Das Bloggen kommt zu kurz.

Der gestrige Tag war der erste seit ziemlich langer Zeit, an dem ich überhaupt nicht gearbeitet habe. Wie denn auch! Ständig rappelten Telefon und Handy, meine Mailfächer waren voll bis Oberkante Irgendwas, ich musste Bücher kaufen gehen und abends waren wir essen. Schnauf! Älterwerden tut gar nicht weh, es ist nur anstrengend. Kann man sich auch nur einmal im Jahr geben.

Jedenfalls: seid bedankt, ihr Lieben!

Bloggen kommt zu kurz, aber nicht seit gestern. Früher, damals also, da hab ich viel mehr Zeit damit verbracht, lange Einträge zu schreiben - und auch kurze - die den Tag durchzogen und den Flickenteppich irgendwie lebendiger machten. Heute ist das anders. Heute fehlt mir irgendwie der Mut, über jede kleine Regung, die mich im freiberuflichen Leben nun mal trifft, zu schreiben. Das ist ein bisschen, als würde ich zwar voller Schwung leben, aber bremse mich, wenn ich darüber erzähle. Das glaubt ja auch kein Mensch. Doch, ihr glaubt’s alle, und das finde ich total süß, ich muss mich nämlich ständig kneifen, weil ich das so unglaublich finde. So. So sieht’s nämlich aus.

Aber es bleibt nicht nur auf der Strecke, weil ich nicht jeden Tag fünfmal drüber schreiben will, wie anstrengend dieser Job ist und wie sehr ich ihn trotzdem liebe. Jawohl! Ich hadere mit mir und meinem Anspruch, ich ringe mit meinen Texten und denen anderer Leute, ich bin nach diesen Arbeitstagen immer halb tot (und fühle mich ganz tot an den Tagen, an denen nichts voran ging), aber zugleich fehlen mir hier, ausgerechnet hier die Worte. Es ist, als gehörte auch die Arbeitswelt jetzt in mein Privatleben. Vielleicht tut’s das auch, aber dieses Blog ist ja schon immer sehr persönlich gewesen, ohne persönlich zu werden, und das gefiel mir daran. Ich hab das Gefühl, nicht so allein zu sein. Bin ich eh nicht, aber es hilft auch gegen das Gefühl.

Und jetzt kehre ich zurück an die Arbeit. Koche mir noch einen Kaffee, überarbeite das Exposé für die “Römerin” und werde das für “Byzanz” zum ersten Mal an einem Leser testen. Vielleicht kann ich dann nächste Woche schon den nächsten Schritt tun. Für mein Pseudonym diesmal. Und ich hoffe, es wird was. Ich hoffe das sehr, denn ich mag beide Geschichten, ich mag den Verlag und ich mag dieses Zusammenspiel, das sich ergeben hat.

Vielleicht erfahre ich dann in der nächsten Woche ja auch was zum nächsten Übersetzungsprojekt. Das eigentlich zu mir kommt, aber ich bin auch nicht böse, wenn es nicht kommt, denn für die letzten Monate dieses Jahr habe ich mehr als genug zu tun. Viel mehr als genug. Da wär die Übersetzung nur ein Zuckerl unter vielen.

Am Sonntag, den 7. September 2008 um 16:55 einsortiert unter: feels like home
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2 Kommentare:

  1. Liebe jule,
    es ist doch völlig okay, wenn man nicht ständig was zu schreiben hat und wie du ja auch schon selbst sagst, deine Leser verstehen das bestimmt. Ich jedenfalls tu´s ;-)

  2. [...] Das Bloggen fängt wohl ganz am Anfang an, das hört sich zwar komisch an, ist aber so. Wer beginnt, Weblogs zu schreiben, hat nicht immer denselben Grund, wie andere. In erster Linie, will der Blogger sich mitteilen, kommunizieren. Vielleicht über ein Thema oder mehrere Themenbereiche, in denen er seine Leidenschaft sieht, wie seine Familie, seine Arbeit oder manchmal auch, weil ihn ein Gebiet einfach interresiert und er eine Meinung dazu abgeben möchte. Bloggen muss Spaß machen, sonst hat es keinen Sinn. Wenn man sich dauernd quälen muss, worüber schreibe ich heute, worüber schreibe ich morgen oder nächste Woche? All das ist Sinnlos, denn nur leidenschaftliches Schreiben, kann die Leser auch begeistern. Es ist wohl, von keinem Blogger, der Wunsch, dass die Leser sich beim lesen langweilen oder gar einschlafen. Wenn man ein kleiner Spezialist in Sachen Wortspiel ist, kommen die Texte garantiert gut an. Gute Blogger schreiben aus dem Herzen, lustlose Blogger mit der Tastatur. Gute Blogger können es kaum abwarten, den nächsten Blog zu schreiben, weil sie mit anderen Dingen beschäftigt werden oder sind. Ein lustloser Blogger, ist froh, wenn es mal wieder geschafft hat, einen Blog Beitrag zu schreiben. [...]