Es geht tatsächlich nicht so weiter.

Sonntag und gestern war ich in Hamburg. Habe erst aus den Feuerfalken gelesen und dann noch ein bisschen Zeit gehabt für dies und das und viel Gespräch mit einem wunderbaren Menschen. Nennen wir sie der Einfachheit halber die Elster, was ich gar nicht despektierlich meine.

Die Elster hat mich begleitet in diesen zwei Tagen Hamburg. War ja sowieso schon der Wahnsinn der Ungeschicklichkeit: Das Telefon im Kofferraum (!) liegen gelassen, nix dabei, alles blöd.

Vonwegen.

Ohne mein Telefon war ich plötzlich ganz locker. Sehr entspannt. Tausendmal entspannter, als ich es mit gewesen wäre. (nur dass ich nicht ständig auf die Uhr gucken konnte, nervte, aber auch konsequent und richtig: die Zeit ließ sich Zeit.)

Gestern Abend dann kam ich heim, richtete mich ein, diesdasjenes. Wieder vereint mit dem Telefon, wieder vereint mit einer Flut an Mails, Forderungen, Wünschen. Und ich merkte: das geht nicht. Ich kann nicht. Und, was vermutlich noch viel wichtiger ist:

Ich will nicht mehr.
Ich will so nicht weitermachen, weil es nicht mir entspricht. Das bin ich nicht. Ich bin die, die den ganzen Tag daheim sitzt und ihre Bücher schreibt und ihre Bücher übersetzt. Und damit so dermaßen glücklich und zufrieden ist, dass es quietscht. Ich bin die, der das sogar genügt.

Ich muss niemandem etwas beweisen. Doch; ich glaubte, ich müsse es mir beweisen, und habe das sehr eindrücklich getan. Nur um jetzt auf der Bremse zu stehen, weil ich schlicht und ergreifend nicht mehr kann. Ich bin mir selbst so verdammt fremd inzwischen.

Ich ändere jetzt was. Es hat mich zwei Wochen angestrengtes Überlegen und Hadern gekostet, aber es wird sich ändern. Manche Kapitel schreibt man neu, schlägt sie auf, und irgendwann ist es auch Zeit, sie zu schließen. Jetzt zum Beispiel schließe ich ein Kapitel. War schön, wäre toll, wenn es noch weiter so bleiben könnte, aber im Moment sehe ich das nicht. Im Moment ist es für mich zu Ende.

“Ich freu mich so!”

Sprach die liebste Mrs. Aly gestern und hakte sich bei mir unter.

“Wieso?”
Ich war so ganz und gar ahnungslos.
“Dass du wieder so gut drauf bist.”

Ach. Ach, ja!
Stimmt, es ging mir dann doch spürbar besser, nachdem ich es quasi schriftlich hatte, dass ich das bin, was wir hier so gern als “pumperlgesund” bezeichnen. Alles wunderbar, alles bestens. Irgendwie konnte auch die Müdigkeit, die mich heute ausgiebig von der Arbeit abhalten wollte, nix gegen meine gute Laune ausrichten. Ich habe mich gestern in einem Anflug von Leichtsinn zu einem klitzekleinen Buchkaufrausch hinreißen lassen (das auch noch!), es geht mir gut, und Müdigkeit ließe sich ja wegschlafen, wenn mein Körper bereit wäre, mal mehr als fünf Stunden zu schlafen. Worum ich herzlich bitten möchte für heute Nacht. Danke.

Und auch sonst: was früher immer das größte, beste, allerschönste war (Erscheinungstermin eines Buchs), hat auch jetzt seinen Zauber nicht einzubüßen vermocht. Weshalb ich eigentlich schon seit zwei Wochen nur aufgeregt durch die Bude hüpfe wie ein Flummi auf Speed, denn: ich hab schon einen Feuerfalken!

Und jede Krise, die man in all den Wochen und Monaten mit diesem Buch durchlitten und jeder Kampf, den man gegen dieses Buch bestritten hat, all das verblasst. Denn es ist da, ich kann es aufblättern, ich kann daran schnuppern und kann mich wieder darüber wundern. (“Wie, das hab ich geschrieben? Famos!”)

Und so geht sie dahin, die Zeit. Und ja, ich schrieb, etwas müsse sich ändern, und hab vor allem gemerkt, dass ich mich ändern möchte. Dass ich ruhiger werden möchte (woran ich jeden Tag arbeite) und nicht mehr fremdbestimmt sein möchte (was nicht ganz so leicht ist, leider). Ich versuch’s weiterhin. Irgendwie. Scheitern kann ich immer noch. Schlimmer wäre ja, es gar nicht erst versucht zu haben.

Gebrauchte Tage.

Im Moment werden die Tage schon gebraucht bei mir abgelegt, was ich sehr lästig finde, weil ich mich auch ganz schön abgenuffelt empfinde. Was dann dazu führt, dass der Tag und ich nicht so recht Freunde werden. Was dann noch lästiger ist, wenn man wieder so “unheimlich viel zu tun!” hat.

Weshalb ich tagsüber gerne mal ein, zwei Stündchen schlafe. Um den Nachtschlaf nachzuholen, den fiesen Gesellen, der sich immer heimlich davonstiehlt, wenn ich ihn grad so gut brauchen könnte. Und das führt natürlich zwangsläufig dazu, dass ich mich wieder so … ah. Ihr wisst schon. Nicht gut fühle.

Aber! Ich klage nicht. Das klappt alles. Ist nur eine Frage der Einstellung, und die ist im Moment eher im Bereich “so what?” angesiedelt und weniger in jenem, wo ich mein bedauernswertes Schicksal beklage, weil ich nicht so zum Arbeiten komme, wie ich gerne will. Oder, um es mal anders zu formulieren: die läuft ja nicht weg, die Arbeit. Im Gegenteil. Sie läuft mir brav zu, sobald ich was weggearbeitet habe.

Alles fein. Und wir genießen einfach das lange Wochenende. Nur die Kälte nervt mich ein bisschen, weshalb ich (a) mich nicht zum Laufen aufraffen kann (böse!) und (b) dem Cardiganstrickwahn verfallen bin. (nichtso böse!) Man kann nicht alles haben. Aber man kann gebrauchte Tage nehmen und Limonade draus machen.