Die „richtigen“ Worte finden.

Das geht mir nicht aus dem Kopf.

Eine Bekannte bei Twitter schrieb in den leeren Raum hinein (in den wir alle Tag für Tag unsere kleinen und großen Erlebnisse, Kümmernisse, Gedanken und Empfindungen schreiben, weil wir eben wissen, dass dieser Raum nicht so leer ist, sondern dass da viele sind, die lesen, nicken, etwas antworten), sie würde gern über so vieles schreiben, doch sie habe Angst, die „richtigen“ Worte zu finden.

Es gibt keine falschen.

Oder, anders formuliert: natürlich ist es nicht leicht, die „richtigen“ Worte zu finden. Wobei ich gar nicht mal die richtigen Worte meine, sondern vielmehr: Die Worte, die richtig verstanden werden. Denn was für mich richtig klingt, kann für euch ja in vielen Fällen irgendwie krumm und schief klingen. Was gar nicht mal so unwahrscheinlich ist bei mir, ich schreib nämlich, wie mir der Schnabel gewachsen ist, ich lese kein zweites Mal drüber, ich schicke den Text ab, wie er eben ist. Und weg ist er. Aber es hat lange gedauert, bis ich an diesem Punkt war. Inzwischen ist es schon Jahre her, aber es gab die Zeiten, als ich jeden Abend intensiv meine Blogstatistik studierte, als ich jeden Kommentar bejubelte, als ich jede Verlinkung feierte. Weil das alles, diese kleinen, funkelnden Bestätigungen meines Schreibens, die im Dunkel um mich aufleuchteten, mir versicherten, dass ich gelesen werde. Inzwischen wurde dies in den meisten Fällen durch ein Fav bei Twitter ersetzt (das für so vieles stehen kann: verstehe ich, finde ich auch, toller Text, Danke, usw.), und ich säubere das Blog nur von Spamkommentaren. Andere lassen keine Kommentare zu und sind damit auch glücklich.

Zurück aber zu den „richtigen“ oder „falschen“ Worten, denn ja, die haben auch was mit den kleinen Bestätigungssternchen draußen im WWW zu tun. Wenn man etwas schreibt, das vielleicht kontrovers aufgenommen werden könnte und das aus einem sehr persönlichen Blickwinkel in die Welt getragen wird, kann jede abfällige Bemerkung ja schon zu viel sein. Oder die Nicht-Reaktion. Keine Sternchen, weil ein Text erstmal sehr nachdenklich stimmt. Oder weil er zur falschen Zeit in die Twittertimeline gespült wird. (während alle anderen Tatort gucken, zum Beispiel.) Oder die Reaktionen kommen vereinzelt, sind aber nicht das, was man sich erhofft. Es gibt so viele Gründe, warum ein Text nicht die Beachtung findet, die er sich wünscht. (im Großen geht mir das ja mit meinen Büchern auch so, denen ich viel mehr Leser wünsche – nicht, weil ich dann reich und berühmt werde, sondern weil ich mir wünsche, dass die Leser verstehen, was ich zwischen den Zeilen schreibe. Unterhaltung, die eben nicht nur als Unterhaltung funktioniert.) Und vielleicht gehören die „richtigen“ Worte auch dazu. Jene Worte zu finden, jene Formulierungen, dass sich der Leser zurücklehnt und sagt: ja. Verstehe ich. Mag ich. Danke.

Und gerade bei den Themen, die verletzlich machen, ist diese Angst groß. Nicht die Worte finden, die dem Thema auch mit meiner Stimme gesprochen die Größe und Wichtigkeit verleihen, die es für mich hat. Zugleich aber: da draußen Menschen zu erreichen, die darüber vielleicht noch nie nachgedacht haben und jetzt aufs Sternchen drücken oder etwas sagen, irgendwas und irgendwo, das mir das Gefühl gibt, verstanden zu werden.

Andererseits: ich schreibe vor allem für mich. Und für mich gibt es kein falsches Wort, denn jedes Wort, das ich loslasse, das ich in die Welt schicke, ist ein kleines Stück von mir. Jeder Satz ein Blick hinter die Fassade, jeder Eintrag ein Herzensding, das ich euch schenke. Ich schreibe, weil mich vieles bewegt. Und weil ich mich ein bisschen leichter fühle, wenn ich manches loslassen darf.

Wenn einer von euch da draußen dann aufs Sternchen drückt oder meinen Text retweetet oder sonstwie einfach nur signalisiert, dass mein Text gelesen wurde, dass er irgendwas bewegt hat – dann ist das für mich wie ein Geschenk.

2 Gedanken zu „Die „richtigen“ Worte finden.

  1. Gelesen und Hängen geblieben. Noch selten ist mir aus diesen kleinen Strichen und Punkten auf diesem hellen Bildschirm so v i e l entgegen gekommen. So viel – es fällt mir kein besseres Wort ein – Gefühl-tes, das die Distanz überwindet. Ich finde es schön.
    Und wünsche alles Gute.

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