Exposétestleserunde – Von einem Exposé, das auszog, die Leser zu fesseln …

Ich bin normalerweise, wenn ich schreibe, nicht der Typ Autorin, der alle drei bis fünf Seiten einem Testleser den ganzen Schwung auf den Tisch knallt und nölt: „Lies gefälligst! Sofortigsten! Sag mir, dass das gut/schlecht/irgendwas ist!“

Nein, ich sitze lieber in meinem stillen, stillen Kämmerlein, pröttker gutgelaunt vor mich hin, bin mit meinem Roman und mir allein. Idealerweise habe ich noch im Verlag eine Lektorin sitzen, die mich ein bisschen triezt, die alle hundert Seiten mal lesen will, was ich da fabriziere, und mit der ich dann hin und her diskutiere, was ich besser machen kann. Wie gesagt, das ist der Idealfall, aber nicht zwingend notwendig. Ich hab schon mehr Bücher ohne diese Art der Begleitung geschrieben als mit, und die sind auch fertig und rund geworden. Also.

Jedenfalls: wo ich das dann gut kann, dieses Seiten dem Testleser vor den Latz knallen, das sind meine Exposés. So habe ich es bei den Sonnenfängern gemacht, als ich von einer Handvoll Leserinnen unterstützt wurde. Es ging vor allem darum, ob die Geschichte funktioniert. (und jenen, die sie damals gelesen haben, kann ich sagen: Ach, es ist noch so viel komplexer geworden als das, was im Exposé stand!) Sie funktionierte bei allen Testlesern, ich schickte das Exposé ein, der Rest ist Geschichte bzw. das zweite Buch schreibe ich diesen Sommer. Und das erste kommt bald raus, die Testleser bekommen je ein Exemplar.

Jetzt brauchte ich aber für ein neues Projekt (die Vorgeschichte ist ein bisschen ähnlich, nur anders) wieder mal jemanden, der mir sagt, dass ich gar nicht so schlechte Exposés schreibe. Denn, und jetzt kommt das Wilde an der Sache: Exposés schreibe ich einfach so runter. Das kann zwei, drei Wochen dauern, aber dann schreib ich sie so runter, auch in mehreren Etappen möglich. Das Besondere dabei ist: ich les das Exposé dabei nicht. Das kann ich einfach nicht, weil die perfekte Version ja schon in meinem Kopf ist, und alles, was da schon steht, macht mich völlig kirre und bringt mich durcheinander. Okay, ich weiß, wo ich etwas streichen muss, aber ich lehne mich danach nicht entspannt zurück und lese es in aller Ruhe noch mal durch, ehe ich es an Testleser schicke.

Hätt ich das vorher sagen sollen? ;-)

Interessant sind jetzt die Rückmeldungen, die ich von allen Seiten bekommen habe. Insgesamt habe ich das Exposé an sieben Leserinnen (und den berühmten Herrn Quotenleser) geschickt. Gemocht haben’s alle. (Erleichterung!) Großartig fand ich, wie oft ich gehört habe „ich lese eigentlich keine FamilyAffairs-Romane, aber das hier würde ich lesen!“ – was ich aber am Spannendsten fand, waren die detaillierten Anmerkungen, von denen ich sicher einige in die endgültige Fassung übernehmen werde.

Da habe ich en passant jemandem einen besonderen Landwirtschaftszweig auf den Leib geschrieben. Sowas, das es in Deutschland so gut wie gar überhaupt nicht gibt. Schreibt eine Leserin: „Mein Vater macht genau das!“

Da habe ich en passant einer Protagonistin einen besonderen Lebensumstand auf den Leib geschrieben. Vermutlich weiß ich jetzt, wieso (denn ich bin ein Schwamm, der alles um sich herum aufsaugt …), denn eine Testleserin rief: „Das mach ich auch grade, wenn du also Infos brauchst …“

Und besonders spannend fand ich: die Geschichte besteht aus zwei Teilen. Eine Leserin fand Teil 1 toll und rund und alles, hatte aber ein paar sehr interessante Vorschläge für die Führung von Teil 2. Eine zweite Leserin fand Teil 2 rund und toll, an Teil 1 hatte sie aber vieles auszusetzen.

Aha! Vermutlich bleiben beide Teile so, wie sie sind; ich hab ja noch ein paar Tage Zeit, darüber nachzudenken. (und ich hatte schon viele Tage Zeit, mir Gedanken zu machen, warum ich die Konstellation so gestalte, wie ich sie gestalte. Leider würde es den Rahmen eines Exposés sprengen, wenn ich die vielen Gedanken, die zwischen den Zeilen schweben, schon mit einfließen lassen würde.) Aber bei manchem ist jetzt mein Blick geschärft, wenn ich noch mal drübergehe, und ich weiß jetzt einfach, dass dieses Exposé richtig schön rund und mitreißend sein wird, wenn ich es Montagfrüh heimlich, still und leise der Verlagslektorin ins Mailfach schiebe.

Und dann heißt es wieder mal warten. Haha!

4 Gedanken zu „Exposétestleserunde – Von einem Exposé, das auszog, die Leser zu fesseln …

    • Nein, nein, du hast es toll gemacht! Ich hab doch nur wissen wollen, ob es die Salami vom Brot zieht, und das hast du ja mit deiner Antwort schon bestätigt.

  1. Ich finde es immer spannend, was du von dem Werden eines Buches erzählst. Und jetzt bin ich noch viel gespannter, was dabei letzten Endes rauskommt.
    LG,
    Christiane

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.