Natürlich habe ich Vorsätze, und zwar gute!

Einen schönen Artikel gab es dazu erst kürzlich in der ZEIT online: Dieser kleine Zellhaufen Selbstkontrolle. Und darin heißt es:

Die Wahrheit ist, dass wir es nicht in der Hand haben, einfach so, von heute auf morgen, unsere Leben zu verändern. Wenn das nur eine Frage von Selbstbeherrschung und Disziplin wäre, würden wir alle schon lange unser Idealleben führen.

Die Kunst ist also nicht, sich irgendwann das eine vorzunehmen, was man immer schon mal schaffen wollte. Die Kunst ist, das, was man sich vorgenommen hat, immer wieder aufs Neue vorzunehmen. Nur so gelingt es, das Verhalten irgendwann graduell anzupassen, bis es dem relativ nahe kommt, was man Idealleben nennt.

Das zu wissen, erleichtert mich. Die Ordnungsliebende in mir atmet auf. Hurra, ich brauche das gar nicht von heute auf morgen können. Es reicht, wenn ich es mir immer wieder vornehme. Wenn ich immer wieder merke, dass es lohnt, dass es gut tut, dass ich das hinbekomme. Es reicht, mit sich selbst gut umzugehen und dann zu erkennen, wie und wo man etwas hat schleifen lassen. Und sich dann nicht zu kasteien, sich nicht in Selbstbeschimpfung zu ergehen, sondern zu sagen: öhm, okay. Aber du hast es versucht und du kannst es wieder versuchen. Irgendwann wird es schon einfacher, irgendwann hast du das Gefühl, es gehört mehr zu dir. Und irgendwann merkst du, es ist ein Teil von dir.

Ich versuche zum Beispiel im Moment, mir etwas beizubringen, ein neues kreatives Feld, an dem ich – das weiß ich – viel Spaß haben werde: Anleitungen für Strickdesign schreiben. Ich habe irre viele Ideen, sie fallen mir einfach ständig in den Schoß, ich kann mich gar nicht dagegen wehren. Und während diese Ideen auf mich einprasseln, ich vielleicht sogar das eine oder andere umsetze, stricke, Notizen mache usw. merke ich, dass ich beim Schreiben der Anleitungen an meine Grenzen stoße. Das ist etwas, das ich noch nicht genug geübt habe und weil ich in vielen Fragen unsicher bin, zögere ich das Schreiben so lange hinaus, bis aus meinen einstmals so klaren Notizen ein unverständliches Kauderwelsch wird. Bis aus dem, was für mich beim Stricken sonnenklar war, ein Durcheinander aus Zahlen und Anweisungen wird, das mich nur verwirrt. Und das macht müde, es erschöpft mich, und eigentlich denke ich dann manchmal auch, das wäre vielleicht gar nicht nötig. Vielleicht brauche ich das doch nicht zu machen, vielleicht ist das inzwischen auch egal usw. Vielleicht muss ich das gar nicht lernen.

Und das ist der Punkt, an dem ich durchatme, einen Schritt zurücktrete – und es erneut versuche. Ich kann nicht anders, das ist etwas, das ich können will. Und darum, fürs Neue Jahr, dieser Vorsatz: lernen. Lernen und dabei den Blick über die Schulter gestatten, zeigen, was hier passiert. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wie ich mir immer einrede (die Vermutung hege ich manchmal schon …), vielleicht brauche ich einfach mehr Zutrauen in die eigene Fähigkeit. Vielleicht fange ich immer und immer wieder von vorne an, bis es irgendwann passt.

Und das ist mein Ziel für 2015. Es immer wieder versuchen, bis es passt.

2 Gedanken zu „Natürlich habe ich Vorsätze, und zwar gute!

  1. Hey, dass gefällt mir! Das man seine Ziele gar nicht sofort erreichen kann und muss und das es einfach wichtig ist, dass man es sich immer wieder mal vornimmt und angeht, damit man es irgendwann dann auch tatsächlich erreichen kann.

  2. Pingback: Vorsätze 2015

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