Trippelschritte Richtung Ordnung.

Oder: wie ich die Ordnung lieben lernte.

Im Grunde bin ich das schon – ein ordnungsliebender Mensch. Aber was mir fehlt, ist das Durchhaltevermögen, an so vielen „Fronten“. Ich brauche immer einen kleinen Schubs, muss mir innerlich einen Ruck geben, um zum Beispiel kleine Haushaltsdinge zu erledigen. Oder manchmal bin ich einfach zu müde, um mich wieder einer Aufgabe zu widmen, wenn ich zwischendrin eine Pause brauche und ich komme partout nicht zurück in dieses Gefühl, das sich einstellt, wenn man zufrieden einer Arbeit nachgeht, die Spaß macht.

Für 2015 habe ich mir ja nix vorgenommen. (es gibt ja Dinge, die man sich nicht „vornehmen“ kann, die man nicht beeinflussen kann, jedenfalls nicht so sehr, wie man es sich manchmal wünscht.) Schon vor dem Jahreswechsel habe ich begonnen, achtsamer mit dem zu sein, was ich empfinde. Mich zu beobachten bei dem, was ich tue und wie ich es tue. Wieso zum Beispiel steht wochenlang ein Korb mit ungefalteter Wäsche im Schlafzimmer? Wieso räume ich die leeren Shampooflaschen nicht sofort aus der Dusche? Wieso warte ich mit dem Rausstellen der Mülltonne bis spät abends? Das sind diese trivialen Dinge des Alltags, von denen ich bisher glaubte, ich nehme sie einfach nicht wahr. Und dass sie mich doch gar nicht stören, weil wenn sie mich stören würden, dann würde ich es doch sofort ändern und nicht permanent daran vorbei gucken?

Das Interessante ist: ich glaube, ich gucke gar nicht dran vorbei. Ich sehe das sehr genau, aber was ich da sehe, hat mich über die Maße erschöpft. Dieses sisyphosartige Dagegenaufräumen, das war mir schlicht zu viel. Es gab dann noch einen Clash of Cultures mit meiner ständigen Ermüdung – die auch auf dieses letzte, schwierige Jahr zurückzuführen war, aber eben nicht nur – und schon steckte ich in der Falle. Wenn ich nicht anfange, dagegen anzuräumen, dann wird’s auch nichts. Und diese allmonatlichen Hauruckaktionen, die bringen mich auch nicht weiter, die helfen auch nur kurzfristig gegen dieses unzufriedene, ungeordnete Gefühl.

Es gibt Leute, die haben das im Griff. Die wissen, was getan werden muss und packen es an. Sie haben meine vollste Bewunderung! Ein Haushalt, der „aufm Laufenden“ ist, wäre mein hehres Ziel, dachte ich immer.

Und dann merkte ich: nö, ist es nicht. Weil das Lebensziel für mich nicht sein kann, allen Wollmäusen sofort den Garaus zu machen. Oder regelmäßig einen Waschtag zu haben, einen Putzplan oder irgendwas. Das schaffe ich ja gar nicht neben meiner wundervollen Arbeit. Ja, ja, obwohl ich den ganzen Tag zu Hause bin, ha ha, ich dreh ja auch nur Däumchen vorm Macbook!

Ich kann nicht behaupten, es hätte irgendwie Klick gemacht. Und ich will jetzt nicht so tun, als wäre hier alles schick. Aber in den letzten Tagen und Wochen habe ich diese Achtsamkeit für mich und mein Bedürfnis nach einer gewissen Grundordnung etwas besser gepflegt. Mich gepflegt, das heißt auch und vor allem: viele, viele Pausen, denn ich ermüde immer noch schnell. Diese letzten zwölf Monate haben mir alles abverlangt, und ich werde noch ein bisschen Zeit brauchen, mich vollständig davon zu erholen. Und manches wird ja nie verschwinden. Aber was ich eigentlich sagen will: es hat nicht Klick gemacht, es ist auch längst nicht alles schick. Aber weil ich auf mich höre (und ein Teil von mir eben kräht: „Ordnung, Ordnung, Ordnung!“), weil ich diesen Grad der Achtsamkeit erlangt habe, weil ich spüre, wie jedes Bisschen, das ich erledige und ordne, mich ein bisschen ruhiger und gefasster macht, mache ich diese Dinge. Und ich mache sie mit einer stillen Freude.

Ich hab keine Ahnung, wie lange das anhält. Und perfekt ist hier eh nichts und wird nie perfekt sein. Das soll es auch gar nicht; aber vieles lag hier im Argen und war eben ohne die Ordnung, die ich brauche. Und darum stelle ich sie her. Jeden Tag ein bisschen. Der Liebste hilft mir dabei. Gestern zum Beispiel haben wir die Kommode aufgebaut. DIE Kommode. Die Kommode vom Kinderzimmer, das ja damals schon bestellt war. Seither standen die Pakete im Abstellraum, wir schafften das irgendwie nicht, sie aufzubauen. Aber gestern ging es dann, und es dauerte auch nur zweieinhalb Stunden (wobei wir uns unglaublich dämlich angestellt haben). Und danach haben wir das Auto mit dem Pappmüll vollgeladen. Das hat dann gestern gereicht.

Heute waren wir am Wertstoffhof und haben die Pappe weggebracht. Und auf dem Rückweg im Baumarkt. Eine Kabeltrommel gekauft, um endlich mal auf dem Dachboden Licht zu haben, wenn wir in der dunklen Jahreszeit dort zugange sind. Außerdem Schrauben und Winkel. Der Liebste hat eine Kommode repariert (nein, keine Sorge – mehr Kommoden besitzen wir nicht), ich habe Wäsche zusammen gelegt und für Rebuy zwei Dutzend Bücher rausgesucht und in einen Karton gepackt. Ich fühle mich schon etwas leichter. Sonntag bauen wir ein Regal auseinander, das dann auf dem Dachboden wieder aufgebaut wird. Und im Laufe der kommenden Woche kommen ein paar neue Regale für die Wollshopwolle. Damit ich auch da mehr Ordnung reinbringen kann. Schritt für Schritt für Schritt. Trippelschrittchen.

Und jeder Schritt tut mir gut, und jedes Mal, wenn wir etwas geschafft haben, bin ich darüber froh. Vielleicht schaffe ich es morgen auch, unseren Weihnachtsgabentisch abzuräumen. Nachdem mein Geburtstagsgabentisch bis Anfang Dezember stand, bis er ein Relikt aus jener schlimmen Zeit war, das ich weder anrühren noch länger so angucken konnte. Irgendwann handelt man ja doch.

Ich möchte mir halt bewahren, dass es mit dieser Achtsamkeit geschieht und nicht mit einer trotzigen Wut, weil es halt gemacht werden muss. Wenn die Zeit dafür gekommen ist. Wie bei der Kommode – vier Monate nachdem sie geliefert wurde.

Ein Gedanke zu „Trippelschritte Richtung Ordnung.

  1. Huhu Liebes,

    das kommt mir irgendwie bekannt vor. Das Thema Ordnung beschäftigt mich auch gerade. Ich finde es schon irgendwie befreiend, wenn hier eine gewisse Ordnung herrscht und es ist einfacher, wenn man immer wieder die Grundordnung aufrecht erhält , anstatt immer mal wieder Großaktionen zu fahren. Aber alles im Rahmen des möglichen. Drücke die Daumem, dass Du am Ball bleibst, wenn es Dir gerade gut tut :-*

    Liebe Grüße

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