Adoption bei der Wohnungssuche.
“Sie müssten dann den Hof fegen, denn bei uns ist das so geregelt, das Erdgeschoss putzt den Keller mit, das zweite Obergeschoss den Trockenboden. Das erste Obergeschoss ist für den Hof zuständig.”
Wir sitzen in einem dieser typischen Großelternwohnzimmer mit riesigem, massivem Bücherschrank, in dem Clubausgaben aus den Siebzigern stehen, mit Sofa und zwei Sessel, mit Eiche rustikal durch und durch, während uns der potentielle Vermieter erzählt, was denn unsere Pflichten sind. Was sehr schwierig ist, denn erstens ist er schwerhörig und zweitens geht seine Frau immer dazwischen, zum Beispiel mit Sätzen wie:
“Aber das ist ja gar nicht so schlimm, denn der Wind geht ja auch mal ums ganze Haus rum und dann sammelt sich das Laub in einer Ecke.”
Ich pflichte ihr bei und frage mich, wann die beiden wohl die Adoptionsantrag aus der Tasche ziehen, denn so verhalten sie sich. Eine Tochter haben sie und einen Schwiegersohn, aber der ist ja für sie wie ein Sohn, und einen Enkel und eine Enkelin, der Enkel studiert Sport und BWL in Paderborn, eigentlich wollte er ja Mathe auf Lehramt studieren, aber wie’s so ist, und jetzt eben BWL und Sport. Wir finden das allesamt sehr spannend, wir nicken, die Angst bleibt aber, dass wir in diesem plüschtiefen Sofa gleich steckenbleiben, und A.s Bruder ist auch keine große Hilfe, ihn haben sie sich auch gleich einverleibt, dabei hat er uns nur hergefahren, weil wir mit dem Zug angereist sind. In seinem Blick sehe ich Panik.
“Bisher hat’s ja auch noch nicht geklappt mit einem neuen Mieter, wir hatten ja schon ein paar hier, die uns recht gut passten, aber …” Ich nicke weiter, und ich finde, das kann ich ganz gut, dieses Nicken und das Freundlichsein, dabei würde ich den beiden gerne erklären, wieso sie keine Nachmieter finden für die beiden jungen Männer, die vorher in der Wohnung wohnten (wie sie das sagen kann “da haben vorher ja zwei junge Männer gewohnt”, das übrigens ist für mich ein Highlight, bei dem ich kaum ernst bleiben kann), denn Mieter suchen meist eine Wohnung und keine Familie, aber Familienanschluss ist hier nicht nur garantiert, sondern auch Pflicht, den Flur muss man ja auch putzen, zumindest den eigenen Bereich, und da weiß man ja schon, kaum putzt man den Flur, kriegt man Gesellschaft und eine Unterhaltung aufgedrängt, und beim Hoffegen wird’s nicht anders sein. Grad’ auch, wenn man’s nicht richtig macht.
Wir verabschieden uns, “leider, leider” müssen wir schon los, es steht noch ein Termin an, aber wir versprechen, uns auf jeden Fall zu melden. Der Umzugswagen vom Vormieter hat den kleinen Roten ein bisschen zugeparkt, aber A. und ich winken B. raus, und das Ganze beobachten die beiden Alten von ihrem Balkon. Zum Abschied winke ich, dann sind wir weg. Und kommen ganz bestimmt nicht wieder.
Dabei war die Wohnung gar nicht so schlecht.
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Örghs…. auf sowas kann man gut verzichten, finde ich.
Wie gut, daß wir jetzt ein Haus haben und uns um allen Kram selbst kümmern müssen dürfen
LG dalasse, ich denk an die Bestellung, brüte aber noch
Caia
Och, klingt doch herzig. :-D
:weglach:
Haha, bei mir meldete sich ‘mal eine Dame auf’n Flyer, die eine zweigeschossige Wohnung hatte, was in einem Altbau echt unüblich ist, ich könne den unteren Teil haben, aber sie müsse da immer durch, weil da noch irgendwo ihr Computerplatz wäre. Und Katzen würden mir doch nichts ausmachen … alles klar.