Die Muse will Ferien machen? – Strategie gegen den Writer’s Block

Bei jedem Roman kommt früher oder später der Punkt, ab dem es immer langsamer voran geht. Man schleppt sich so durch die Seiten, fragt sich alle zehn Wörter, wie man nur solchen Mist verzapfen kann und ist sicher, dass niemand diesen Schund lesen wird. Und wenn man erstmal an diesem Punkt angelangt ist, kann man’s ja auch gleich bleiben lassen mit dem Schreiben. Und stattdessen einen Blogeintrag verfassen. (Ihr seht, wohin das führt?)

Diesmal war’s der schleichende Prozess, ich habe nämlich mehrere Stolperfallen eingebaut, damit ich dieses Mal gar nicht erst reinrausche. Und trotzdem ist es mir passiert. Anders formuliert: ich fürchte, es passiert gerade.

Mir helfen ein paar Dinge gegen das Stocken. Denn der sogenannte „Writer’s Block“, die ach so viel beschworene Schreibblockade, ist gar keine Blockade. Könnten wir uns darauf einigen, bevor ich mehr erzähle? Meist handelt es sich einfach um innere Widerstände, die sich regen, weil man irgendwas „vergessen“ hat, „später“ noch einfügen möchte, weil etwas „fehlt“, das dem Text seinen inneren Halt gibt. Viele Autoren, die mit dem Schreiben erst anfangen, machen die leidvolle Erfahrung, nach dreißig bis fünfzig Seiten steckenzubleiben. Dann ist ihre Initialidee aufgebraucht. Das, was sie zum Schreiben trieb, hat sich erschöpft und sie haben die Geschichte nicht weitergedacht. Und dann merken sie, dass planloses Drauflosschreiben nicht ihre Sache ist, aber sie scheuen die Arbeit, die mit einem Kapitelexposé, Charakterbögen etc. verbunden ist.

(kleiner Einwurf: Ja, ich weiß. Ich hab erst letztens hier verkündet, dass ich das alles nicht mache – jedenfalls nicht schriftlich. Wenn ich schreibe, lebe ich allerdings mit den Figuren und deshalb sind sie in diesem Zeitraum wie alte Bekannte, mit denen ich beisammen sitze und mir ihre Geschichte erzählen lasse. Aber hier geht’s nicht nur um mich.)

Okay, das Schreiben verlangsamt sich, der Strom versiegt. Was hilft?

So banal das jetzt klingt, aber: weiter schreiben. Und zwar nicht irgendwas. Die Verlockung ist *riesig*, sich jetzt auf eine der anderen Geschichten zu stürzen, die sich plötzlich in den Vordergrund drängen wollen. Das alles sind nur Ablenkungsmanöver. Natürlich ist es leichter, sich in den nächsten Text zu werfen und wieder 50 Seiten zu produzieren, die dann irgendwie den Heldentod der angeblichen Schreibblockade sterben. Meist ist dieses verlangsamte Schreiben (zumindest bei mir) ein deutliches Zeichen, dass viel passiert, woran man wiederum viel herumdenken muss. Schreiben ist nicht nur aktives „in die Tasten“, sondern auch ganz viel passives „nicht in die Tasten“. Bei den größten Plotlöchern, die man dann konkret benennen kann („Wie bringe ich XY dazu, Z zu machen?“), helfen stumpfe Tätigkeiten. Anderswo nennt man das denn Prokrastination, aber Putzen, Wäsche, Duschen, Steuerakten sortieren kann tatsächlich helfen. (Duschen ist mein Geheimtipp. Beim Duschen hab ich noch jedes Plotloch gestopft bekommen.) Trotzdem sollte am Ende jedes Tages etwas Zählbares stehen – auch wenn’s nur eine Seite ist. Egal! Hauptsache, man bleibt drin.

Es ist gut, wenn im Text viel passiert. Kann natürlich auch sein, dass ein Zuwenig ausbremst. Das findet man aber mit etwas Übung beim Lesen selbst heraus und davon sollte man sich nicht entmutigen lassen. Die wenigsten Texte entstehen linear von vorne nach hinten. (Und wenn sie bei dir so entstehen – wunderbar!)

Schreiben ist ein Prozess, der viel mit Denken zu tun hat. Vor-denken, mit-denken, nach-denken. Man muss den Figuren im eigenen Leben ein Plätzchen freiräumen, sonst ziehen sie sich beleidigt zurück. Vor allem aber muss man jeden Tag schreiben, sonst wenden sie sich ab und sind beleidigt. Anders ausgedrückt: sobald man einen Text länger als eine Nacht ruhen lässt, wird er sperrig, doof, anstrengend, uninteressant. Man möchte ihn eigentlich mit jedem weiteren Tag lieber in die Ecke pfeffern und vergessen, dass man je dachte, man könne ja mal einen Roman schreiben.

Gegen den Writer’s Block, der keiner ist, hilft eben nur: schreiben. Schreiben, schreiben, schreiben.

3 Gedanken zu „Die Muse will Ferien machen? – Strategie gegen den Writer’s Block

  1. Hmm – ich finde es äußerst spannend den Entwicklungsprozess hier ein wenig verfolgen zu dürfen?

    Mir persönlich ist es ein Rätsel, wie es einem gelingen kann eben nicht den Überblick zu verlieren – denn im Laufe einer jeden Geschichte passieren so unglaublich viele Dinge und das ganze gerne ja auch noch parallel.

    Deshalb –> write on my Dear!!
    Wenn es jemand kann, dann Du!

    • Das Geheimnis ist ja … man verliert den Überblick. Und schreibt trotzdem weiter, weil es ja noch die Überarbeitungsrunde gibt. ;-)

  2. :-)

    Dann ist ja alles gut …

    Außerdem wäre es ja auch für die „Lektoren to be“ langweilig, wenn sie nix an den Rand des Manuskriptes schreiben dürfen ;-)

    Ach, spannend das alles hier …

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