Falsch! Ganz falsch!!!

Gestern Abend zog ich aus, fremden Leuten aus meinem neuen Buch vorzulesen. Ich las ein bisschen (unter anderem meine Lieblingsszene aus den Sonnenfängern – also, eine der vielen, eine von denen etwas weiter vorne), und zum Schluss gab’s eine offene Fragerunde. Soweit alles ganz normal.

Eine interessierte Zuhörerin wollte wissen, wann ich arbeite.

Worauf ich fröhlich und entspannt antwortete, ich steh zwar nicht gar so früh auf wie der Rest der arbeitenden Bevölkerung, aber immerhin so, dass ich um neun am Schreibtisch sitze. (dafür muss ich wirklich nicht früh aufstehen. Mein Arbeitsweg ist recht kurz, das versteht sicher jeder.) Und dass ich auch gerne und viel tagsüber da sitze, an diesem Schreibtisch, und munter vor mich hinschreibe und übersetze, was eben so anfällt, und ich schreibe Mails und telefoniere mit Leuten und mach die Sachen, die andere Leute auch so tun, die in ihren Büros sitzen.

Und dann merkte ich heute: alles gelogen.

Ich stand heute früh auf, ich setzte mich an den Schreibtisch. So kurz vor neun, wunderbar, ich lag gut in der Zeit. Ich versuchte mich an diesem gestern so viel gepriesenen Konzept Arbeit. Der Kopf ist voll mit anderem Kram. Ich schrieb mit meiner Lektorin ein paar Mails hin und her, ich schrieb einen ganzen Schwung Mails an liebe Leute, die ich gerne mit Mails bedenke. Ja, ja, ich schrieb eine Menge, aber nicht das, was ich sollte. Irgendwann dann so ein lustloses vorsichhinübersetzen, kurz nach zwölf war ja irgendwie auch schon Mittagspause und ich las noch ein bisschen dies, machte Pause, setzte mich um zwei wohlgemut wieder an den Schreibtisch. Da geht noch was. Dachte ich.

Da ging nichtsoviel. (ich kürze das an dieser Stelle mal ab.) Gegen fünf endgültig aufgegeben für den heutigen Tag.

Und jetzt? Ahahahaaa, jetzt hab ich Lust drauf, die halbe Nacht in die Tasten zu hauen. Zu übersetzen, dass die Heide klappert. Herrlich, und so typisch. Ich bin Nachttier, und wenn ich nicht gerade unter Terminen stehe, die mir eine andere Arbeitsweise aufzwingen, verträume ich den Tag und drehe erst nachts auf. Was unter der Woche nichtsotoll ist, weil ich lieber vor dem Liebsten ins Bett schlüpfe, oder kurz vorher. Jetzt sitze ich aber hier und möcht die Nacht durchmachen. Blöd. Richtig, richtig blöd.

Und irgendwie das herrlichste, was mir nach diesem völlig verkorksten Tag passieren konnte.

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