Die Mohnkuchen-Therapie.

„Magst du Mohnkuchen?“

Ich mag und machte mich deshalb – mitten im tiefsten Jammertal – Mittwochmorgen auf den Weg zu einem Mohnkuchen-mit-Kaffee-Date eine Stadt weiter. Ich. Im tiefsten Jammertal. Das muss man sich mal vorstellen. Früher hätte meine Reaktion darin bestanden, leise „mimimi“ zu nölen – ist ja ein nettes Angebot, aber nicht jetzt, nicht so. Ich wäre bestimmt keine gute Gesellschaft, das wäre meine Ausrede gewesen.

Jetzt springe ich einfach, wenn so ein liebes Angebot kommt. Da backt jemand Mohnkuchen, kredenzt mir selbigen zum Frühstück, dazu einen sehr leckeren Latte Macchiato. Und ich darf stricken, das wurde vorher ausdrücklich betont, dass Handarbeiten doch so schön beruhigend ist.

Lange Rede – es war schön. Genau das Richtige für mich im tiefsten Jammertal. Und hat von vorn bis hinten wunderbar geklappt – inklusive „kein Knöllchen“, obwohl ich meine Parkzeit hoffnungslos überzogen habe. War halt grad so schön. Da wollte ich nicht weg, weil die Parkzeit abgelaufen war. Es ging nicht mal hauptsächlich ums Schreiben, sondern um viele andere, sehr schöne Themen.

Und was soll ich sagen? Die Mohnkuchen-Therapie wirkt. Macht ruhiger, fröhlicher und irgendwie gibt’s auch den Blick wieder frei auf das, was zählt. Das Gefühl von „leer geschrieben“ macht Platz für die Erkenntnis, dass nicht ich diejenige bin, die leergeschrieben ist, sondern dass es der Markt mit seinen Anforderungen ist, der mich krank macht. Verlage, die genaue Vorstellungen von dem haben, was sie von mir wollen – und die dann das, was ich machen *will* – sehr unbedingt will, übrigens! – allen Beteuerungen und Treuebekundungen zum Trotz nicht machen, weil „der Markt es nicht hergibt“. Das ist die Realität. Und die Realität kotzt mich an.

Einen Ausweg habe ich noch nicht gefunden. Aber vielleicht ist das, was ich die letzten 12 Monate gedacht habe – dass ich wirklich ohne Rücksicht auf Verluste oder irgendwelche Marktansprüche schreiben will – nicht nur der nächste logische Schritt. Sondern ich muss mich davon befreien, es allen recht machen zu wollen. Das klappt nämlich nicht. Ich mach jetzt das, was ich immer wollte. Und ich glaube, dafür bietet sich eine sehr alte Geschichte an; eine, die ich seit knapp acht Jahren schreiben will. Die mir immer noch unter der Haut brennt, ohne die ich nicht vorankommen werde. Sie muss geschrieben werden.

Vielleicht mache ich das einfach. Gegen die Angst anschreiben, dass mir die Geschichte entgleitet, wie sie es vorher immer tat, wenn ich sie anpackte. Die Angst war immer, dem Stoff nicht gewachsen zu sein. Oder keinen Verlag dafür zu finden. Oder mit dem Ergebnis nicht zufrieden zu sein. Ist jetzt alles egal. Der Stoff taugt, er geht tief unter die Haut. Bei mir. Die Hauptsache.

Natürlich war ich nicht leergeschrieben. Nur bin ich eben an dem Punkt, nicht mehr dem Markt gehorchen zu wollen und zu können – und das heißt eben auch, dass ein paar unpopuläre Entscheidungen getroffen werden müssen.

Das alles wegen ein bisschen Mohnkuchen? Ach nein. Aber der hat schon geholfen.

3 Gedanken zu „Die Mohnkuchen-Therapie.

  1. Es gibt ja auch noch die Möglichkeit des Selfpublishing. Da kannst Du alle Geschichten genau so erzählen, wie Du willst. Und die Leser machen das, entgegen der Behauptungen der Verlage, mit. Nicht immer natürlich, aber erstaunlich oft.

    • Nein, Selfpublishing kommt für mich nicht in Frage; ich brauche das Gleichmaß und die Struktur als Verlagsautorin. Dafür bin ich nicht diesen Weg gegangen, um mich jetzt selbst mit der Suche nach Lektoren, Grafikern & Co. herumzuschlagen.
      Übrigens: kein Verlag behauptet, die Leser würden das nicht mitmachen. Das Problem bei Selfpublishing ist eben, dass es da auch viel Mist gibt, mehr Mist jedenfalls als bei dem, was die Verlage produzieren (jaja, die produzieren auch Mist. Hab nie was anderes behauptet.). Und ich mag – auch wenn es manchmal schwierig ist – die Zusammenarbeit mit den Verlagen. Ich mag meine Lektorinnen, ich mag meine Agentin, ich mag, wie sie mir ein kuscheliges Nest bauen, in dem ich nur schreiben brauche.

      Selfpublishing ist gut für jene, die genug Zeit haben, um sich zu kümmern, um alles, was links und rechts zu bekümmern ist (und was mir eben der Verlag idealerweise auf zauberhafte Art so abnimmt, dass ich gar nicht merke, wie sehr es mir abgenommen wird). Ich will das nicht, ich will nur schreiben und sonst nichts.

  2. Reichlich spät antworte ich Dir noch mal (Frau Feinstrick ist momentan etwas träge …):
    Ja, das verstehe ich alles sehr gut. Es ist tatsächlich wahnsinnig zeitaufwändig und mühsam, wenn man sich um alles selbst kümmern muss. Ich meinte das auch nicht so, dass Du nun komplett aus dem Verlagsgeschäft aussteigen sollst, das wäre tatsächlich ziemlich unsinnig. Aber für Geschichten, die kein Verlag haben will, ist es eine tolle Chance, doch noch ihren Weg zu den Lesern zu finden. Und die Szene ist sehr nett und hilfsbereit. Gute Lektoren und Grafiker sind da schnell gefunden.
    Ich habe es übrigens tatsächlich genau so erlebt: Verlage und Agenturen schrieben mir, meine Geschichten seien toll geschrieben, aber die würde kein Mensch kaufen, sie seien nicht Mainstream genug. Im Falle eines Romans, der mir sehr am Herzen lag, konnte ich ihnen das Gegenteil beweisen. Er hat sich im Selfpublishing gut verkauft. Und das, obwohl ich gar nicht viel Werbung dafür gemacht habe.

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