Den Markt kennen.

(und ihm etwas anderes bieten.)

Als Schriftstellerin, nebenher Übersetzerin, ehemalige Buchhändlerin und (schon immer) passionierte Leserin stecke ich in einem schicken Dilemma. Ich kenne den Markt (das ist die Buchhändlerin in mir), ich will beim Lesen immer unterhalten werden (die Leserin), bei Büchern aus dem Englischen reagiere ich empfindlich auf sprachliche Umsetzungen (die Übersetzerin), und als Schriftstellerin möchte ich mich am allerliebsten von alledem lösen und bloß meine eigenen Geschichten erzählen. Was nicht so einfach ist, weil ich nach wie vor den Markt beobachte und ihm vorausspüren möchte, was kommt. Oder was eben gerade in den Verlagen gesucht wird.

Manchmal kommt dann eine Idee angeflogen, die sich im Gespräch ergibt, die aus dem Wunsch erwächst, ein gemeinsames Projekt zu machen. So erging’s mir mit den Sonnenfängern, so ergeht’s mir vielleicht jetzt mit einem neuen Projekt, an dem ich schon seit Wochen herumdenke und plane. Wenn mir jemand sagt, „wie wär’s mit etwas wie Autor XY?“, dann bin ich bisher immer sehr gut damit gefahren, mich mit dieser Messlatte nicht auseinanderzusetzen und kein Buch dieses Autors zu lesen.

Jetzt habe ich zum allerersten Mal eine Ausnahme gemacht. Weil ich neugierig war, weil ich wissen wollte, wie die innere Struktur ist (es ist etwas komplexer, etwas dicker, etwas verschachtelt). Ich habe es gelesen, und naja … Ich sag immer, bei 500 Seiten sei für mich Schluss, nicht nur beim Lesen, auch beim Schreiben, da ist meine Grenze erreicht. Und so erging’s mir in diesem Fall auch wieder: die letzten 150 Seiten zogen sich, es wurde immer verschachtelter, immer noch eine Ebene, noch eine Wendung, noch eine Überraschung. Das Ganze dann so atemlos und hektisch erzählt, dass ich das Gefühl hatte, dem Autor ginge gerade die Luft aus. Was ich schade finde, weil die Idee grundsätzlich schön ist.

Jetzt weiß ich also, was ich anders machen möchte. Nicht unbedingt besser, nein: anders. Meine Art, diese Geschichte zu erzählen, die seit Wochen in mir heranwächst. Diesmal hat es mich nicht – wie befürchtet – gehemmt, den Markt zu kennen, es hat mich beflügelt und mir Mut gemacht. Das Exposé wird jetzt rund und schick gemacht, damit es bald auf Reisen gehen kann …

5 Gedanken zu „Den Markt kennen.

    • Die vergleichende Autorin ist Kate Morton. Da ich in meinem Konzept aber schon irre weit bin und mich schon sehr von dem „Vorbild“ (solche Begrifflichkeiten sind ja immer mit Vorsicht zu genießen) entfernt habe, kann ich jetzt schon sagen: aber es wird ganz, ganz anders.

  1. Hui, Kate Morton. Mit der liebäugel ich ja auch schon eine ganze Weile. Ein Grund mehr, sie irgendwann zu lesen :-)
    Hätte ja auch nie gedacht, dass ich mal Sarah Lark lese *lach*

  2. Ich lese gerade ihren „Garten“ – und ich weiß genau, was du meinst. Verschwurbelt, man kommt nicht in die Geschichte rein.
    Enttäuscht – denn ihr „Spiel“ mochte ich eigentlich.

    • Also, in die Geschichte reingekommen bin ich schon, obwohl sie in zwei Zeitebenen erzählt wird (in einer hüpft sie auch noch dramaturgisch geschickt hin und her, vor und zurück, naja.). Was mich dann störte, war dieses „huch, das ist schon so viel, ich muss jetzt auf wenig Seiten viel erklären, huschihusch, feddisch.“ Das war etwas enttäuschend.

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