auch ein Gefühl von Sicherheit einstellt. Eine Absage trifft mich nicht mehr, ich nehm sie hin, weil’s halt nicht hat sein sollen. Das war vor zwei Jahren anders, aber ich behaupte einfach ganz frecht, dass ich auch in der Beziehung in den vergangenen zwei Jahren hinzugelernt habe.
Wäre ja auch schlimm, wenn nicht.
Schlaf-Wach-Rhythmus.
Ein bisschen anstrengend ist mein aktueller Schlaf-Wach-Rhythmus. So ab halb zwölf (abends, wohlgemerkt!) bin ich so müde, dass ich umkippen möchte und nur hoffe, weich zu fallen. Zugleich aber entwickle ich eine Wachheit, die mich selbst erstaunt, und leider kommt mir zu dieser unchristlichen Zeit dann in den Sinn, was ich mit selbiger anfangen könnte. Die Steuererklärung zum Beispiel, oder die Kurzexposés, die ich einer Lektorin versprochen habe, zu schreiben. Man könnte natürlich noch ein Kapitel übersetzen, Mails beantworten, kurz: alles mögliche machen, um sich vom Schlaf abzuhalten. Ist ja auch bescheuert. Löst das Problem nicht wirklich, dass mein Schlafrhythmus da ist, wo zu dieser Jahreszeit nur Kröten entlang der Fangzäune plumpsen: im Eimer.
Häkeln?
Werte Stricker und Strickerinnen, die ihr euch ja so zahlreich unter meinen Lesern zu tummeln scheint - wie haltet ihr’s mit der Häkelei? Hintergrund der Frage ist (natürlich!) mein stetig sich in alle Richtungen ausbreitendes Sortiment, bei dem ich mir vorstellen könnte, ein paar Sachen für Häkelwütige mit aufzunehmen. (und ich spreche jetzt nicht bloß von den Spülilappen und ähnlichem …) Da ich das Häkeln gerade für mich völlig neu entdeckt habe (und es, zu meiner Überraschung, sehr mag, hätte ich von mir nicht gedacht!), wollte ich mal hören, wie’s da bei euch aussieht.
Die Katze aus dem Sack.
Oder: was ich ab Juli mache.
Einige wissen es schon, weil ich in den letzten zwei Monaten wie ein verrücktes Huhn durch die Gegend hüpfte und jedem, der es hören wollte (und komischerweise: ihr wolltet es alle hören!) erzählt habe, was ich plane. Vielleicht wird’s jetzt auch Zeit, dass ich es quasi - allen ständig hochkochenden Zweifeln zum Trotz - offiziell mache.
Ich eröffne einen Onlineshop für Wolle.
Natürlich musste ich dafür in den letzten Wochen/Monaten viel recherchieren, suchen, vorbereiten und organisieren - und es ist noch lange kein Ende abzusehen. Da ich mir den Driss ersparen will, Anfang Juli alles auf meinen neuen Namen umschreiben zu müssen - mir graut’s schon vor dem, was da ohnehin auf mich zukommt - werde ich das Gewerbe erst dann anmelden - und mit viel Schwung an die Einrichtung gehen, sodass der Wolleshop dann pünktlich im Spätsommer an den Start gehen kann.
Mit meinem Schwerpunkt folge ich vor allen Dingen meinem eigenen Geschmack - was mir gefällt, kommt in den Shop. Das sind hoffentlich viele Sachen, die man bisher noch gar nicht oder nur vereinzelt hier kannte. Und ich werde dort meinen wolligen Content auslagern, sprich: dort werde ich in Zukunft über mein Stricken und Wirken bloggen (das habe ich ja zuletzt hier hoffentlich nicht übertrieben!). Es wird vor allen Dingen Garne fürs Tücherstricken und Sockenstricken geben (oder auch für all die kleinen, schönen Sachen, die man eben gerne strickt), außerdem natürlich (!) Nadeln und viele schöne Kleinigkeiten rund ums Stricken. Dazu kommen dann noch Anleitungen, und und und. Ein ganz besonderes Bonbon wird es Anfang nächsten Jahres geben - ohne da jetzt schon zu viel verraten zu wollen.
Und so habe ich meinen Sonntag über den Preislisten verbracht, zu kalkulieren. Und den blöden Euro zu beschimpfen, der sich gerade nicht so benimmt, wie man sich das wünscht, wenn man in naher Zukunft größere Mengen Wolle in Übersee bestellen möchte. *ts*
[P.S.: Natürlich wird der Wolleshop mich nicht daran hindern können, weiterhin Bücher zu schreiben! Das geb ich so schnell nicht wieder auf.]
“Dreckspatz!”

Auch unter Amseln eher als Schimpfwort zu werten, vermute ich. Aber wie soll man sonst das Kroppzeug aus dem Rasen kriegen? Eben.
Müde. Inspiration.
Manchmal bin ich froh, dass ich fast alles aufhebe. Als ich gestern Abend von dem heimkam, was wir gerne “Caipisause” nennen (obwohl es eher eine Caipi-Chardonnay-GinTonic-Sause war, ähem), war ich angemessen nachdenklich. Ich trug diese Gedanken gestern Nacht mit mir herum, und heute begleiteten sie mich auch durch den Tag.
Dann zog ich aus einem Karton alte Texte. Auf der Suche nach einem ganz bestimmten Text, von dem ich nur drei Seiten fand, immerhin die ersten drei, aber trotzdem, es fehlten in der Version mindestens 75, und gefühlt fehlten 150 Seiten, von denen ich wusste, dass es sie geben musste. Ich spürte, warum mein Zögern ums Herbstbuch in den letzten Tagen in einem Hin und Her aus Euphorie zu Leben erwacht war, obwohl ich frühestens im August mit der eigentlichen Schreibarbeit beginnen würde. (na, sind wir ehrlich: September ist realistischer.)
Diese alten Texte sind mehr als alt: sie sind uralt. Sie stammen aus einer anderen Zeit, und bei mir heißt das, realistisch betrachtet, aus einer Zeit irgendwo zwischen 2003 und 2005. Als der Kampf ums Schreiben noch nicht mit dem Mut geführt wurde, wie ich es heute versuche, sondern eher wütend, widerspenstig, als wollte ich zeigen, dass man auch mit wenig Verfremdung tolle Romane schreiben kann. Entstanden sind so Manuskriptfragmente, die ich zwar nie fertig schrieb, die mir aber immerhin ein Gefühl von “das kannst du irgendwann erzählen, wenn du erwachsen (!) (oder drüber hinweg oder beides) bist”. Ob das nun erwachsen ist, was ich jetzt vorhabe? Also … ja. Weil das, was mir vorschwebt, hat mit den alten Texten wenig gemein. Die alten Texte sind nur eine Erinnerung daran, dass ich auch so schreiben kann. Also versuche ich es mal. Ab September dann.
Das Lied der Sonnenfänger.
Jetzt darf ich’s auch offiziell vorstellen, und obwohl wir noch alle bis Januar (!) warten müssen, bis es in den Läden liegt, möchte ich es doch zeigen, zeigen, zeigen. Das Cover von Sagaland, das hiermit auch seinen offiziellen Titel erhält.

(und mehr möcht ich gar nicht sagen, weil ich so hingerissen bin.)
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Samstagabend.
Seit Montag haben wir endlich den großen Tisch in der Küche. Ich liebe ihn! Endlich Platz! Endlich kann ich wieder in der Küche sitzen und schreiben, in Reichweite des Kühlschranks und meiner Weinvorräte! (und ehrlich: wer unsere Wohnung und die Lage von Küche und meinem Arbeitszimmer kennt, wird verstehen, was ich meine!)
Hier also: Samstagabend, mein Manuskript und ich. In den letzten Tagen eher mies gelaunt, hat mich doch gestern etwas Wunderschönes aus dem Loch zumindest herauskitzeln können; und so langsam geht’s mir ja auch besser. Ich arbeite, das ist immer ein gutes Zeichen.

