Fiebrig erkältet, juchhe!

Also, ich bin ja selten krank. Eigentlich nie so richtig. Also nie so, dass ich sage: huch, ich bin wohl krank. Sondern eher, dass ich auf verdammt hohem Niveau ein bisschen rumnöle, aber im Grunde doch alles schick ist.

Ja, bis Freitag, so ungefähr. Freitag fing es damit an, dass ich mich nur aus dem Bett rollen konnte. Der Rücken schmerzte, und so ein paar andere Knochen auch beim Durchzählen. Also dachte ich, frühstücken gehen ist erstmal eine gute Idee. Spontan. Was ja auch funktionierte. Danach kam ich nicht so recht in den Tritt, der Tag war für die Socken. Passiert, dachte ich. Morgen wird’s besser, dachte ich.

Samstag wachte ich – wie berichtet – angenehm früh auf und machte schon vor normaler Aufstehzeit so lustige Sachen wie Buchhaltung. Kinners, war das schön! Einkaufen gewesen, versucht zu arbeiten – das war weniger schön, es blieb beim Versuch. Egal. Kommt vor. Muss wohl so sein. Dass ich abends dreimal nieste und ein Kratzen im Hals hatte, schob ich auf alles mögliche, aber eine aufziehende Erkältung? Bewahre!

Gestern dann der Weg in die Abgründe einer fiebrigen Erkältung. Ich mach’s kurz; abends nach dem Besuch beim Muttertier (TAFELSPITZ!!!) legte ich mich aufs Sofa und stand nur auf, um ins Bett zu wechseln. Das einzige, was ich gestern konnte, war schwitzen, frieren und leise vor mich hin fiebern. (und ja, ihr lacht jetzt. Aber ich FIEBERE NICHT. 37,0 °C ist für mich schon dramatisch, weil ich mich da schon fiebrig fühle.) Heute Früh fühlte ich mich wieder besser. Hüpfte aus dem Bett, wuselte herum und packte Wolle. Die Quittung gab’s heute Mittag: Fieber, Frösteln, Schwitzen.

Manchmal ist es scheiße, Freiberufler zu sein. Dann nämlich, wenn man krank auf dem Sofa hockt und die Arbeit genau rufen hört. Ach seufz!

Aber heute ging das gut. Ich saß brav auf dem Sofa, guckte Serie und las ein halbes Buch. Das ging nämlich ganz gut. Arbeiten ging gar nicht. Macht nix. Kein Drama.

Boah.
Hätt mir das einer vor einem Jahr gesagt, dass ich das irgendwann mal lerne … boah. Hätt ich auch nicht für möglich gehalten. Man wird halt erwachsen und ist irgendwann auch mal gut zu sich.

(aber morgen will ich wieder arbeiten dürfen, woll?! *aufstampf*)

4:27

Wem diese Uhrzeit menschlich vorkommt, dem sei gesagt: ist sie auch.
Irgendwie.
Dann zum Beispiel, wenn man den Vortag großteils im Bett vertrödelt hat, weil der Körper mal wieder meinte, die Notbremse ziehen zu können, wäre doch mal eine schicke Abwechslung nach zwei Wochen Volldampf. Was ja okay ist, aber: könnte der das nicht vorher ankündigen?!
Heute also fiel ich um halb fünf aus dem Bett, der erste Kaffee schmeckte bäh, und die Arbeit dafür umso besser. Rasch fand ich in meinen Rhythmus, rasch schrieb ich mit viel Schwung Zahlenkolonnen nebeneinander, bis ich eine ordentliche Masse beisammen hatte und fand, das sei für den Anfang genug. Es folgten Küche aufräumen, frühstücken, der zweite Kaffee (wie im Himmel!), Mails schreiben, mit der liebsten Freundin whatsappen und lesen. Zwischendurch mögen mir die Augen noch mal zugefallen sein, geschenkt. Der unbestreitbare Vorteil ist, dass man morgens um halb zehn schon das Gefühl hat, einen ganzen Tag hinter sich, aber ebenso noch einen ganzen Tag vor sich zu haben.
Traum-haft.
Und wie viel Zeit man plötzlich ungestraft vertrödeln kann, weil man sie einfach hat!
Ich würde ohnehin, wenn ich es besser könnte, meine Kernarbeitszeit auf drei Uhr morgens bis sieben Uhr morgens verlegen. Nicht Nachtigall, nicht Lerche, sondern irgendwas dazwischen.

Ich hab mir Halt gesucht, Unterstützung. Vernunftbegabte Menschen, die mich an die Hand nehmen, einfach nur die Hand halten, wenn ich glaub, es geht nicht mehr. Dann kann ich doch noch einen Schritt machen.
Und ich höre immer wieder: “Das ist zu viel, lass dir das nicht aufbürden.” Dann nicke ich ganz brav. Versprochen. Ich lasse es mir nicht aufbürden.

Heute früh mit Schmerzen aus dem Bett. Man horcht ja so ganz anders in den Körper rein, aber der Schmerz verging ganz schnell und verflog wie die Müdigkeit. (die nachmittags zurückkam, aber man kann ja nicht alles.) Darum spontan eine SMS an die Freundin, das Frühstücksdate von letzter Woche nachholen. Spontan klappt plötzlich, wir saßen keine zwei Stunden später beisammen, Mädchenmorgen über den Dächern der Stadt, und ich durfte all mein Leid vor ihre Füße kippen, und sie sortierte sorgfältig aus. Sie bestärkte mich, dass ich mich nicht verrücktmachen brauche. Was ich ja nicht tue.

Bemerkenswert: auf dem Rückweg beim Buchhändler kein Buch gekauft. Aber da gab’s Rowohltnovis und mein Taschenbuch stand nicht dabei. Ich armes, jammeriges Wesen. Schluchz!

Aufgeräumte Stimmung.

Die rechten Worte fehlen, wie so oft. Aber so viel immerhin: am Wochenende überkam mich die große Aufräumwut; erst die ganze Wohnung geputzt und aufgeräumt. Sonntag dann noch das Arbeitszimmer neu strukturiert; lang war’s nötig, und gut fühlt’s sich jetzt an. Und während ich jetzt arbeite, bin ich ganz still und friedlich. Ich ziehe mich von Fronten zurück, die ich zuletzt gefühlt jahrelang vergebens nicht bekämpft, wohl aber aufrecht erhalten habe. Andererseits geh ich wieder hinaus. Treffe mehr Verabredungen in einer Woche als zuvor in einem oder zwei Monaten. Was mir eindeutig sehr gut tut, weil ich den Kontakt zu den lieben Menschen zuletzt vernachlässigt habe und ihn jetzt wieder brauche. Menschen, verflixt!

Ich bin des Kämpfens müde. Und darum lass ich’s einfach. Was das mit mir macht, ist erstaunlich. Ich will nicht von Gleichgültigkeit reden, weil ich nie irgendwo gleichgültig sein könnte; wäre ich das, hätt’ ich gepflegt meinen Beruf verfehlt. Aber ich erkenne, dass ich nichts tun muss im Moment. Ich kann es einfach geschehen lassen, ob nun was passiert oder nicht. Ich habe alles, was ich bin, ins Spiel geworfen. Wenn ich keine Resonanz spüre, liegt das jetzt nicht mehr an mir.

Morgen wieder so ein schöner Tag mit viel Arbeit, hoffentlich wieder mit Sport (fest vorgenommen hab ich’s mir jedenfalls …), ein Tag ganz anders als noch vor einer Woche. Irgendwie ist der Platz, den ich in der Wohnung geschaffen habe, der Platz in meinem Leben … befreiend. Ich atme auf. Tatsächlich also gibt es das, diese aufgeräumte Stimmung. Und vermutlich ist es das beste, nicht allzu sehr darüber nachzudenken, sondern es einfach geschehen zu lassen.

Ich kann’s.

Wie oft steh ich da mit meiner spröden, dünnen Haut, stampfe beide Füße fest in den Boden und verkünde, dass ich es nicht kann? Zuletzt gestern Nachmittag. Und dann heute wieder.

Spröde, so beschrieb ich mich. Vielleicht ist es wirklich so: Spröde. Es beschreibt ziemlich gut, wie es in mir aussieht. Und doch auch nicht wieder so recht, denn: hält. Ich zerbreche nicht, im Gegenteil. Dieser spröde Panzer ist im Moment das Einzige, was mich bewahrt, und es ist tausendmal besser als alles, was ich bisher an Schutz bekommen hab. Es ist so ganz und gar mein eigen, und irgendwie macht mich das stolz.

Zuletzt war ich ständig versucht, mich zu weigern, mit eben diesem Argument: ich kann’s nicht. Manchmal kann ich es tatsächlich nicht. (mich bis zur Selbstaufgabe verbiegen zum Beispiel.) An anderer Stelle ist es dann wieder ganz einfach. Die Arbeit ist ein Lebensbereich, der mich spiegelt wie kaum ein anderer. Wenn ich “gut drauf” bin, kann ich meine Arbeit machen. Wenn nicht, dann ist jedes Wort eine Quälerei, und ich ziehe durch die Gegend und möchte am Liebsten alles hinknallen, am liebsten mit so viel Schwung, dass nicht nur alles zerschellt, sondern ich gleich mit. (Phasen. Tage. Stunden. Aber ach! Ich denk immer, dass es das größte Elend der Welt ist, bis ich’s überstanden hab.)

Und dann sitze ich doch am Schreibtisch. Starte das Schreibprogramm und tippe los. Sitze Menschen gegenüber und rede. Schreibe Mails, verabrede mich, lege Termine fest, vor denen ich mich insgeheim fürchte. Mein einziger Schutz diese dünne, spröde Hülle, von der ich immer fürchtete, sie werde irgendwann zerbrechen, einfach so.

Es geht. Nichts passiert. Ich kann’s.
Ich hab das Leben nicht verlernt.

Kräuter, Honig. Karotten, Zuckerguss.

Das die Zutaten für ein Kaffeedate, das keines ist. Abgehalten heute an bekanntem Ort, mit bekannter Besetzung. Mittwochs, am späten Nachmittag. Wenn man schon merkt, dass der Tag fast verloren ist, und weiß, dass er noch ganz gewonnen wird, wenn man’s nur klug anstellt.

Und seit Wochen war ich wieder unterwegs, traf mich mit einer wunderbaren Freundin am vertrauten Ort, und wir saßen beisammen.

Zwischendurch hab ich einmal fast losgeweint, einfach so. Ich weiß gar nicht, ob sie das bemerkt hat, aber mitten im Gespräch musste ich mich ganz schnell von diesem Thema entfernen, weil es so wehtat. Weil es ein wichtiges Thema ist, eines, das mich immer sehr bewegt, mit dem ich aber so überhaupt nicht klarkomme. So wenig, dass ich da immer und immer wieder versuche, irgendwie an den Punkt zu gelangen, dass ich nicht nur verstehe, sondern auch endlich weiß, was das Richtige für mich ist in dieser Situation.

Ich hab nicht geweint. Darüber bin ich inzwischen hinaus. Ich hab an meinen Sachen rumgenestelt, ihr meine Jacke gereicht und die Tasche unter den Tisch geschoben. Mich beschäftigt, damit ich gar nicht die Chance habe, meinen Peinlichkeiten noch eins draufzusetzen. (in Peinlichkeiten bin ich groß.)

Stattdessen taumle ich. Und zaudere, und stehe da, wo ich seit Jahren stehe und kämpfe. Jawohl, ich kämpfe, und puh, so richtig bin ich keine gute Kämpferin, ich bin nur so eine Kategorie gehtso. Jedenfalls komme ich mir in diesem Stück Leben so vor. Und ich bin’s auch müde, weiter kämpfen zu müssen.

“Und was willst du dann machen?”

Nicht kämpfen? Das konnte ich nie. Irgendwas in mir ist immer drauf aus, sich zu wehren, gegen alles, was so falsch läuft in diesem Leben, die großen wie die kleinen Dinge. Kleine Dinge kann man auch mal verlorengeben. Die großen? Niemals. Immer die Ziele vor Augen, immer drauf zusteuern, jeden Rückschlag einstecken, einfach weiter. Unermüdlich.

“Vielleicht kämpfe ich einfach nicht mehr. Vielleicht lasse ich geschehen, was wohl geschehen soll.”

Das ist einerseits sehr bitter; andererseits bin ich jetzt soweit, dass ich bereit bin, es so zu nehmen, wie es kommt.

Die kleinen Freiheiten.

Gestern Abend. Nach ein paar stressigen Wochen hatte ich nicht nur einen Roman, sondern auch eine Übersetzung beim Verlag – also bei zwei verschiedenen Verlagen – abgeliefert. Sitze gemütlich beim Liebsten im Zimmer, er spielt seine Wirtschaftssimulation, ich lese auf meinem “immer und überall dabei”-Lesegerät, dessen Namen hier nicht genannt wird.

Ich war entspannt, rechtschaffen müde vom Abgabestress und zufrieden mit mir und dem Geleisteten. Ich hatte mir sogar ein paar Tage frei verdient.

Irgendwann frug er ganz unschuldig, was ich denn da lese, das sieht man ja nicht, wenn ich Lesegerät lese.

Ich so: “Das übernächste Buch.”

“Welches übernächste Buch?”

Das, welches ich als übernächstes zu übersetzen habe, gab ich dann zerknirscht zu. Er lachte. Er schimpfte auch ein bisschen mit mir, und er konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, als ich später, weit nach Mitternacht, mit einem dicken Fachbuch ins Bett ging. “Was ist das nun wieder?”

Recherchematerial. Für das Buch, das ich in den nächsten Monaten schreiben werde.

Aber komisch: die kleine Freiheit ist, dass ich nichts davon machen musste und beides unbedingt machen wollte. Scheine ich bei meiner Berufswahl doch nicht alles falsch gemacht zu haben. ♥